Kommentar: Mit dem möglichen Börsengang holt sich der Porsche-Clan die Kontrolle zurück
Der Sportwagenbauer lässt sich als fester Bestandteil der VW-Welt schwerlich herauslösen.
Foto: imago images/Pius KollerDer Börsengang des Sportwagenherstellers Porsche ist auf den ersten Blick eine schöne Idee. Im großen Konzernkonstrukt von Volkswagen ist Porsche eine Marke von vielen, der Wert der Firma spiegelt sich nur zu einem Bruchteil in der Börsenbewertung des großen Ganzen wider. Einmal herausgelöst und auf das Parkett der Börse geführt, würde die wahre Größe von Porsche erkennbar. Konzerne wie Siemens oder Daimler haben durch die Abspaltung von Töchtern die Richtigkeit dieses Wegs aufgezeigt.
Im Fall von Volkswagen ist die Frage angebracht, wem ein Börsengang von Porsche nutzt. Die Begründung, dass damit der Aktienkurs von VW auf das richtige Maß erhöht wird, ist nur vorgeschoben. Der Konzern ist fest in der Hand der Familie Porsche/Piëch und des Landes Niedersachsen. Für beide Seiten ist das Kursniveau unbedeutend, da sie auf Dauer investiert bleiben werden.
Der Börsengang von Porsche ist vor allem ein Projekt der Familie. Sie ist der Treiber, auch um die historische Niederlage von 2009 zurechtzurücken. Nachdem die Übernahme von VW durch den Sportwagenhersteller missglückt war, hatte sich das Schwergewicht selbst Porsche einverleibt. Die Familie wurde zwar größter Aktionär des fusionierten Unternehmens, ihr Ziel eines Kompletterwerbs war aber gescheitert.
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Porsche will nun Porsche zurück. Mit dem Börsengang will die Familie Aktien des Sportwagenbauers erwerben, letztlich strebt sie die Kontrolle über Porsche an. Beleg dafür ist, dass sie expliziert über den Erwerb von Stammaktien – also Aktien mit Stimmrecht – mit Volkswagen redet. Entscheidend ist, dass es dabei fair zugeht. Und da wird es kompliziert. Porsche lässt sich als fester Bestandteil der VW-Welt schwerlich herauslösen.
Schwerer wiegen aber die personellen Verflechtungen zwischen Volkswagen und der Porsche SE. Diese Firma ist nicht zu verwechseln mit dem Autobauer Porsche AG; sie ist eine Holding, über die die Familie ihren Mehrheitsanteil an Volkswagen hält. Mit Hans Dieter Pötsch, Manfred Döss und Lutz Meschke stammen gleich drei von vier Vorständen der Porsche SE aus dem VW-Konzern. Pötsch ist sogar Aufsichtsratschef und Döss Rechtsvorstand.
Doppelfunktion bietet Raum für Klagen
Im Aufsichtsrat von VW sitzen zudem mehrere Mitglieder des Clans, der größter Aktionär der SE ist. Als Mitglieder von Volkswagen-Gremien wird dieser Kreis eine faire Bewertung für die Porsche AG finden müssen, die dann zumindest teilweise von der ebenfalls von ihnen kontrollierten Porsche SE übernommen wird.
Auch wenn es dabei mit rechten Dingen zugehen würde, bietet diese vielfache Doppelfunktion Raum für Aktionärsklagen. Da es leicht um Milliardenbeträge geht, wäre dies eine Belastung für den Aktienkurs. Das vorgeschobene Ziel einer Kurssteigerung wäre damit schon mal nicht erreichbar.