Inflation: Sparkassen befürchten dauerhaft hohe Zinsen
Die Vorstände der regionalen Kreditinstitute sehen die Konjunkturaussichten optimistischer, rechnen aber mit dauerhaft hohen Inflationsraten.
Foto: dpaFrankfurt. Die Inflation ist nach Meinung der deutschen Sparkassen noch lange nicht besiegt. Zwar erwarten die regionalen Kreditmanager im Laufe des Jahres eine weitere Verbesserung. Allerdings bleiben die Inflationserwartungen mit über vier Prozent für das Jahresende weit von der Zielmarke der Europäischen Zentralbank (EZB) entfernt, die eine Teuerung von um die zwei Prozent anstrebt.
Die Folge: Die Sparkassen fürchten, dass die Zinsen nach der rapiden geldpolitischen Wende der EZB für geraume Zeit auf einem deutlich höheren Niveau als in den vergangenen Jahren bleiben werden.
Das ist das Ergebnis des Deka-S-Finanzklimas für das erste Quartal, eines Sentimentindexes für die aktuelle Lage in der deutschen Wirtschaft und an den Finanzmärkten aus Sicht der regionalen Kreditinstitute der Sparkassen-Finanzgruppe.
Das S-Finanzklima basiert auf einer quartalsweisen Umfrage unter den Vorständen der deutschen Sparkassen, die das Handelsblatt regelmäßig veröffentlicht.
Demnach erwarten 84 Prozent der befragten Sparkassen-Manager, dass die Inflation in Deutschland am Jahresende bei über vier Prozent liegen wird. 39 Prozent davon sehen die Teuerung sogar bei über fünf Prozent.
Weitere Preiserhöhungen erwartet: Sparkassen fürchten dauerhaft hohe Inflation
Dieser Prognose liegt eine Einschätzung der Preispläne der Unternehmen zugrunde. Danach planen in den meisten der Sparkassen-Geschäftsgebiete mehr als die Hälfte der Unternehmen, auch in diesem Jahr ihre Preise zu erhöhen.
„Diese Ergebnisse verdeutlichen, wie zäh ein einmal in Gang gekommener Inflationsprozess sich entwickeln kann“, meint Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Dekabank, des Wertpapierdienstleisters der Sparkassen.
Im März stiegen die deutschen Verbraucherpreise deutlich langsamer als in den Monaten zuvor, allerdings sehen Volkswirte noch keinen Grund zur Entwarnung. Im Vergleich zum Vorjahresmonat lag die Inflation bei 7,4 Prozent. Im Januar und Februar hatte die Teuerung noch bei je 8,7 Prozent gelegen.
Sorge bereitet Expertinnen und Experten die nach wie vor hohe Kerninflation. Dieser um die schwankungsanfälligen Energie- und Nahrungspreise bereinigte Wert stieg nach Schätzungen der Commerzbank im März von 5,7 auf 5,9 Prozent.
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Die Zahlen befeuern die Debatte über den weiteren Kurs der EZB, die Mitte März den Leitzins im Euro-Raum um einen weiteren halben Prozentpunkt auf 3,5 Prozent angehoben hatte.
Gleichzeitig ließ Notenbankchefin Christine Lagarde offen, ob die EZB den Leitzins auch in den kommenden Monaten weiter anheben wird. Zuletzt hatte EZB-Chefvolkswirt Philip Lane eine weitere Zinserhöhung für den Mai angedeutet, die mit 0,25 Prozentpunkten allerdings kleiner ausfallen könnte.
Die Verfechter einer lockeren Geldpolitik sehen den Rückgang der Gesamtinflation und die jüngsten Turbulenzen im Bankensektor als Argumente gegen weitere Zinserhöhungen. Dagegen verweisen die Anhänger eines straffen Kurses auf die hohe Kerninflation. Diese gilt als Zeichen dafür, dass die Inflation zunehmend in der Breite der Wirtschaft ankommt.
Inflation: Sparkassen rechnen längerfristig mit hohen Zinsen
Die Sparkassenmanager erwarten nicht, dass das Zinsniveau schnell wieder sinkt. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe wird nach Meinung von fast 70 Prozent der Befragten zu Beginn des kommenden Jahres bei über 2,5 Prozent liegen. Hiervon rechnen gut 14 Prozent sogar mit Renditen über drei Prozent.
Angesichts des gegenwärtigen Marktzinsniveaus lässt sich dieses Ergebnis nach Meinung von Chefvolkswirt Kater so interpretieren, dass die Sparkassen nicht mehr mit stark steigenden Zinsen, aber mit einer stabilen Dauer des jetzt erreichten Zinsniveaus rechnen. Aktuell rentiert die zehnjährige Bundesanleihe mit etwa 2,25 Prozent, vor zwölf Monaten hatte dieser Wert noch bei 0,8 Prozent gelegen.
Insgesamt sehen die Sparkassen 2023 ein robustes Konjunkturbild. Das S-Finanzklima, als Indikator für das breite Geschäftsumfeld der Kreditinstitute, verbesserte sich im ersten Quartal auf 77,3 Punkte, ein Rekordsprung in der zweijährigen Geschichte der Umfrage. Im Schlussquartal 2022 hatte das S-Finanzklima noch ein Allzeittief bei 58,1 Punkten markiert.
Mit dem kräftigen Anstieg nähert sich das Klima seinem Wert zu Beginn des Ukrainekriegs wieder an. Dabei haben sich alle Komponenten des Sentimentindexes verbessert, die wichtigsten positiven Impulse kamen von den Konjunkturerwartungen und der Kreditnachfrage.
Erstpublikation: 11.04.2023, 14:07 Uhr.