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Prüfers KolumneKriminelle Energie(wende)

Wärmepumpen sind groß, laut, stehen teils draußen und retten das Klima. Das macht sie zum idealen Statussymbol – und zum Zentrum einer neuen Kriminalitätsform.Tillmann Prüfer 03.06.2023 - 12:07 Uhr
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Tillmann Prüfer ist Mitglied der Chefredaktion des „Zeit-Magazins“.

Foto: Handelsblatt

Ich habe erfahren, dass es eine neue Art von Verbrechen in Deutschland gibt, die für großen Unmut sorgt. Es geht um Wärmepumpen. Sogenannte Split-Wärmepumpen nämlich haben einen Außen- und einen Innenteil. Der Außenteil muss, wie der Name nahelegt, außerhalb des Hauses angebracht werden.

Die Außeneinheit nimmt die Umgebungsluft auf, erwärmt sie und gibt sie dann an die Inneneinheit ab. Das hat einige schöne Effekte. Zum Beispiel ist eine Wärmepumpe so ein Statussymbol, das man im Vorgarten platzieren kann.

Wer diesen Umgebungsluftaufnehmer in Schrankgröße aufstellt, der sagt gleich mehrerlei. Erstens setzt ein solches Gerät einen gewissen Wohlstand voraus. Zweitens zeigt es, dass seine Besitzerin oder sein Besitzer nicht am Klimawandel beteiligt sein möchten. Im Gegenteil: Eine Wärmepumpe saugt warme Luft auf, leitet die Wärme in das Wohnungsinnere und bläst abgekühlte Luft in die Umgebung zurück. Man ist also aktiv dabei, den Planeten zu kühlen.

Außerdem ist eine Wärmepumpe ziemlich laut, man kann sie also nicht so einfach überhören. Das ist ein Potenzial, das ein konventionelles Heizsystem nicht bieten kann. Was waren das für seltsame Zeiten, als man eine Zehntausende Euro kostende Heizanlage noch im Keller versteckte.

Es sind also alle Gegebenheiten gesetzt, dass die Wärmepumpe eine schnelle Verbreitung finden wird. Sie ist zeitgemäß, protzig und nervt die Nachbarn. Nun beschwören die Wärmepumpen aber auch eine neue Art der Kriminalität herauf. In Deutschland gibt es schon mehrere Fälle von Wärmepumpendiebstahl. Die „Welt am Sonntag“ berichtete als Erstes von dieser neuen Kriminalitätsform.

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Diebe dringen des Nachts in den Vorgarten ein, montieren das Außenteil ab und verschwinden damit. Das ist dann gleich in mehrfacher Hinsicht ein Problem. Solche Teile kosten viel Geld, sie sind so wertvoll wie ein Auto. Eine gestohlene Wärmepumpe ist also gut verkäuflich, vielleicht besser als ein Gebrauchtwagen.

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Zu allem Ärger aber sperren sich Versicherungen offenbar häufig, das gestohlene Teil der Wärmepumpe zu ersetzen, denn die Wohngebäudeversicherung beinhaltet nur Teile, die sich im Haus befinden, nicht davor. Es müssen also eigene Wärmepumpenversicherungen abgeschlossen werden.

Das Schlimmste, und das deutet darauf hin, dass Wärmepumpenkriminalität ein wachsendes Feld sein wird: Wärmepumpenkomponenten sind gerade sehr rar. Es gibt lange Wartezeiten. Wenn sie weg sind, dauert es bis zu einem Jahr, bis Ersatz da ist. Der Nachbar, in dessen Vorgarten bislang noch die laute Wärmepumpe brummte, muss sich fortan also leise mit Wolldecken wärmen. Vielleicht werden etliche Wärmepumpen einfach aus Böswilligkeit geklaut werden.

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