Immobilien: Zahl der Baugenehmigungen für neue Wohnungen bricht ein
„Die Planungssicherheit ist dahin.“
Foto: dpaDüsseldorf. Die Zahl der Baugenehmigungen für neue Wohnungen in Deutschland ist im August eingebrochen. Sie sank um 9,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat auf 28.180 Wohnungen, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag mitteilte. Das ist nicht nur der vierte Rückgang in Folge, sondern zugleich der kräftigste seit November 2021.
Von Januar bis August genehmigten die Behörden damit den Bau von insgesamt 244.605 Wohnungen, was einem Rückgang von 3,0 Prozent oder 7624 entspricht. Der Hauptgeschäftsführer des Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie, Tim-Oliver Müller, sagt zu den Zahlen: „Die weiterhin rückläufigen Genehmigungszahlen sind Ausdruck der extremen Verunsicherung öffentlicher und privater Wohnungsbauer.“
Diese sei einerseits nachvollziehbar und auf hohe Kostensteigerungen zurückzuführen, so Müller. Andererseits könne die Politik mit angemessenen Investitionsanreizen gegensteuern, die den hohen Wohnungsbauzielen auch gerecht würden.
Baukosten: Explodierende Material- und Energiepreise
Die Entwicklung ist ein erneuter Rückschlag im Bemühen der Bundesregierung, pro Jahr 400.000 Wohnungen zu bauen. Zuvor hatte das Ifo-Institut von einer sich aufbauenden Stornierungswelle in der Branche berichtet: Im September waren demnach 16,7 Prozent der befragten Unternehmen von Projektabsagen betroffen, nach 11,6 Prozent im Vormonat.
„Aufgrund der explodierenden Material- und Energiepreise sowie der steigenden Finanzierungszinsen ist die Planungssicherheit dahin", sagte dazu Ifo-Forscher Felix Leiss. „Die Baukosten steigen immer weiter. Für einige Bauherren ist das alles nicht mehr darstellbar, sie stellen Projekte zurück oder ziehen ganz die Reißleine.“
Besonders stark sank in den ersten acht Monaten die Zahl der Baugenehmigungen für Einfamilienhäuser, die um 15,8 Prozent auf 55.260 abnahm. „Hier ist allerdings der Basiseffekt infolge des Auslaufens des Baukindergeldes im Vorjahr zu berücksichtigen“, so die Statistiker.
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Bei den Zweifamilienhäusern gab es einen Rückgang von 2,8 Prozent auf 21.176 Wohnungen. Bei den Mehrfamilienhäusern stieg die Zahl genehmigter Wohnungen dagegen um 5,2 Prozent auf 130.746 Wohnungen.
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Die Bundesregierung will trotz aller Probleme am Bau durch Lieferschwierigkeiten, hohe Energiepreise und steigende Zinsen ihr Ziel von 400.000 neuen Wohnungen jährlich nicht aufgeben. „Wir halten an dem Ziel fest, das muss ausdrücklich gesagt werden“, sagte Bundeskanzler Olaf Scholz vorige Woche bei der Vorstellung eines Maßnahmenpakets des sogenannten Bündnisses für bezahlbaren Wohnraum. „Wir brauchen mehr bezahlbaren Wohnraum“, sagte der SPD-Politiker.
Auch Müller vom Hauptverband der Bauindustrie ist überzeugt von den Beschlüssen des Bündnisses: „Wir stehen hinter dem Ergebnis, und langfristig wird sich die Bündnisarbeit auszahlen. In diesen Krisenzeiten braucht es aber vor allem eins: ein eindeutiges politisches Bekenntnis für den Wohnungsneubau.“ Dafür brauche es Gewissheit über die Förderkulisse für den Neu- und Umbau, eine Ausweitung der Neubauförderung sowie weitere steuerliche Anreize. „Nur so kann ein weiteres Absinken der Fertigstellungszahlen in 2023 verhindert werden“, so Müller.
Parallel dazu müsse die Umsetzung der Bündnismaßnahmen schnell angegangen werden. Priorität sollte auf den kostensenkenden Maßnahmen liegen und auf solchen, die es den Bauunternehmen erlauben, mit innovativen Ansätzen kostengünstigen Wohnungsbau in hoher Qualität zu realisieren.
Mit Agenturmaterial.