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Gastkommentar Gesunde Menschen gibt es nur auf einem gesunden Planeten

Deutschland startet an diesem Mittwoch den Weltnaturerbe-Fonds – auch um künftigen Pandemien vorzubeugen, argumentieren Gerd Müller und Stefanie Lang.
19.05.2021 - 04:00 Uhr Kommentieren
Dr. Gerd Müller ist Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung sowie CSU-Bundestagsabgeordneter. Stefanie Lang ist Direktorin des an diesem Mittwoch offiziell startenden Weltnaturerbe-Fonds (Legacy Landscapes Fund). Quelle: Reuters, Legacy Landscapes Fund, Montage
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Dr. Gerd Müller ist Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung sowie CSU-Bundestagsabgeordneter. Stefanie Lang ist Direktorin des an diesem Mittwoch offiziell startenden Weltnaturerbe-Fonds (Legacy Landscapes Fund).

(Foto: Reuters, Legacy Landscapes Fund, Montage)

Es sind alarmierende Zahlen: Alle vier Sekunden wird weltweit Wald von der Fläche eines Fußballfeldes abgeholzt. Alle elf Minuten verschwindet eine Tier- oder Pflanzenart unwiederbringlich von der Erde – Vögel, Insekten, Moose, Bäume. Der Mensch zerstört die Natur derzeit mit unglaublicher Geschwindigkeit: Das Artensterben ist 100-mal schneller, als es ohne menschlichen Einfluss wäre.

Mit der Zerstörung von Lebensräumen gefährden wir auch unsere eigene Zukunft. Denn gesunde Menschen gibt es nur auf einem gesunden Planeten. Das zeigt uns die Covid-19-Pandemie in dramatischer Weise: Der Ausbruch der Pandemie ist auch Folge unseres ausbeuterischen Umgangs mit der Natur. Gesundheit erreichen wir nur durch den Schutz der Lebensräume, Klimaschutz, nachhaltige Produktionsmethoden und den Erhalt biologischer Vielfalt.

75 Prozent aller neu auftretenden Infektionskrankheiten wie Covid-19, Ebola, Zika oder HIV/Aids sind Zoonosen – also Infektionskrankheiten, bei denen die Viren von ihrem Wirt, den Wildtieren, auf Menschen überspringen. Nach Angaben des Weltbiodiversitätsrats gibt es noch 1,7 Millionen nicht erkannte Viren in Säugetieren und Vögeln.

Je mehr der Mensch in ursprüngliche Natur vordringt und intakte Ökosysteme zerstört, je mehr Tierarten ausgerottet werden und je enger der Kontakt zwischen Wild-, Nutztieren und Menschen ist, desto wahrscheinlicher ist eine Übertragung dieser Viren auf den Menschen. Experten haben bereits Dutzende zoonotischer Viren identifiziert, die Pandemiepotenzial haben. Wir stehen also vor einer viel größeren Gefahr, als vielen bewusst sein mag.

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    Umso wichtiger ist es, die verbliebene Gesundheit unseres Planeten zu bewahren, auch um uns selbst zu schützen. Aber der Trend geht in die falsche Richtung: Derzeit verlangsamen wir den Verlust an Biodiversität nicht etwa, sondern beschleunigen ihn. Diesen Trend müssen wir dringend umkehren. Das heißt: Noch intakte Lebensräume schützen, Brandrodungen stoppen und illegale Wildtiermärkte sofort schließen.

    Um dauerhaft biologische Vielfalt zu erhalten, sind gut verwaltete Schutzgebiete, die lokale Bevölkerungen eng einbeziehen, die beste Methode. Denn Erfolg beim Artenschutz gibt es nur, wenn die Menschen mitmachen. So haben Indigene über Jahrhunderte hinweg ihren Lebensraum selbst bewahrt und können im Rahmen von modernen Schutzkonzepten ihre Lebensgrundlagen auch künftig am besten erhalten.

    Notwendig ist es, 30 Prozent der Erdfläche unter einen solchen Schutz zu stellen, um den Biodiversitätsverlust zu stoppen – das ist das international angestrebte Ziel. Solche „inklusiven Naturräume“ wären auch ein entscheidender Beitrag, das Klima zu schützen und die Risiken von neuen Zoonosen einzudämmen. Derzeit stehen allerdings erst 16 Prozent der Landfläche und rund acht Prozent der Meere unter Schutz, also deutlich weniger als die 30 Prozent, die uns die Wissenschaft empfiehlt.

    Hotspots der Artenvielfalt

    Die Ausweisung von neuen Schutzgebieten reicht dabei nicht. Entscheidend ist, dass sie gut und wirksam verwaltet werden. Das ist aufwendig und von vielen Ländern nicht allein zu stemmen. Ein Beispiel: Die meisten Hotspots der Artenvielfalt liegen in Entwicklungsländern. Aber genau dort werden nur 19 Prozent der globalen Mittel für Schutzgebiete eingesetzt. Krisen wie die Corona-Pandemie mit ihren auch wirtschaftlich dramatischen Folgen verstärken die Finanznot in den Schutzgebieten.

    Die Folge: Wilderei und Brandrodungen nehmen zu. Wir können diese Entwicklungen nicht einfach so weiterlaufen lassen. Wir müssen Verantwortung übernehmen und im internationalen Verbund handeln, um die Artenvielfalt auch für unsere Kinder und Enkel zu erhalten.
    Unsere Antwort auf diese Herausforderung ist der „Weltnaturerbe-Fonds“, den das Bundesentwicklungsministerium gemeinsam mit vielen internationalen Partnern an diesem Mittwoch offiziell startet.

    Das Ziel: Wenn es gelingt, möglichst viele Arten in biodiversitätsreichen, aber einkommensarmen Gebieten langfristig zu bewahren, dann sichern wir einen guten Teil der überlebenswichtigen Biodiversität für die gesamte Menschheit. Ziel des Fonds ist es, für mindestens 30 der herausragenden Schutzgebiete in Afrika, Asien und Lateinamerika eine dauerhafte, verlässliche Grundfinanzierung zu sichern. Dazu bedarf es eines starken Engagements privater Stifter.

    Die Schutzgebiete bekommen eine „Ewigkeitsfinanzierung“ für ihre Grundarbeit und können so krisensicher ihrer Aufgabe nachkommen. Deutschland hat die Gründung des Weltnaturerbe-Fonds, unterstützt unter anderem vom Welterbe-Sekretariat der Unesco, mit einer Anschubfinanzierung von 100 Millionen Dollar maßgeblich vorangetrieben. Der Anfang ist also gemacht. Jetzt sind weitere Unterstützer gefragt. Bis 2030 braucht der Fonds einen Kapitalstock von einer Milliarde Dollar, um die „ewige Grundfinanzierung“ der 30 Schutzgebiete zu ermöglichen.

    Förderung von 30 großen Gebieten

    Dazu bündelt der Fonds neben öffentlichen Geldern auch Beiträge von privaten Unternehmen und Stiftungen wie der Gordon and Betty Moore Foundation, der Rob & Melanie Walton Foundation des Arcadia Fund oder der The Wyss Foundation. Denn die vergangenen Jahre haben gezeigt: Kein Land, keine Stiftung und kein Unternehmen kann diese gewaltige Aufgabe allein meistern. Es braucht dazu eine globale Initiative, die Brücken baut. Genau das ist die Mission des Weltnaturerbe-Fonds.

    Die 30 Gebiete, die so gefördert werden sollen, decken mehr als 60.000 Quadratkilometer ab – eine Fläche doppelt so groß wie Belgien. Je mehr sich beteiligen, desto mehr Natur, gefährdete Arten und Lebensgrundlagen können wir sichern. Jeder Beitrag zählt! Gleichzeitig müssen wir diese Themen zu einem Schwerpunkt der globalen Agenda machen. Denn genau genommen stehen wir vor drei Krisen gleichzeitig: Wir müssen den massiven Verlust an Biodiversität stoppen, den Klimawandel und dessen Folgen abmildern sowie Corona eindämmen und künftigen Pandemien vorbeugen.

    Sonst laufen wir Gefahr, dass der derzeitige Ausnahmezustand zur neuen Normalität wird – mit entsprechenden Folgen. Wir brauchen jetzt einen Durchbruch – so wie ihn im Klimabereich 2015 das Pariser Abkommen brachte. So etwas fehlt bei der Biodiversität noch. Deshalb ist nun ein Bekenntnis der Staatengemeinschaft nötig, 30 Prozent der Erdoberfläche an Land und im Meer bis 2030 unter Schutz zu stellen – für Mensch und Natur.

    Anders ausgedrückt: Wir brauchen einen neuen „Paris-Moment“. Eine günstige Gelegenheit dazu bietet die Konferenz zur Biodiversitätskonvention im Herbst in China. Der Weltnaturerbe-Fonds zeigt bis dahin, was möglich, aber auch was nötig ist. Denn eines ist klar: Unsere Zukunft liegt im Schutz unserer Umwelt sowie im natur- und klimafreundlichen Wirtschaften und Konsum. Und zwar nur dort.

    Wir wissen, was zu tun ist. Nur Wissen allein genügt aber nicht. Wir müssen jetzt entschlossen handeln für den Schutz globaler Güter.

    Die Autoren: Dr. Gerd Müller ist Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung sowie CSU-Bundestagsabgeordneter. Stefanie Lang ist Direktorin des an diesem Mittwoch offiziell startenden Weltnaturerbe-Fonds (Legacy Landscapes Fund).

    Mehr: Klimawandel begünstigte Entstehung des Coronavirus.

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