Finanzbranche: Zutritt wegen Omikron gesperrt: Finanzkonzerne schicken Mitarbeiter zurück ins Homeoffice
Die Umsetzung der gesetzlich vorgegebenen Pflicht zum Arbeiten von zu Hause unterscheidet sich je nach Finanzunternehmen.
Foto: dpaMünchen, Frankfurt. Die rapide steigenden Coronavirus-Infektionszahlen lassen die Allianz zu rigorosen Mitteln greifen. Am 29. Dezember informierte Europas größter Versicherer die Belegschaft, dass wieder die höchste Stufe im hauseigenen Krisenplan gilt. Seither sind die Einlasskarten aller Mitarbeiter grundsätzlich gesperrt.
Ins Unternehmen dürfen nur Angestellte in sogenannten „betriebs- und geschäftskritischen Funktionen“. Dazu zählen unter anderem die Beschäftigten in der Informationstechnologie oder im Gebäudemanagement. Aber auch, wer trotz Omikron unbedingt im Büro arbeiten will, wird auf Antrag eingelassen.
Auch wenn bei anderen Banken und Versicherern in Deutschland nicht ganz so strenge Regeln gelten, haben die großen Finanzunternehmen den Großteil ihrer Mitarbeiter wieder ins Homeoffice geschickt. Allerdings unterscheidet sich die Umsetzung der gesetzlich vorgegebenen Pflicht zum Arbeiten von zu Hause aus je nach Einzelfall deutlich – genau wie die logistische und finanzielle Unterstützung für die Mitarbeiter.
Auf dem campusähnlichen Gelände der Allianz im Münchener Vorort Unterföhring, wo normalerweise über 8000 Mitarbeiter arbeiten, betrug die Anwesenheitsquote zuletzt nur 14 Prozent. „Es liegt in der DNA eines Versicherers, dass wir sehr risikobewusst sind“, sagt eine Allianz-Sprecherin.
Schon zu Beginn der Pandemie vor fast zwei Jahren hatte der Konzern innerhalb weniger Tage bis zu 90 Prozent der Mitarbeiter in Heimarbeit geschickt. Seither hängt die Anwesenheitsquote im Büro vom aktuellen Infektionsgeschehen ab. Noch im September, als die Fallzahlen überschaubar waren, war eine 50-prozentige Auslastung möglich. Danach ging es schrittweise nach unten.
Der Trend zur Heimarbeit hat für die Allianz zudem einen ökonomischen Nutzen in Form eines deutlich geringeren Bedarfs an Büroflächen. Schon im August 2020 kündigte der damalige Operations-Vorstand Christoph Mascher im Handelsblatt an, dass längerfristig 40 Prozent der Mitarbeiter von zu Hause arbeiten sollen. Laut einer Betriebsvereinbarung könnte diese Quote nun sogar auf bis zu 49 Prozent steigen. Die strikten Coronaregeln des Versicherers gelten erst einmal bis März. Die Maßnahmen hätten sich bewährt, die Infektionszahlen unter den rund 45.000 deutschen Mitarbeitern seien noch immer niedrig, erläutert die Sprecherin.
Die großen Banken in Frankfurt haben ihre Mitarbeiter dazu aufgerufen möglichst im Homeoffice zu bleiben.
Foto: SZ PhotoDie Munich Re, deren Konzernzentrale nur wenige Meter von der Allianz entfernt liegt, wählt in Sachen Homeoffice einen ähnlichen Weg. Dort sind alle Dienstausweise ohne hinterlegten Vermerk zum Impf- oder Genesenenstatus gesperrt. Der Mitarbeitende muss dann an der Pforte seinen 3G-Nachweis vorlegen, um ins Gebäude zu gelangen. Allerdings gilt auch hier die Home Office-Pflicht. Wer aus betrieblichen oder privaten Gründen ins Büro kommen will, der muss dies schriftlich dokumentieren.
Die Frage, ob ein Unternehmen einem Mitarbeiter tatsächlich den Zutritt verweigern darf, wenn er unbedingt im Büro arbeiten will, geht in die Feinheiten des Arbeitsrechts: „Um nicht im Homeoffice arbeiten zu müssen, reicht es nach allgemeiner Auffassung aus, wenn der Arbeitnehmer dem Arbeitgeber mitteilt, dass Gründe dem Homeoffice entgegenstehen“, sagt Anwalt Philipp Byers. Eine detaillierte Begründung müsse dabei nicht geliefert werden. Der Partner der britischen Kanzlei Watson, Farley & Williams (WFW) berät eine Reihe deutscher Großkonzerne in arbeitsrechtlichen Fragen.
Weniger Restriktionen in Frankfurt
Bei den großen Banken in Frankfurt gelten tendenziell etwas weichere Regeln: Deutsche Bank, Commerzbank, Deutsche Börse, DZ Bank, Deka und KfW haben ihre Mitarbeiter zwar dazu aufgerufen, möglichst im Homeoffice zu bleiben. Die Durchsetzung dieser Vorgaben erfolgt aber weniger restriktiv.
Bei der Deka etwa gilt eine Obergrenze von 30 Prozent für das Büro – und zwar auf Abteilungsbasis. Die 30-Prozent-Grenze wird allerdings bei Weitem nicht ausgereizt: Die aktuelle Präsenz liege bei zehn bis 15 Prozent, sagte eine Sprecherin des Fondsdienstleisters der Sparkassen. Ins Büro darf grundsätzlich kommen, wer die 3G-Regeln erfüllt. Auch geimpften Mitarbeitern wird allerdings empfohlen, regelmäßig Selbsttests durchzuführen, die kostenlos zur Verfügung gestellt werden.
Die Deutsche Börse hat für ihre deutschen Standorte ebenfalls eine Belegungsobergrenze von 30 Prozent eingeführt. Tatsächlich anwesend sind derzeit zwischen 20 und 25 Prozent. Die staatliche Förderbank KfW verzichtet auf feste Obergrenzen, „da es neben Tätigkeiten, die vollständige Anwesenheit erfordern, auch Funktionen gibt, die eine teilweise Präsenz erfordern“, so eine Sprecherin. Die Homeoffice-Quote der KfW liegt bei 80 Prozent, genau wie bei der Deutschen Bank, jenseits der Filialstruktur.
Beim genossenschaftlichen Spitzeninstitut DZ Bank liegt die Homeoffice-Quote aktuell bei rund 85 Prozent. Mitarbeiter, die beispielsweise aus familiären Gründen nicht von zu Hause aus arbeiten können, müssen sich mit ihrer Führungskraft abstimmen, die wiederum dafür zu sorgen hat, dass die Hygiene- und Abstandsregeln in den Teams eingehalten werden.
Deutsche Bank, Commerzbank, Deutsche Börse, DZ Bank und KfW nutzen die Zugangskarten ihrer Mitarbeiter zur Kontrolle des 3G-Status: Mitarbeiter, die ihrem Arbeitgeber freiwillig ihren Status als geimpft oder genesen mitgeteilt haben, verfügen über ungesperrte Zugangskarten. Die Karten aller anderen wurden abgeschaltet; sie müssen durch die persönlichen 3G-Kontrollen am Eingang.
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Die Deutsche Bank hat mit diesem Verfahren positive Erfahrungen gemacht: „Das wurde gut aufgenommen. Sehr viele unserer Kollegen und Kolleginnen haben sich mit ihrem 2G-Status zurückgemeldet; sie wurden via E-Mail informiert, dass ihre Zugangskarten nach wie vor freigeschaltet sind“, so eine Sprecherin.
Finanzielle Zuschüsse für die Büroausstattung sind selten
Einen finanziellen Zuschuss für die Arbeit im Homeoffice, zum Beispiel zur Anschaffung von Bildschirmen oder Bürostühlen, gibt es längst nicht bei jedem Institut: Einige Häuser hatten im vergangenen Jahr Corona-Einmalzahlungen an ihre Mitarbeiter überwiesen, die wenigsten haben Aufwandspauschalen für das Homeoffice institutionalisiert: Dazu zählt die Deutsche Bank, die Mitarbeitern, die 40 Prozent ihrer Arbeitszeit am heimischen Schreibtisch verbringen, alle fünf Jahre 1000 Euro zahlen will.
So etwas gibt es bei der Deutschen Börse, der Commerzbank und der DZ Bank nicht. Die Commerzbank, bei der konzernweit aktuell mehr als die Hälfte der Mitarbeiter von zu Hause aus arbeitet, stelle den Mitarbeitenden „Banklaptops im vorhandenen Umfang“ zur Verfügung, erklärte ein Sprecher.
Bei der Deutsche Börse wurden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bereits 2019 mit Tablets oder Laptops ausgestattet „und unsere IT-Infrastruktur so überarbeitet, dass ein Arbeiten von zu Hause ohne Weiteres möglich ist“, sagte ein Sprecher. „Nach Rücksprache mit dem Management war es Mitarbeitenden darüber hinaus möglich, Bildschirme aus dem Büro mit nach Hause zu nehmen.“
Bei der DZ Bank können sich Beschäftigte „seit Anfang der Pandemie selbstständig mit durch die Bank bereitgestellter Hardware ausstatten und jederzeit nachrüsten“, erklärte eine Sprecherin. Dazu gehören unter anderem Dockingstations, Bildschirme, Tastaturen und Mäuse. Die meisten Beschäftigten verfügten mittlerweile über eine doppelte Ausstattung.
Ein juristisches Anrecht darauf gibt es allerdings nicht. Für ein temporäres Homeoffice während der Pandemie muss einem Arbeitnehmer keine vollständige Büroausstattung zur Verfügung gestellt werden, so Fachanwalt Byers. „Es muss lediglich dafür Sorge getragen werden, dass der Mitarbeiter im Homeoffice arbeitsfähig ist.“