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Kommentar Die grüne Umarmung von Autoindustrie und Ökopartei wird teuer für alle

Die Autoindustrie könnte mit einer grün geführten Regierung gut leben. Erstaunlich schnell haben sich ihr Geschäftsmodell und die Ziele der Ökopartei angenähert. Das hat Gründe.
17.05.2021 - 04:00 Uhr 3 Kommentare
Wer sich nicht glaubwürdig vom Verbrennungsmotor verabschiedet, wird von Investoren wie Blackrock abgestraft. Quelle: dpa
Elektromobilität

Wer sich nicht glaubwürdig vom Verbrennungsmotor verabschiedet, wird von Investoren wie Blackrock abgestraft.

(Foto: dpa)

Im Moment sieht es so aus, dass ein Ergebnis der Bundestagswahl im Herbst schon feststeht: Die Grünen, einst der Schrecken der Autoindustrie, könnten maßgeblich die künftige Verkehrs-, Energie- und Umweltpolitik bestimmen. Womöglich formuliert sogar eine grüne Bundeskanzlerin die Richtlinien der Politik. Es wäre eine Wende, die vor allem die deutsche Autoindustrie beträfe – und niemanden in Wolfsburg, München oder Stuttgart scheint das zu stören.

Im Gegenteil: Die Autobosse wirken gerade so, als wollten sie vorzeitig das grüne Wahlprogramm umsetzen. Herbert Diess rüffelt öffentlich die Energiepolitik der Regierung Merkel und fordert einen schnelleren Ausstieg aus der Kohleförderung. Mit der Einführung des Elektroautos kann es dem VW-Chef gar nicht fix genug gehen, im Monatstakt schraubt Europas größter Autokonzern seine Ziele hoch.

Daimler-Chef Ola Källenius spielt bereits das vorzeitige Ende der Benzin- und Dieseltechnik durch. Sein neues Geschäftsmodell ist „Sustainable Luxury“ – der elitäre, aber nachhaltige Mobilitätsgenuss der Zukunft.

Und BMW-Chef Oliver Zipse hat eine neue Rolle als Ökoaktivist gefunden: Wer die knappen Ressourcen der Erde für sein Geschäftsmodell nutzen wolle, brauche dafür gute Gründe, predigt Zipse. „Das grünste Elektroauto kommt von BMW“, lautet die Ansage aus München.

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    Erstaunlich schnell haben sich das Geschäftsmodell der Autobranche und die Ziele der Ökopartei angenähert. Das hat Gründe.

    Die Grünen haben den volkswirtschaftlichen Wert des Autos anerkannt, zumindest teilweise. Wer seit zehn Jahren Baden-Württemberg regiert, der weiß, dass man auf dem Land nicht nur mit Bussen und Bahnen vorankommt. Der hat auch gelernt, dass ohne die Steuereinnahmen der wichtigsten Unternehmen ein Gemeinwesen nicht zu finanzieren ist.

    Hinzu kommt eine industriepolitische Erkenntnis: Daimler, Porsche und Bosch können mit ihren riesigen Forschungsbudgets Innovationen für die ganze Wirtschaft treiben.

    Die größere Lernkurve hat aber die Autoindustrie vollzogen. Der Dieselskandal 2015 hat die Konzerne moralisch diskreditiert und offenbart, wie tief sich die Branche in die Sackgasse manövriert hat. Denn das Pariser Klimaabkommen zwingt die Hersteller über kurz oder lang, aus dem Verbrennungsmotor auszusteigen. Die demonstrierenden Schüler der „Fridays for Future“-Bewegung zeigen, dass Lippenbekenntnisse in Sachen Klimaschutz nicht mehr ausreichen.

    Einen Kurswechsel fordert auch der Kapitalmarkt: Wer sich nicht glaubwürdig vom Verbrennungsmotor verabschiedet, wird von Investoren wie Blackrock abgestraft. Schon jetzt ist der Elektropionier Tesla mehr wert als Daimler, BMW und Volkswagen zusammen. Tesla baut derzeit eine Fabrik in Brandenburg und straft alle Lügen, die glaubten, dem Neuling werde schon bald die Luft ausgehen.

    Die Industrie braucht den Verbrennungsmotor bald nicht mehr

    Die Antwort der deutschen Industrie ist ziemlich grün. Aus dem „Clean Diesel“ wurde „electric first“ und schon bald „electric only“. Volkswagen baut jetzt in drei Fabriken ausschließlich Elektroautos und kalkuliert mittlerweile mit sechs großen Batteriezellproduktionen in Europa.

    Auch Mercedes und BMW geben dem Stromauto den Vorzug und setzen ihre Absatzziele für Stromer kräftig nach oben. Verbrennungsmotoren, einst das Herzstück der Unternehmen, sind nicht mehr Kerngeschäft. Mercedes gibt seine Motorenentwicklung in ein Joint Venture mit dem chinesischen Großaktionär Geely. BMW wird ab 2024 keine Verbrennungsmotoren mehr in Deutschland bauen. Man macht sich unabhängig vom Schicksal von Benzin und Diesel.

    Quelle: Kostas Koufogiorgos

    (Foto: Kostas Koufogiorgos)

    Der Wende im Antrieb folgt die Wende in der Produktion: Um möglichst wenig Ressourcen zu verbrauchen, wollen die Autohersteller künftig in die Kreislaufwirtschaft einsteigen, den Wasserverbrauch reduzieren, Metalle und Kunststoffe wiederverwerten.

    Das ist nicht nur für die Umwelt gut, sondern auch für die eigene Kalkulation. Rohstoffe sind schon heute knapp und teuer. BMW schätzt allein für dieses Jahr einen Preisanstieg von bis zu einer Milliarde Euro bei seinen Vormaterialien. Da wird der Schrottplatz zur Goldgrube.

    Wer sich so aufstellt, den schockiert kein grünes Parteiproramm mehr. Das gilt für den Abbau der Dieselsubventionen ebenso wie für die Forderung, ab 2030 nur noch emissionsfreie Autos zulassen zu wollen.

    Das kann sogar von Vorteil sein: Je kürzer der Übergang von einer Technologie zur anderen, desto geringer ist die Komplexität in Entwicklung, Produktion und Vertrieb.

    Selbst die grüne Forderung nach einem Tempolimit wird die Industrie mit Fassung tragen. Das von den Herstellern angestrebte automatisierte Fahren auf der Autobahn verspricht Wohlfühlatmosphäre. Rasen mit Tempo 200 stört da nur.

    Also alles easy mit den Grünen und den Autobossen? Nicht ganz. Klimaneutral ist das Gegenteil von kostenneutral. Zunächst mal für die Autofahrer. Wer Diesel oder Benzin tankt, wird nach der Bundestagswahl mehr zahlen, das ist grünes Programm. Trotz Subventionen bleibt das Elektroauto vorerst ein Elitenprojekt, denn das Laden macht nur mit eigener Säule Spaß.

    Umgekehrt werden die Autohersteller die Einstiegsmodelle aus dem Programm nehmen, sie brauchen große und teure Autos, um den Umstieg finanzieren zu können. Steigende Spritpreise und weniger Kleinwagen schränken aber die Mobilität vieler Menschen ein.

    Die Autohersteller werden Deals auf Kosten der Allgemeinheit anbieten. Die bereits jetzt großzügig gewährten Subventionen für die Elektromobilität wird man sich auf Jahre festschreiben lassen. Das gilt für die üppigen Kaufprämien für Elektroautos ebenso wie für den massiven Ausbau der öffentlichen Ladeinfrastruktur, den die Industrie gern dem Steuerzahler überlässt. Die Grünen bieten regionale „Transformationsfonds“, mit denen der Strukturwandel in der Autoindustrie öffentlich finanziert werden soll. „Sustainable Luxury“ hat eben seinen Preis.

    Mehr: Schnelles Internet, Ausbau der Bahn, Klimaneutralität – So kostspielig ist das Programm der Grünen

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    • Diese Klüngelei ist nun wirklich nicht der Stein des Weisen. Solange die Schornsteine Rauchen und wir den schmutzigen Strom aus der Kohle-oder Gasverbrennung nutzen, wird sich wenig für die Erde und unser Klima ändern. Bessere Alternativen stehen an: Die Königlich Schwedische Akademie der Wissenschaften hatte bereits im Januar 2021 in einer  von Daimler Benz beauftragten Studie die Effizienz der Technologie und  die im Patent deklarierten Eigenschaften der "Neutrino-Voltaik" bestätigt. Es ist also möglich mit einem selbstladenden PICar eine saubere und ehrliche Elektromobilität, ohne Stopps an Ladesäulen zu erschaffen.  Der einstige BundesVerkehrsminister a.D., Prof. KRAUSE veröffentlichte dazu kürzlich: "Das ewige Licht - Der Beginn eines neuen Zeitalters"  Er begründet eindringlich, die günstigste und sauberste Variante der Energienutzung basiert auf Neutrino Technologie. Eine mobile und dezentrale Energienutzung über die Neutrinovoltaic kann jetzt möglich werden, denn sie wird die Photovoltaik ergänzen und ablösen, denn sie kann auch in vollkommener Dunkelheit Energie wandeln. Die Patente der Berliner Neutrino Energy Group sind bereit. Die Einführung der Neutrinovoltaik zur Gewinnung von elektrischem Strom unter dem Einfluss verschiedener elektromagnetischer Strahlung, einschließlich hochenergetischer kosmischer Neutrinos basiert auf neueste Forschungsergebnisse. Die auf Neutrinovoltaik-Technologie basierenden DC-Neutrinoquellen sind sehr kompakt und wetterunabhängig, erzeugen in einem Grundmodus 24h x 365 Tage Strom und können in Gerätegehäuse oder sogar in Elektroautos eingebaut werden. Mobile, dezentrale Haushaltsenergie und unendliche Reichweite für die Elektromobilität.

    • Herr Zehe kommentiert ja auch schon in die Richtung. Der Gag ist, dass da in Wahrheit gar nichts CO2-frei ist. Und zwar so lange, wie wir CO2-freien Strom nicht oder nur zu selten im Überschuss haben. Es nützt auch nichts wenn das gelegentlich an der Nordsee so ist. Das Problem muss durch Trassen gelöst werden. Es nützt auch nichts, auf den Strommix zu verweisen. Der zählt beim Vergleich Sprit/Strom nicht, weil im Netz der Strom so gut wie gar nicht gespeichert vorliegt. Immer wenn Leistung (kW) angefordert wird, muss sie im selben Moment auch erzeugt werden. Da gucke ich gleich nach dem Stecken des Ladekabels zum Fenster raus und sehe weder ein schneller drehendes Windrad noch eine heller scheinende Sonne. Also beteiligen sich die beiden nicht an meiner Leistung. Herr Fasse hat meine Emailadresse. Ich erklärs ihm gern nochmal.

    • Wo ist denn ein E-Auto kostenneutral. So einen Blödsinn können nur Verblendete dem Publik suggerieren. Genauso wie die Null-Emissionen Kalkulation für E-Autos der EU. Wir lassen uns von der Regierung, den Grünen und der Autoindustrie eine grüne Mogelpackung in nie dagewesenem Ausmaß aufschwatzen und die meisten merken es noch nicht einmal. Das Wahlvolk war halt schon immer leicht zu beeinflussen. Insbesondere wenn die Medien mitspielen, weil sie ihre besten Anzeigekunden nicht verlieren wollen.
      Das Erwachen wird bitter werden und für die meisten Bürger in der überfüllten S-Bahn enden.

      Glückwunsch!

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