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GeldpolitikLeitzins in Großbritannien steigt auf höchstes Niveau seit 15 Jahren

Die Bank of England hebt das Zinsniveau um weitere 25 Basispunkte an. Damit steigt die Last für Immobilienbesitzer weiter – und es drohen neue Probleme.Michael Maisch 03.08.2023 - 15:26 Uhr aktualisiert Artikel anhören

Die hohe Inflation setzt die Währungshüter unter Druck.

Foto: Reuters

Frankfurt. Die Notenbank in London hat den Leitzins auf das höchste Niveau seit 15 Jahren angehoben. Um die Inflation in den Griff zu bekommen, beschloss die Bank of England (BoE) am Donnerstag eine Erhöhung um einen Viertelpunkt auf 5,25 Prozent.

Es war bereits die 14. Anhebung in Folge. Dieses Vorgehen hat insbesondere den britischen Immobilienmarkt kräftig bewegt – und viele Kreditnehmer stark unter Druck gesetzt.

„Letztlich war der Inflationsrückgang zu soft, weshalb Handlungsbedarf bestand“, sagte Alexander Krüger, Chefvolkswirt von Hauck Aufhäuser Lampe. „Dass sich die Notenbank nicht in Ausreden flüchtet, ist ein gutes Signal. Es zeigt, dass sie es mit der Inflationsbekämpfung ernst meint.“

Die Entscheidung fiel mit sechs zu drei Stimmen. Zwei Mitglieder des geldpolitischen Komitees sprachen sich sogar für einen Schritt von 50 Basispunkten aus.

Die Verbraucherpreise waren im Juli zwar mit 7,9 Prozent nicht mehr ganz so stark gestiegen wie im Juni mit 8,7 Prozent. Doch noch immer hat Großbritannien damit eine der höchsten Inflationsraten im Kreis der großen Industrieländer.

Die Zentralbank hatte ihre Serie von Zinserhöhungen bereits im Dezember 2021 gestartet. Dennoch steht sie in der Kritik, die sich aufbauende Inflationswelle zu spät bemerkt zu haben. BoE-Chef Andrew Bailey hat die Devise ausgegeben, dass die Notenbank ihre straffe geldpolitische Linie nun durchziehen müsse, um die ungewöhnlich kräftige Inflation zu zähmen.

Zugleich herrscht Konjunkturflaute auf der Insel: Der Internationale Währungsfonds (IWF) sagt dem Land dieses Jahr ein Wachstum beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) von lediglich 0,4 Prozent voraus. Unter den sieben führenden Wirtschaftsnationen wäre Großbritannien damit weit hinten: Nur Deutschland werden vom IWF mit einem prognostizierten Minus von 0,3 Prozent beim BIP schlechtere Aussichten bescheinigt.

Hypothekenzinsen steigen rasant an

Die Zinserhöhungsserie hat angesichts der gesunkenen Inflationsrate zwar Wirkung gezeigt. Doch die rasante geldpolitische Wende hat sich zur schweren Belastung für die britischen Verbraucher entwickelt, vor allem durch die steigenden Hypothekenzinsen und die fallenden Hauspreise. Die konservative Regierung ist alarmiert.

Zuletzt meldete der Immobilienfinanzierer Nationwide, dass der hauseigene Index für die Preise von Wohnimmobilien im Juli um 3,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gefallen ist. Das ist das größte Minus seit der großen Finanzkrise 2009.

Nationwide rechnet mit einem weiteren „moderaten Minus“ für den Rest des Jahres. „Für alle, die den Kauf einer Immobilie planen und dafür einen Kredit brauchen, bleibt die Lage angespannt“, meint der Chefvolkswirt von Nationwide, Robert Gardner.

Durch die Zinserhöhungen der BoE sind auch die Hypothekenzinsen in Großbritannien im Juli auf den höchsten Stand seit 15 Jahren gestiegen. Die Rate für ein Immobiliendarlehen mit zweijähriger Zinsbindung erhöhte sich im Schnitt auf 6,66 Prozent. Nach Schätzungen von Nationwide müsste ein Käufer, der in den Immobilienmarkt einsteigt und 20 Prozent Eigenkapital mitbringt, im Moment 43 Prozent seines Gehalts für den Kauf aufbringen. Im vergangenen Jahr lag dieser Wert noch bei 32 Prozent.

Diese Entwicklung hat die konservative Regierung unter Premierminister Rishi Sunak aufgeschreckt, die um ihre Wiederwahl fürchten muss. Nach der Zinserhöhung im Juni rief Finanzminister Jeremy Hunt die Vertreter der wichtigen Banken zusammen. Am Ende stimmten die Institute zu, säumigen Hypothekenschuldnern eine Gnadenfrist von einem Jahr einzuräumen, bevor es zu Zwangsvollstreckungen kommt.

Anfang Juli rief auch die britische Finanzaufsicht (FCA) die Bankchefs zum Rapport. Dieses Mal ging es um die Sparzinsen, die nach Meinung der Politik im Gegensatz zu den Kreditzinsen nicht schnell genug steigen.

In früheren Jahren schlugen Zinserhöhungen noch härter auf die britischen Hypothekenschuldner durch. Zu Anfang der 2000er-Jahre verfügten nur 30 Prozent der Kredite über eine Zinsbindung, inzwischen sind es 85 Prozent – allerdings sind die Zinsen der meisten Darlehen nur bis maximal fünf Jahre festgeschrieben.

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Nach Schätzungen der Nachrichtenagentur Reuters müssen in diesem Jahr noch rund 800.000 britische Immobilienbesitzer ihre Kredite zu deutlich strengeren Konditionen umschulden. Im kommenden Jahr steigt diese Zahl dann auf 1,6 Millionen.

Mit Material von Reuters

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