1. Startseite
  2. Meinung
  3. Kolumnen
  4. Kolumne: Ideologie killt Innovation – Trump will zurück ins 19. Jahrhundert

KolumneIdeologie killt Innovation – Trump will zurück ins 19. Jahrhundert

Er will Jobs zurückholen, aber treibt die klügsten Köpfe aus dem Land. Trumps Kampf gegen Wissenschaft und Globalisierung ist gefährlich. Miriam Meckel zeigt, wie Ideologie Fortschritt verhindert. 03.06.2025 - 15:03 Uhr Artikel anhören
In dieser Kolumne schreibt Miriam Meckel 14-täglich über Ideen, Innovationen und Interpretationen, die Fortschritt und ein besseres Leben möglich machen. Foto: Klawe Rzeczy

Tim Cook hat gerade keine gute Zeit. Der Apple-CEO gibt sich wirklich Mühe. Er hat bei Donald Trumps Amtseinführung mit verkniffenem Mund im Kreise seiner Kollegen direkt hinter Trump gestanden. Er hat in bilateralen Gesprächen versucht, dem Präsidenten eine Portion ökonomischer Vernunft einzuflößen.

Er hat entschieden, die in Amerika verkauften Telefone künftig nicht mehr in China, sondern in Indien produzieren zu lassen, um die China-Zölle zu umgehen. Er hat sogar vor einigen Wochen 1,5 Millionen iPhones – 600 Tonnen – aus Indien in die USA gebracht, um Trump zu besänftigen. Und dann sagt Trump diesen einen Satz: „Ich will nicht, dass du in Indien produzierst.“

So ist das, wenn Ideologie Innovation zerstört. Es ist, als würde man Donald Trump beim Domino-Spiel zuschauen. Alle Steine sind ordentlich aufgereiht, aber der Präsident stellt sich hin und verkündet, nichts werde umfallen, wenn er den ersten Stein antippt. Und dann sehen wir die Kette in Zeitlupe niedergehen.

Ein einziges iPhone besteht aus 2700 Einzelteilen. Apple arbeitet mit 187 Zulieferern aus 28 Ländern, um die optimale Herstellung des besten Produkts möglich zu machen. Ein iPhone in den USA zu fertigen, würde den derzeitigen Verkaufspreis von knapp 1200 Dollar auf etwa 3500 Dollar hochtreiben.

In der Sprache des Fortschritts ist das ein Ergebnis des Vergleichsvorteils („comparative advantage“). Der britische Ökonom David Ricardo beschrieb damit schon vor knapp zweihundert Jahren die Fähigkeit eines Staates oder Unternehmens, ein Gut oder eine Dienstleistung mit geringeren Opportunitätskosten – also den entgangenen Vorteilen aus der besten alternativen Nutzung von Ressourcen – herzustellen als ein anderer.

Kolumne „Kreative Zerstörung“

Donald Trump ist eine ökonomische Lüge auf zwei Beinen

Die USA haben sich über mehr als hundert Jahre von einem Land der Industrieproduktion zu einem Hightech-Land weiterentwickelt. In diesem Feld der Hochtechnologie, Chips, Künstliche Intelligenz, Sprachmodelle, Quantencomputing, Raumfahrt, haben die USA erheblich investiert. Die Opportunitätskosten für Hightech sind damit gesunken, die der Industrieproduktion dagegen deutlich gestiegen. Trump will diese ökonomische Logik außer Kraft setzen und zurück ins 19. Jahrhundert, als Industrieproduktion noch Schwerpunkt war.

Für jemanden, der lesen oder bis drei zählen kann, ist es keine Überraschung, dass dies nicht gelingen wird. Das zeigt beispielsweise das Toaster-Projekt eines britischen Designers. Schon vor 20 Jahren versuchte Thomas Twaites, von null weg einen Toaster zu bauen.

Es war ein Krampf. Twaites stellte fest, dass man problemlos ein menschliches Lebenswerk auf einen einzigen Toaster verschwenden kann. Das Gerät hätte am Ende mehr als tausend Pfund gekostet. Funktioniert hat es übrigens nie.

Interview

„Trump liegt falsch“: Ökonom erklärt den wahren Grund für das gigantische Handelsdefizit der USA

Aber hier geht’s ja nicht um ökonomische Fakten. Wir sind wieder in der grimmigen Märchenstunde des Nationalismus angekommen. Das ist nicht nur ökonomisch absurd, es ist auch tragisch für den Fortschritt. Denn parallel zu den fehlgeleiteten handels- und industriepolitischen Forderungen Trumps ruiniert seine Regierung gerade das Fundament der US-Erfolgsgeschichte als Hightech-Nation.

Diese Positionierung ist nicht gottgegeben. Im 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts waren die USA die Nachahmernation, als die viele Amerikaner heute fälschlicherweise noch immer China sehen. Industriepatente kamen vornehmlich aus England, die meisten Nobelpreise gingen an deutsche Wissenschaftler.

Das hat sich durch zwei Weltkriege ebenso geändert wie durch die Flucht der (jüdischen) deutschen Intelligenz in die USA und eine Strategie der konsequenten Investitionen in Wissenschaft und Forschung.

Langfristig zerstört Ideologie immer die Innovationsfähigkeit eines Landes.
Miriam Meckel
Kommunikationswissenschaftlerin

Jetzt führt Trump einen Krieg gegen die amerikanischen Universitäten, stoppt alle Visa für internationale Studierende, lässt die National Science Foundation austrocknen und greift mit autoritären Vorgaben in die wissenschaftliche Forschung ein. In einer Umfrage von „Nature“ gaben 75 Prozent der Befragten an, sich in Europa und Kanada nach einem neuen Job umzuschauen.

All das ist historisch nicht neu. Die ungarische Regierung unter Viktor Orban hat Wissenschaft und Forschung im Land unter Regierungskontrolle gestellt. Und an das, was in Deutschland mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten ab 1933 geschah, können wir uns hoffentlich noch erinnern, um uns die Frage zu stellen: Wie hätte Deutschlands Innovations- und Erfolgsgeschichte ausgesehen, wenn die wichtigsten und klügsten Köpfe des Landes einfach hätten zu Hause bleiben und arbeiten können?

Verwandte Themen
Donald Trump
USA
Steve Jobs
Apple
China
Indien

Die Folgen solcher tiefgreifenden Veränderungen sieht man nicht sofort. Aber langfristig zerstört Ideologie immer die Innovationsfähigkeit eines Landes.

Es gab übrigens schon einmal einen Apple-CEO, der ein Gespräch mit einem US-Präsidenten über die Rückholbarkeit von Industriejobs hatte. Das war 2011 bei einem Dinner mit Barack Obama. Nach den Optionen gefragt, sagte Steve Jobs: „Diese Arbeitsplätze kommen niemals zurück.“ Damals war das ein kluger Rat an die Politik. Heute kann so ein Satz der Beginn vom Ende sein.

Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
remind.me
Jetziges Strom-/Gaspreistief nutzen, bevor die Preise wieder steigen
Anzeige
Homeday
Immobilienbewertung von Homeday - kostenlos, unverbindlich & schnell
Anzeige
IT Boltwise
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Presseportal
Direkt hier lesen!
Anzeige
STELLENMARKT
Mit unserem Karriere-Portal den Traumjob finden
Anzeige
Expertentesten.de
Produktvergleich - schnell zum besten Produkt