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  4. Leitzins der Fed: Zinswende in den USA rückt immer weiter in die Zukunft

Vor Fed-EntscheidUS-Zinswende könnte ausfallen – Erste Händler wetten auf Anstieg

Hoffnungen auf sinkende Zinsen trieben die US-Börsen monatelang an. Nach neuen Entwicklungen dürfte Fed-Chef Powell beim heutigen Entscheid zwei ganz andere Botschaften senden.Stefan Reccius 01.05.2024 - 08:09 Uhr
Jerome Powell: Der Chef der US-Notenbank Federal Reserve sprach Mitte April von „mangelnden Fortschritten“ bezogen auf das Inflationsziel. Foto: AP

Frankfurt. Wird die US-Notenbank Federal Reserve dieses Jahr den Leitzins senken? Vor wenigen Monaten hätte diese Frage abwegig geklungen, schließlich wetteten Händlerinnen und Händler an der Wall Street auf bis zu sechs Zinssenkungen bis Ende 2024. Inzwischen diskutieren Investorinnen und Analysten ernsthaft, ob eine Zinssenkung überhaupt ansteht.

Der Grund ist eine Mischung aus hartnäckiger Inflation, sich etwas abkühlender Konjunktur und einem unvermindert gut laufenden Arbeitsmarkt. Außerdem sind Sorgen in den Hintergrund getreten, dass sich die Gewerbeimmobilienkrise verschärfen könnte. Selbst für eine vorsorgliche Zinssenkung gibt es für die Fed somit kaum Anlass.

Von Notenbankpräsident Jerome Powell sind deshalb im Anschluss an den Zinsentscheid am Mittwoch zwei wesentliche Botschaften zu erwarten: Mit ziemlicher Sicherheit dürfte er seine Besorgnis über die aktuellen Trends bei der Preisentwicklung bekräftigen. Und er dürfte klarstellen, dass Zinssenkungen für die Fed – anders als für die Europäische Zentralbank – auf absehbare Zeit keine Option sind.

Inflationsziel von zwei Prozent: „mangelnder Fortschritt“

Den Ton hat Powell bereits Mitte April gesetzt: Die Datenlage gebe den Währungshütern „eindeutig“ nicht die nötige Zuversicht, dass die Inflation wie erwünscht auf stetem Abwärtskurs hin zum Zwei-Prozent-Ziel ist. Powell sprach von „mangelnden Fortschritten“. Das klare Signal: In dieser Situation kann die Fed die Leitzinsen unmöglich senken.

Seitdem sind Wirtschaftsdaten hinzugekommen, die für zusätzliche Unruhe an den Finanzmärkten sorgen: Mit Blick auf die persönlichen Konsumausgaben der Verbraucher hat der Preisauftrieb zwischen Januar und März stärker als erwartet angezogen. Dieser sogenannte PCE-Preisindex – für die Fed das Maß der Dinge – hat aufs Jahr hochgerechnet 3,7 Prozent erreicht.

4,7
Prozent
beträgt die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen.

Mit einem so kräftigen Anstieg im ersten Quartal hatten Ökonomen nicht gerechnet. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen stieg daraufhin zwischenzeitlich auf 4,7 Prozent. An den Terminmärkten ist eine Zinssenkung im September nicht mehr vollumfänglich „eingepreist“, wie Händler sagen. Demnach könnte es erst nach den Präsidentschaftswahlen im November so weit sein.

Erste Wetten auf weitere Zinserhöhung

All das sind Indizien, dass die Investoren auf längere Sicht mit hohen Kapitalmarktzinsen in den USA rechnen. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen war im Herbst in der Spitze auf fünf Prozent gestiegen. Bis Dezember fiel sie zeitweise auf 3,8 Prozent. Seitdem steigt sie wieder. Ein derartiges Auf und Ab ist an den eher trägen Anleihemärkten selten.

Erste Händler an den Terminmärkten lassen sich inzwischen auf Wetten ein, dass die Leitzinsen in den USA nochmals steigen könnten. Derzeit liegt die Leitzinsspanne bei 5,25 bis 5,5 Prozent. Analysten der UBS schließen Zinserhöhungen auf bis zu 6,5 Prozent nicht mehr aus. JP-Morgan-Chef Jamie Dimon kann sich sogar acht Prozent vorstellen.

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Christian Scherrmann, Fed-Experte des Vermögensverwalters DWS, kann sich durchaus vorstellen, dass die Fed die Möglichkeit weiterer Zinserhöhungen andeutet. Schließlich könnten die US-Währungshüter zu dem Schluss kommen, dass der Kampf gegen die Inflation einen zusätzlichen Impuls benötigt.

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