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Prüfers KolumneMusk ist Trumps Schattenminister

Warum wir alle einen „Shadow Negotiator“ bräuchten, also einen Schattenverhandler. Das sind Leute, die keine eigenen Interessen haben, aber sich auf das Verhandeln verstehen.Tillmann Prüfer 16.11.2024 - 10:04 Uhr
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Tillmann Prüfer ist Mitglied der Chefredaktion des „Zeit-Magazins“. Foto: Handelsblatt

Bert Brecht hat einmal gesagt, „Man sieht nur die im Lichte. Die im Dunkeln sieht man nicht.“ Heute ist es aber so, dass die, die im Dunklen sind, offenbar den großen Auftritt haben. Elon Musk ist ja Donald Trumps Schattenminister. Aber er ist fast so präsent wie Donald Trump selbst. Er schilt unseren Bundeskanzler einen „Narr“ und ist offenbar schon bei Verhandlungen mit Selenski zugegen gewesen, demnächst soll er die Regierung entrümpeln.

Ich habe auch gelesen, dass man heute zu Verhandlungen immer einen „Shadow Negotiator“ hinzuzieht. Also einen Schattenverhandler. Das sind Leute, die keine eigenen Interessen haben, aber sich auf das Verhandeln verstehen. Man fragt den Schattenverhandler, was man fordern soll, und der macht schließlich Vorschläge. So kommt man offenbar weiter, als wenn man sich allein ein den Ring begibt.

Schattenverhandler sagen zum Beispiel, dass man sich in Gehaltsverhandlungen stets mit Maximalforderungen, die ganz kurz vor der Unverschämtheitsgrenze sind, hineinbegeben muss. Man soll es nur irgendwie begründen können, sodass die Gegenseite den Eindruck hat, dass man es tatsächlich ernst meint und nicht nur blufft. Diese erste Zahl, die man nimmt, ist dann die „Ankerzahl“ um die sich alles dreht.

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Was man später noch so sagt, ist nicht mehr so wichtig. Gleichzeitig raten Schattenverhandler, nie zu drohen, sondern stets auf eine äußere Bedrohung zu verweisen, die beiden Parteien von außen droht wie eine Naturgewalt, die es abzuwehren gilt. Das soll Gemeinsamkeiten schaffen, wo sonst nur Dissens wäre.

Hätte sich die FDP in den Haushaltsverhandlungen mit den Koalitionspartnern anders verhalten, vielleicht hätte es dann geklappt? Hätte man sich vielleicht darauf berufen, dass man gemeinsam von dem Eid auf die Verfassung bedroht sei, wegen dem ja Christian Linder angeblich außerstande war, die Schuldenbremse zu lockern? Vielleicht hätten dann die drei Alphamänner der großen Koalition nicht einander beschimpfen müssen, sondern hätten einen neuen Zusammenhalt beschwören können?

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Nun sind diese Verhandlungen stattdessen satt gescheitert, und wir haben nun keine handlungsfähige Regierung mehr. Was eigentlich nicht so schlimm ist, denn die hatten wir ja vorher auch nicht. Nun ist nur die Frage, ob alles so bleibt wie vorher. Oder ob vielleicht Elon Musk in Deutschland einfach durchregiert. Er würde sich das bestimmt zutrauen.

Die Lösungen für alle unsere Probleme kennt er ja schon. Vielleicht ließe er sich auch damit eine Weile vom Regieren in den USA ablenken. Die FDP strebt für die Neuwahlen ein Ergebnis von 10 Prozent an. Da steht als Ankerzahl so im Raum. Vielleicht gelingt es den Bürgern aber noch, sie da etwas runterzuverhandeln.

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