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Homo oeconomicus Die Höhe der Staatsschulden ist nachrangig

Wenn Haushalte und Unternehmen sparen, muss der Staat Schulden aufnehmen, um die Wirtschaft am Laufen zu halten. Das kann er auch ohne Probleme.
04.08.2020 - 12:00 Uhr Kommentieren
Richard Koo ist Chefvolkswirt des Nomura Research Institute in Tokio. Quelle: imago images / Italy Photo Press
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Richard Koo ist Chefvolkswirt des Nomura Research Institute in Tokio.

(Foto: imago images / Italy Photo Press)

Die Verschuldung und ihr Umfang sind zu einem wichtigen globalen Thema geworden. Aber die Ausgaben des einen sind das Einkommen eines anderen. Wenn jemand Geld spart, muss jemand anderes dieses Geld leihen und ausgeben, um die nationale Wirtschaft am Laufen zu halten. Andernfalls gerät das Land in eine deflationäre Spirale.

In einer Schulbuchvolkswirtschaft ist es die Aufgabe des Finanzsektors und der Zentralbank, dafür zu sorgen, dass alle gesparten Mittel verliehen und ausgegeben werden, wobei die Zinsen steigen, wenn die Kreditnachfrage die Ersparnis übersteigt, und fallen, wenn das Gegenteil der Fall ist.

Doch nachdem 1990 in Japan und 2008 im Westen schuldenfinanzierte Vermögensblasen geplatzt waren, wurde der Privatsektor aus privaten Haushalten und Unternehmen in diesen Ländern zum Nettosparer in großem Umfang, trotz Zinssätzen, die bei null oder im Minusbereich lagen.

Dies geschah, weil der Einbruch der Vermögenspreise viele mit massiven Schuldenüberhängen zurückließ und sie zwang, zu sparen, um ihre finanzielle Gesundheit wiederherzustellen. Wenn jedoch der gesamte private Sektor ein Nettosparer ist, kann nur die Regierung – indem sie die überschüssigen Ersparnisse aufnimmt und ausgibt – die Wirtschaft am Laufen halten.

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    Leider basieren der Wachstums- und Stabilitätspakt und der nachfolgende Fiskalpakt auf der Lehrbuchökonomie und sahen nicht vor, dass der Privatsektor der Euro-Zone trotz Nullzinsen seit 2008 durchschnittlich 4,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts sparen würde.

    In Spanien sind es sogar 7,2 Prozent. Viele Mitgliedsländer haben unter extremer Nachfrageschwäche gelitten, weil ihre Regierungen nicht als Kreditnehmer letzter Instanz fungieren konnten.

    „Sich selbst finanzierende“ Infrastrukturprojekte

    Die Covid-19-Rezession hat das Potenzial, den Privatsektor erneut zu einem riesigen Nettosparer zu machen. Denn diejenigen, die am meisten leiden, haben nicht genug Ersparnisse, um den Einkommensrückgang zu verkraften.

    Fast alle werden fieberhaft daran arbeiten, ihre Finanzreserven wieder aufzufüllen, insbesondere, wenn eine zweite oder dritte Infektionswelle für wahrscheinlich gehalten wird. Eine weitere Runde fiskalischer Konjunkturstimulierung könnte daher trotz einer bereits enormen Staatsverschuldung erforderlich werden.

    Die gute Nachricht ist, dass die Renditen von Staatsanleihen auf ein extrem niedriges Niveau fallen, wenn die Regierung der einzige verbleibende Kreditnehmer ist. Die Regierungen können also die Wirtschaft unterstützen, ohne die zukünftigen Steuerzahler zu belasten, indem sie Projekte umsetzen, die eine soziale Rendite erzielen, die höher ist als die extrem niedrige Rendite ihrer Anleihen.

    Die politischen Entscheidungsträger sollten sich darauf konzentrieren, solche „sich selbst finanzierenden“ öffentlichen Infrastrukturprojekte im weitesten Sinne zu finden, anstatt sich über die Höhe der Schulden den Kopf zu zerbrechen.

    Mehr: IW-Chef Michael Hüther fordert: „Wir brauchen eine Investitionsunion.“

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