1. Startseite
  2. Meinung
  3. Kolumnen
  4. EU-Kolumne: Orban setzt alles auf seinen Pakt mit Donald Trump

EU-KolumneOrban setzt alles auf seinen Pakt mit Donald Trump

Der Ungar hat sich im Westen vollständig isoliert, doch strotzt er vor Selbstbewusstsein. Er spekuliert auf einen Machtwechsel in den USA. Bis dahin versucht er, die EU mit Scheinreformen hinzuhalten.Moritz Koch 19.03.2024 - 10:38 Uhr Artikel anhören
Mahnungen hinterlassen bei Orban schon lange keinen Eindruck mehr, meint der Autor. Foto: via REUTERS

Viktor Orban muss inzwischen weite Reisen auf sich nehmen, um Freunde zu besuchen. Nach Florida führte es ihn vor gut einer Woche, in die Residenz von Donald Trump. Der republikanische Präsidentschaftskandidat empfing den ungarischen Premier in seinem Strandklub Mar-a-Lago. Trump geriet ins Schwärmen: „Es gibt niemanden, der besser oder klüger ist als Viktor Orban. Er ist fantastisch.“

Von der amtierenden US-Regierung bekommt Orban solches Lob nicht zu hören, stattdessen scharfe Kritik daran, dass er „aktiv an parteipolitischen Veranstaltungen in den USA teilnimmt“. US-Präsident Joe Biden zürnte: „Orban träumt von einer Diktatur.“

In Brüssel ist die Verärgerung sogar noch größer. Die ungarische Regierung hat den Nato-Beitritt Schwedens behindert, die Ukrainehilfen der EU verzögert, traf sich mit Russlands Präsident Wladimir Putin zum Handschlag in Peking

Ideologisch steht Orban dem Kremlchef näher als seinen Amtskollegen in Europa. Nicht Putin, sondern dem Westen, dem er formal noch angehört, wirft Orban vor, „Welten zu zerstören, Ländergrenzen neu zu ziehen und sich wie Heuschrecken an allem zu weiden“. 

Erstaunlicherweise scheint Orban die Isolation wenig auszumachen, im Gegenteil, er zelebriert sie. Auf dem EU-Sondergipfel im Februar ließ Orban ein Video ins Netz stellen, in dem er sich mit protestierenden Bauern zeigte und verkündete: „Wir werden uns für die Stimme des Volkes einsetzen, auch wenn uns die Bürokraten in Brüssel erpressen.“

Orban wähnt sich auf der richtigen Seite der Geschichte

Wir gegen die, einfache Bürger gegen elitäre Bürokraten - Orban beherrscht die Klaviatur des Populismus. Seine politische Identität beruht darauf, sich als Fremdkörper in der EU zu inszenieren.

Trump und Orban haben sich in der vergangenen Woche in Florida getroffen. Dieses Archivbild entstand während der Amtszeit von Trump als US-Präsident. Foto: dpa

Der Ungar setzt alles auf eine Karte. Und diese Karte heißt Trump. Ein Wahlsieg des Republikaners würde ihn zu einem der wichtigsten Männer in Europa machen, plötzlich würde er auf der richtigen Seite der Geschichte stehen. Wie der Zufall es will, wird Ungarn im Sommer die Ratspräsidentschaft der EU übernehmen. Die Aussicht, es allen zu zeigen: Das sei, was Orban antreibe, so berichten es Brüsseler Diplomaten. 

Die Zeit bis zu den US-Wahlen im November versucht Orban mit Scheinreformen zu überbrücken, die ihm dringend benötigtes Geld aus Brüssel einbringen. Das Kalkül scheint aufzugehen: Im Dezember bewilligte die Kommission die Auszahlung von zehn Milliarden Euro. Dabei gibt es erhebliche Zweifel daran, dass die Justizreform, die Orban auf Druck der EU auf den Weg gebracht hat, ihr Versprechen einlöst.

Zwar habe „Ungarn seinen institutionellen Rahmen für die Korruptionsbekämpfung erheblich verändert“, doch sei die „Effizienz der neu geschaffenen Institutionen höchst fragwürdig“, heißt es in einem neuen Report der Berliner Rechtsstaatsorganisation Civil Liberties Union for Europe. Und weiter: „Es gibt immer noch keine ernsthaften Initiativen der öffentlichen Hand zur Förderung einer Kultur der Rechtsstaatlichkeit in Ungarn.“

Der Autor: Jede Woche analysiert Moritz Koch, Leiter des Handelsblatt-Büros in Brüssel, im Wechsel mit anderen Brüsseler Korrespondenten in der EU-Kolumne Trends und Konflikte, Regulierungsvorhaben und Strategiekonzepte aus dem Innenleben der Europäischen Union. Denn wer sich für Wirtschaft interessiert, muss wissen, was in Brüssel läuft. Sie erreichen ihn unter: koch@handelsblatt.com Foto: Handelsblatt

Doch Mahnungen wie diese hinterlassen bei Orban schon lange keinen Eindruck mehr. Auch den amerikanischen Botschafter David Pressman ignorierte er, der vor ein paar Tagen eine Grundsatzrede über Ungarns zerrüttetes Verhältnis zum Westen hielt. „Während Ungarn versucht, die Vereinigten Staaten und die Europäische Union auszusitzen, schreitet der Rest der Welt voran“, sagte Pressman.

Verwandte Themen
Viktor Orban
Europäische Union
Donald Trump
Ungarn
Wladimir Putin
USA

Genau das bezweifelt Orban. Die Welt, glaubt der Premier, entwickelt sich zurück. Weniger Globalisierung, weniger Rechtsstaat, weniger EU: Das ist die Zukunft, die Orban sieht. Mit Trump will er ein Bündnis der Reaktionäre schmieden, beide wollen sich mit Putin arrangieren. „Dieses Jahr wird ein Wendepunkt sein“, sagte Orban am Freitag in einer Rede zum ungarischen Nationalfeiertag. „Zu Beginn des Jahres waren wir noch allein, und am Ende des Jahres werden wir die Mehrheit sein.“

Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
remind.me
Jetziges Strom-/Gaspreistief nutzen, bevor die Preise wieder steigen
Anzeige
Homeday
Immobilienbewertung von Homeday - kostenlos, unverbindlich & schnell
Anzeige
IT Boltwise
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Presseportal
Direkt hier lesen!
Anzeige
STELLENMARKT
Mit unserem Karriere-Portal den Traumjob finden
Anzeige
Expertentesten.de
Produktvergleich - schnell zum besten Produkt