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Mehr Wagniskapital Diese Probleme sehen deutsche Start-ups noch beim milliardenschweren Zukunftsfonds

Die Förderbank KfW treibt den Start eines neuen Fonds voran. Viele Gründer halten das Konzept für einen wichtigen Schritt. Doch es gibt auch mahnende Stimmen.
22.06.2021 - 18:58 Uhr Kommentieren
Die KfW-Tochter KfW Capital strukturiert und managt die verschiedenen Bausteine des neuen „Zukunftsfonds“, der die Finanzierung deutscher Start-ups verbessern soll. Quelle: Blatterspiel/Jan Huebner
Staatsbank KfW

Die KfW-Tochter KfW Capital strukturiert und managt die verschiedenen Bausteine des neuen „Zukunftsfonds“, der die Finanzierung deutscher Start-ups verbessern soll.

(Foto: Blatterspiel/Jan Huebner)

Frankfurt, Düsseldorf Um große Worte ist die Politik nicht verlegen. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) sieht den Beginn eines „neuen Zeitalters“ bei der Start-up-Finanzierung. Finanzminister Olaf Scholz (SPD) sprach am Dienstag auf einer Veranstaltung der Staatsbank KfW vom „Kick-off für mehr Zukunftsinvestitionen“.

Insgesamt soll ein sogenannter Zukunftsfonds mehrere Milliarden Euro an junge Firmen in Deutschland verteilen, um den Zugang von jungen Gründern zu Risikokapital zu verbessern. Der Fonds, dessen offizieller Startschuss im März dieses Jahres fiel, soll jungen Firmen in großem Stil Wagniskapital zur Verfügung stellen.

Bis 2030 will die Bundesregierung insgesamt zehn Milliarden Euro zur Verfügung stellen, private Investoren sollen weitere 20 Milliarden beisteuern. „Es laufen erste Gespräche mit Wagniskapitalgebern“, erklärte die KfW-Tochter KfW Capital, die sich um den Zukunftsfonds kümmert.

Doch was denken die Fintech-Branche und die Investoren selbst über das Vorhaben? Das Handelsblatt hat mit wichtigen Vertretern aus der Gründerszene und von Venture-Capital-Gesellschaften gesprochen. Der Tenor ist dabei grundsätzlich positiv, aber es gibt auch mahnende Worte zu dem Projekt.

Im Folgenden ein Überblick darüber, warum viele Fintechs den Zukunftsfonds herbeisehnen – und wo sie noch Probleme wittern.

Start-ups fällt es schwer, hohe Beträge aufzutreiben

So sieht Ebrahim Attarzadeh, Europachef der US-Investmentbank Stifel, die Einmischung des Staates skeptisch. „Es ist schon sehr viel Geld im Markt.“ Die öffentliche Hand sollte aus seiner Sicht nur dort tätig werden, wo es wirklich eine Lücke gebe.

Die erkennt Stifel jedoch weniger bei Wagniskapital als vielmehr in den späteren Entwicklungsphasen der Firmen, wenn es um die großen Entwicklungssprünge gehe. Das seien meist die letzten ein bis zwei Finanzierungsrunden vor dem Börsengang und dem Initial Public Offering (IPO) selbst.

Doch überwiegend ist die Resonanz positiv. Denn als Gründe dafür, dass IPOs hierzulande weniger erfolgreich sind, nennen Experten vor allem die schwache Aktienkultur, die geringere Risikobereitschaft von Investoren und regulatorische Hürden.

So bremst die Schwäche des heimischen Kapitalmarkts das Wachstum von Start-ups. „Als Investor erlebe ich jeden Tag, wie strategisch die USA und China ihre Tech-Sektoren in ihre jeweilige Industrie- und Geopolitik einbinden“, sagt Klaus Hommels vom Wagniskapitalfinanzierer Lakestar.

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Aktuell ist Deutschlands Rückstand auf andere Start-up-Nationen auch mit Blick auf die Mitarbeiterzahl groß. In der Bundesrepublik Deutschland arbeiten gerade mal 0,9 Prozent aller Beschäftigten für Start-ups. Zum Vergleich: In Großbritannien sind es 2,2 Prozent, in Israel 5,4 Prozent und in den USA sogar 8,4 Prozent. Genau hier rechnet die Politik mit einem Schub: 90 Prozent der deutschen Start-ups hätten Neueinstellungen geplant, betonte Scholz.

Angesichts der Probleme auf dem deutschen Markt wird die Initiative von Bundesregierung und KfW bei Wagniskapitalgebern wie Start-ups deshalb durchaus honoriert. Robert Lacher vom Berliner Wagniskapitalgeber Investor Visionaries Club schätzt den neuen Zukunftsfonds als „extrem positiv“ ein. Ohne die KfW und weitere Mittel aus dem Europäischen Investitionsfonds (EIF) würde es „die deutsche Risikokapitalgeber-Landschaft so nicht geben“, ist er überzeugt. Schließlich sei der EIF für viele Fonds ein Ankerinvestor.

Der Zukunftsfonds baut dabei auf bewährten Strukturen auf – etwa der Förderung über die Start-up-Finanzierer. Die Interessen der Fondsmanager und der Förderinstitutionen seien dadurch gleich gerichtet. Fördergeld fließt nur dann, wenn die privaten Fonds selbst ebenso ins Risiko gehen.

„Das Geld wurde dadurch sehr verantwortungsbewusst verteilt“, sagt Lacher. Der Prüfprozess von EIF und KfW für teilnehmende Fonds gelte in der Branche als Goldstandard. Dabei helfe die hohe Fachkompetenz der Manager der Förderinstitutionen.

Genaue Ausgestaltung des Fonds gilt als entscheidend

Andrea Fernandez, Gründerin der Finanz-App Alice, ist ebenfalls überzeugt, dass der Zukunftsfonds insbesondere in der Wachstumsphase eine sehr sinnvolle Ergänzung zum privaten Kapital bieten werde. „Das ist buchstäblich eine Investition in die Zukunft“, sagt Fernandez. Wichtig zu verstehen sei: Das Kapital aus dem Zukunftsfonds sei keine Subventionierung. „Es geht vielmehr um eine Beteiligung, sinnvolle Investments.“

Die Politik versucht, mit dem Zukunftsfonds auch eine Schwäche in Deutschland gegenüber anderen Ländern wettzumachen. In den USA und Teilen Asiens gebe es, gemessen an der Wirtschaftsleistung, ein Vielfaches an Wagniskapital, betonte Bundesbank-Vorständin Sabine Mauderer Ende April im Handelsblatt. Durchstartende Unternehmer hätten dort einen besseren Zugang zu Investoren, die Geschäftsideen finanzieren und zu internationaler Größe verhelfen.

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Doch wichtige Vertreter der Fintech-Szene bezweifeln, dass der Zukunftsfonds allein die Branche nachhaltig anschieben kann. Christian Hecker, Mitgründer des Neobrokers Trade Republic, sieht ihn als „ersten Schritt“, um deutsche Tech-Champions auch aus Deutschland heraus zu finanzieren. Gemessen an der Größe der Herausforderung und dem Kapitalbedarf für kritische Zukunftstechnologien müssten jedoch mutige weitere Schritte folgen, meint Hecker. Trade Republic ist nach Celonis, einem Anbieter von Unternehmenssoftware, das zweitwertvollste nicht börsennotierte Start-up Deutschlands.

Auch Christian Wiens, Gründer des Versicherungs-Start-ups Getsafe, lobt, „dass die Politik in den letzten Jahren sehr aktiv geworden ist, was die Frühfinanzierung von Start-ups angeht“. An Wagniskapital für späte, größere Finanzierungsrunden habe es bislang jedoch noch gehapert – insbesondere im internationalen Vergleich.

Der Zukunftsfonds sei daher ein gutes Signal und zeige, dass die Regierung die Bedeutung von Start-ups für Innovationen in Deutschland ernst nehme. Doch ob das ausreicht, wird aus Wiens Sicht maßgeblich vom Kleingedruckten abhängen – „also davon, unter welchen Randbedingungen die Gelder tatsächlich investiert werden“, mahnt er.

Verband fordert mehr Anstrengungen 

Der Präsident des Start-ups-Verbands, Christian Miele, schlägt ebenfalls in diese Kerbe. Wichtig sei, dass es bei den Bestandteilen des Fonds schnell zu Fortschritten komme, sagte Miele. „Auch andere – der insgesamt zehn – Module des Zukunftsfonds sind noch von der Umsetzung entfernt.“ Es bedürfe weiterhin starker Anstrengungen, damit sich die beabsichtigte Wirkung des Zukunftsfonds in seiner Gesamtheit schnell entfalten könne.

„Dazu gehört eine marktnahe Ausgestaltung, allein um Fehlallokationen zu vermeiden“, mahnt Miele. Klar sollte auch sein, dass das Fondsvolumen bei Bedarf aufzustocken ist. Christian Hoppe, Co-Geschäftsleiter der Silicon Valley Bank, die Start-ups finanziert, zeigt sich ebenfalls erfreut über den Start des Fonds. Doch auch er warnt, dass Marktmechanismen verändert und womöglich Bewertungen nach oben verzerrt werden könnten – oder dass der Fonds „auch bestehende Investoren aus dem Markt treibt“.

Stifel-Manager Attarzadeh geht noch weiter: „Die Kernprobleme lösen wir nicht mit mehr Geld, sondern mit besserer Regulierung.“ Institutionellen Investoren müsse es erleichtert werden, auch bei ambitionierten Bewertungen in Wachstumsfirmen zu investieren – sowohl vorbörslich als auch nach einem IPO. Auch müssten die Rahmenbedingungen für die Unternehmen selbst verbessert werden. Die Regulierung müsse innovationsfreundlicher werden. „Wenn Innovationen an Bürokratie scheitern, kann Kapital nicht helfen“, sagt der Investmentbanker.

Mehr: Investorinnen brechen mit eigenem Netzwerk in Männerdomäne der Start-ups ein.

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