Märkte Insight: Die Notenbanken und ihre Zinspolitik: Das Rätselraten geht weiter

Nach Jackson Hole dürften Anleger auf der Suche nach Zins-Orientierung noch stärker auf Daten zur Inflations- und Wirtschaftsentwicklung achten als üblich, meint die Autorin.
Foto: HandelsblattDas war wohl nichts. Investorinnen und Investoren hatten gehofft, dass sie nach der jährlichen Konferenz führender Notenbanker in Jackson Hole klarer sehen, wohin es mit den Leitzinsen in den USA und dem Euro-Raum geht. Gerade die Rede von US-Notenbankpräsident Jerome Powell hätte laut Landesbank Baden-Württemberg das Zeug dazu gehabt, über „hopp oder top“ an den Börsen zu entscheiden. Doch es kam anders.
Weder Powell noch EZB-Chefin Christine Lagarde wagte sich bei der Rede in Jackson Hole aus der Deckung. Beide betonten, dass der Kampf gegen die Inflation noch nicht gewonnen sei und sich die Märkte auf weitere Zinserhöhungen einstellen müssten.
Diese Botschaft hatten sie den Anlegern allerdings schon bei den letzten Zinserhöhungen im Juli mitgegeben und dabei betont, dass die weiteren Zinsentscheidungen von den jeweiligen Wirtschaftsdaten abhingen.
Bescheidene Reaktion der Börse
Von daher war die Reaktion der Börsen auf die mit so viel Spannung erwarteten Reden mehr als bescheiden. Deutschlands Leitindex Dax beendete die Handelswoche am Freitag mit einem hauchdünnen Aufschlag von 0,07 Prozent bei 15.632 Punkten. Damit schaffte er nach drei Verlustwochen in Folge zwar ein mageres Wochenplus von 0,4 Prozent.
Dennoch liegt der Index noch fast fünfeinhalb Prozent unter seinem Ende Juli erreichten Rekordstand von knapp 16.529 Punkten. In den USA schloss der breite S&P 500 zwar nach den Reden von Powell und Lagarde am Freitag mit einem Aufschlag von immerhin 0,7 Prozent. Doch auch der weltweit wichtigste Leitindex für die Aktienmärkte notiert knapp viereinhalb Prozent unter seinem Ende Juli markierten Jahreshoch von 4607 Zählern und legte in der vergangenen Woche unter dem Strich nur 0,8 Prozent zu.
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Vor diesem Hintergrund dürften Anleger auf der Suche nach Zins-Orientierung noch stärker auf Daten zur Inflations- und Wirtschaftsentwicklung achten als üblich. Die neue Börsenwoche wird hier besonders spannend, denn es stehen Inflationsdaten aus dem Euro-Raum und den USA sowie der monatliche US-Arbeitsmarktbericht an, dem auch die US-Notenbank (Fed) viel Aufmerksamkeit schenkt.
Die Daten dürften indes allesamt wenig Potenzial haben, die Börsen zu beflügeln. Bestenfalls werden sie die ohnehin an den Märkten schon vorherrschende Einstellung bestätigen, dass EZB und Fed bei ihren nächsten Entscheidungen am 14. September (EZB) und 20. September (Fed) eine Zinspause einlegen.
Preisentwicklung im Euro-Raum
So wird die Inflationsrate im Euro-Raum im August, die am Donnerstag veröffentlicht wird, nach Einschätzung von Volkswirten im Jahresvergleich nur geringfügig auf 5,2 Prozent gesunken sein. Damit liegt sie immer noch sehr deutlich über dem Inflationsziel der EZB von zwei Prozent. Die schon am Mittwoch anstehenden Daten zur Preisentwicklung in Deutschland dürften ebenfalls einen nur leichten Rückgang auf sechs Prozent zeigen.
In den USA wird am Donnerstag mit dem Deflator des privaten Konsums ein etwas komplizierteres Inflationsmaß veröffentlicht, auf das die Fed aber besonderen Wert legt. Dabei geht es um den Preisanstieg der am Donnerstag ebenfalls veröffentlichten Konsumausgaben der US-Verbraucherinnen und Verbraucher. Hier rechnen Ökonomen mit einem leichten Anstieg auf 3,3 Prozent.
Der US-Arbeitsmarktbericht am Freitag wird zwar voraussichtlich zeigen, dass in den USA etwas weniger neue Stellen geschaffen wurden. Die Arbeitslosenquote dürfte im August aber unverändert bei niedrigen 3,5 Prozent verharren. Das ist ein Zeichen für eine robuste US-Wirtschaft, aber auch dafür, dass die Zinsen noch weiter angehoben werden können. Genau das ist nicht im Sinne der Investoren.