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Kommentar Die schrittweise Lockerung des Shutdowns ist richtig – weitere Vorsicht genauso

Für die Wirtschaft ist die behutsame Öffnung lebenswichtig. Doch die Regierung muss schnell weitere Antworten liefern – und Sicherheit gewährleisten.
15.04.2020 - 20:59 Uhr 5 Kommentare
Die Kanzlerin leitet die richtigen Schritte ein, darf aber nicht zu schnell voranschreiten. Quelle: dpa
Angela Merkel

Die Kanzlerin leitet die richtigen Schritte ein, darf aber nicht zu schnell voranschreiten.

(Foto: dpa)

Bei der Frage, wie Deutschland nach dem Shutdown in die Normalität zurückkehrt, haben sich Bund und Länder für einen Balanceakt entschieden. Auf der einen Seite sollen die Kontaktverbote bis Anfang Mai fortgesetzt werden, auf der anderen Seite können die ersten Geschäfte bereits in der nächsten Woche wieder öffnen. Die schrittweise Abkehr vom harten Shutdown ist ein verantwortungsvoller und richtiger Weg, der sowohl die Warnungen der Mediziner als auch die Sorgen der Wirtschaft berücksichtigt.

Die Politik hat offenbar verstanden, welche Risiken mit einem lang anhaltenden Stillstand der Wirtschaft verbunden sind. Gerade kleine Geschäfte hat der Shutdown in den vergangenen Wochen hart getroffen, weil viele Betriebe kaum über Liquiditätsrücklagen verfügen.

Wenn diese Geschäfte mit einheitlichen Auflagen für Hygiene und Zugangskontrollen wieder öffnen, besteht keine übergroße Gefahr für einen Anstieg der Infektionszahlen. Was bei Rossmann und dm möglich ist, sollte auch bei kleinen Sportgeschäften und Boutiquen möglich sein.

Bund und Länder liefern mit dieser Entscheidung nicht nur einen wichtigen Beitrag zur Existenzsicherung etlicher Unternehmen. Gleichzeitig können Tausende Arbeitnehmer, die in den vergangenen Wochen zwangsweise zu Hause bleiben mussten, wieder einer regulären Beschäftigung nachgehen. Für diese Menschen sinkt damit die Angst, den Arbeitsplatz durch einen langen Shutdown der Wirtschaft zu verlieren. Konjunkturell spielt dieser Punkt eine wichtige Rolle. Menschen, die keinen Jobverlust fürchten müssen, konsumieren nachweislich mehr.

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    Dass dieser wirtschaftliche Kreislauf nun nach und nach wieder in Schwung kommt, ist eine gute Nachricht. So wichtig es ist, das Gesundheitssystem nicht zu überfordern, so notwendig ist es, eine schwere ökonomische Krise des Landes zu verhindern.

    Wenig zufriedenstellender Umgang mit Schulöffnungen

    Kurzarbeit ist zwar ein gutes Instrument, um von der Coronakrise besonders betroffene Unternehmen vorübergehend zu entlasten. Doch je länger der Shutdown anhält, desto größer wird das Risiko, dass Unternehmen am Ende gezwungen sind, Arbeitnehmer zu entlassen. Daran kann die Politik kein Interesse haben.

    Wenig zufriedenstellend sind die Beschlüsse von Bund und Ländern zur Öffnung der Schulen. Fest steht aktuell nur, dass die Schulen bis zum 4. Mai geschlossen bleiben sollen. Unter welchen konkreten Auflagen die Schulen anschließend wieder öffnen, ist noch reichlich unklar.

    Es ist enttäuschend, dass die Kultusministerkonferenz erst in zwei Wochen Antworten auf diese wichtigen Fragen liefern will. Immerhin ist es für alle berufstätigen Eltern entscheidend zu wissen, ob und wann ihre Kinder wieder zur Schule gehen können und in dieser Zeit nicht zu Hause betreut werden müssen. So besteht die Gefahr, dass Menschen, die eigentlich wieder arbeiten gehen könnten, wegen der Betreuung der Kinder zu Hause bleiben müssen.

    Schon jetzt klagen viele Handwerksbetriebe darüber, dass sie aus diesem Grund etliche Aufträge nicht annehmen können. Die schrittweise Öffnung der Schulen (und Kindergärten) ist deshalb ein wesentlicher Baustein für eine Rückkehr in die Normalität.

    Die aktuellen Beschlüsse sind ein Anfang auf dem Weg aus dem Shutdown. Kanzlerin Angela Merkel und die Regierungschefs der Länder sind aber noch viele Antworten zu weiteren Schritten schuldig geblieben. So ist der Neustart großer Industriebetriebe ungleich komplexer als die Öffnung des Einzelhandels. Die Corona-Pandemie hat die Wertschöpfungsketten weltweit lahmgelegt und teilweise zerstört.

    Krise ist nicht bewältigt, nur beherrschbar

    Schon jetzt prüfen Unternehmen, wie sie die Lieferketten neu aufstellen. Um eine reibungslose Produktion in Unternehmen zu gewährleisten, die von einem weltweit verzweigten Netz von Zulieferfirmen abhängig sind, werden wahrscheinlich noch Monate vergehen.

    Die deutsche Exportwirtschaft ist vor diesem Hintergrund nicht nur davon abhängig, wie die Politik in Deutschland den Shutdown nach und nach aufhebt, sondern auch, wie sich die Situation in den Ländern der Zulieferfirmen darstellt. Umso wichtiger ist es, dass für die Wirtschaft klar ist, unter welchen Bedingungen die Produktion wieder angefahren werden kann und wann die Kontrollen an den Grenzübergängen zu Nachbarländern wieder eingestellt werden.

    Durch den Shutdown wurde die Coronakrise nicht bewältigt, sondern nur beherrschbar gemacht. Bei der schrittweisen Lockerung der Maßnahmen muss sichergestellt sein, dass der Schutz der Bürger gesichert ist.

    Es bleibt deshalb die zentrale Herausforderung, dass in den nächsten Wochen ausreichend Schutzmasken und Tests zur Verfügung stehen. Nur dann kann die Rückkehr in die Normalität gelingen, ohne dass die Infektionszahlen wieder nach oben schnellen. Hier muss die Politik ihre Anstrengungen weiter vergrößern. So groß die Sehnsucht der Menschen nach einem normalen Leben ist, so groß ist der Wunsch nach Sicherheit.

    Mehr: EU-Länder suchen nach dem Weg aus den Corona-Maßnahmen.

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    5 Kommentare zu "Kommentar: Die schrittweise Lockerung des Shutdowns ist richtig – weitere Vorsicht genauso"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Mir ist keine destruktivere Begründung für ein Zurück zur Normalität bekannt als: "Menschen, die keinen Jobverlust fürchten müssen, konsumieren nachweislich mehr." Ist das ein Zeichen zukünftiger Stärke unseres Landes? Sollten die Menschen das wirklich? Noch mehr konsumieren? Noch mehr Müll? Haben wir gerade noch ganz anders denken wollen? Letzte Woche, letzten Monat, letztes Jahr? Oder ist diese Kalkulation nicht vielmehr - eine derjenigen Kalkulationen, die sicherstellt, dass noch mehr Müll exportiert oder eben auf dem Müll landen muss, den wir dann auch wieder... exportieren. Vielleicht können wir irgendwann andere IDEEN exportieren, als die, den ständig steigenden Konsum zum Maßstab einer gesunden Wirtschaft zu machen. Vielleicht also sollten wir in durchaus möglichen Momenten des still-seins (wie jetzt) davon ausgehen, dass wir ein MEHR am wenigsten brauchen. Dieser "wirtschaftliche Kreislauf" gleicht eher dem eines Hamsters im Rad. Und er schadet dem Gesundsein der Bevölkerung allemal mehr als ein Virus. Wer das nicht glaubt, frage seinen Arzt des Vertrauens dieses Gesundheitssystems nach den bereits seit Jahrzehnten bekannten Statistiken zu den häufigsten Ursachen für Krankheiten und zu frühem Tod. Punkt Zwo. Hat schon jemand in den Empfängerländern unseres Exports nachgefragt, ob es dort - bei diesen Menschen - einen irgendwie bedeutsamen Mangel nach "unseren" Produkten gibt? Mir jedenfalls sind solche Hilferufe nicht bekannt.
      Nehmen wir uns doch Zeit! Für die Bekämpfung der Pandemie. Und parallel für die Suche nach Ideen, die wir gestern oder letzte Woche, letzten Monat oder letztes Jahr... - und zukünftig exportieren können, weil wir gelernt haben. Gelernt haben, mit der Globalisierung von Produkten und Viren umzugehen. Vielleicht erkennen wir den Zusammenhang. Was wir am wenigsten brauchen, ist noch MEHR davon.

    • " Es bleibt deshalb die zentrale Herausforderung !!!!!!!!!!!!!! von flächendeckenden Tests + ausreichenden Schutzmasken + Schutzbrillen sind die Voraussetzung für eine Lockerung des Shutdowns . Oder ist das in Deutschland anders als in Südkorea oder Taiwan. Die deutschen Politiker / Landesfürsten scheinen sich gegenseitig zu überbieten im Aussitzen der Krise . Es reicht nicht von den großen Gefahren zu sprechen
      und das nächstliegende , nämlich genügend Schutz-Masken und -Brillen im eigenen Land herzustellen und
      damit die Bevölkerung zu schützen . " Laut NZZ wurde der Ernstfall 2012 in einer Art Krisensitzung unter dem
      Vorsitz von Frau Merkel schon einmal geprobt ? ! " . War diese Sitzung nur ein informelles Kaffeetrinken
      oder ist/ war diese Meldung nur ein FAKE ?

    • Ich glaube, dass es am Sinnvollsten wäre, die einzelnen Schulleiter darüber entscheiden zu lassen, wann und wie sie ihre Schulen wieder öffnen können. Nur sie haben einen Überblick über die Mängelliste ihrer Schule nicht irgend so ein berufener Politiker.
      Erst müssen die Schulen sanitärtechnisch und bestuhlungsmäßig auf die Einschränkungen durch die Pandemie hergerichtet sein. Und die Beförderung hin und von den Schulen muß geklärt sein.
      Deshalb diesen Herrschaften die Entscheidung überlassen

    • Meinem Vorredner, Herrn O.L., kann ich nur zustimmen. Wir alle wissen es ist irgendwie -und unbestritten- gefährlich und anders als sonst. Aber ob Schweden nicht doch die Sache besser angeht ist völlig offen. Wir wollten mal ‚die Kurve abflachen‘ um das Gesundheitssystem nicht zu überfordern. Jetzt wollen wir auf einmal jede Infektion vermeiden trotz 10000 freier Intensivbetten. Die Politik, anfangs zögerlich, gefällt sich nun im Modus der harten Krisenmanager und des Durchregierens; ob es etwas -und was- bringt ist egal. Hauptsache wir bringen es mit fester Stimme vor.

    • Wir halten also, gestützt auf Unwissen und unbewiesenen Vermutungen über tatsächliche Gefahr und Infektionswege von Corona, bis auf weiteres an nahezu allen Beschränkungen unserer persönlichen und wirtschaftlichen Freiheit fest. Was mich aber noch mehr überrascht, ist, dass Bestrebungen, endlich unsere Wissensbasis für solche Entscheidungen zu verbessern, gefühlt zum Erliegen gekommen sind. Der mutige Versuch von Prof. Streeck und seinem Team, dies in Heinsberg zu erreichen, wurde unter einem Orkan der öffentlichen Kritik begraben. Dabei entdeckten die Kritiker ihre Liebe zur hehren Wissenschaft und monierten bei der Präsentation der Zwischenergebnisse das Fehlen von Konfidenzintervallen und ähnliche akademische Feinheiten, während ansonsten die gesamte öffentliche Debatte auf Basis von ein paar windschiefen Absolutzahlen (Zahl der Infizierten, Zahl der "Corona-Toten") geführt wird, deren fehlende wissenschaftliche Aussagekraft offensichtlich niemanden stört. Ich vermute, nach dieser Erfahrung wird sich Herr Streeck aus der öffentlichen Debatte zurückziehen. Was gibt es sonst noch? War nicht auch für München eine Analyse in einer represäntativen Bevölkerungsstichprobe angekündigt? Finden endlich Obduktionen von Corona-Toten statt? Interessiert sich überhaupt noch jemand für solche Erkenntnisfortschritte? Die Schweden machen uns vor, wie man rational mit einer (unstrittigen) medizinischen Gefahr umgeht und deren Risiken gelassen mit anderen Risiken abwägt. Bei uns habe ich das Gefühl, dass wir den wohligen Grusel der Todesgefahr noch ein wenig genießen wollen und für unsere Politiker die Maxime gilt: Wer Wahlen gewinnen will, darf sich eine schöne Krise niemals entgehen lassen,

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