Kommentar: Hohe Immobilienpreise und steigende Zinsen machen Generationen zu Mietern
Um den Mangel an erschwinglichen Immobilien zu bewältigen, müssten Städte auch Bauanträge schneller bearbeiten.
Foto: dpaDrei Viertel aller Deutschen träumen von einer eigenen Immobilie. An diesem wohl klassischsten Wunsch der Deutschen können selbst die weiter stark steigenden Immobilienpreise nicht rütteln.
Doch vielen fehlt das nötige Eintrittsgeld – lies: Eigenkapital –, um am Immobilienmarkt mitzumischen. Sie können gar nicht schnell genug sparen, um mit den Preisen mitzuhalten. Und wegen steigender Zinsen droht Käufern künftig auch die heute noch günstige Baufinanzierung davonzulaufen. Es besteht Gefahr, dass große Teile einer Generation zu Mietern werden.
Dabei muss es nicht so weit kommen, wenn endlich an Lösungen statt Problemanalysen gearbeitet würde. Die Großstädte müssten Bauanträge schneller abarbeiten, mehr Bauland ausweisen. Die Stadtbürger dürften nicht jedes neue Bauvorhaben wegen der Feldhamster oder Juchtenkäfer blockieren.
Natürlich sollte eine Stadt grün sein, aber eben kein Nationalpark. Die Bundesländer könnten Selbstnutzer bei der Grunderwerbsteuer entlasten, die Zehntausende Euro pro Kauf verschlingt. Die Bundespolitiker könnten im Zuge der Grundsteuerreform die Grundstücksspekulation eindämmen.
Stattdessen werden Förder-Placebos wie das Baukindergeld beschlossen, das von Immobilienökonomen so einhellig zerrissen wird, dass man sich schon fragen muss, wen die Bundesregierung bei diesem Beschluss um Rat gefragt hat. Die Bauwirtschaft? Das Fazit zahlreicher Analysen jedenfalls lautet: Die Fördergelder werden auf die Preise durchschlagen.
Immerhin: Im Umland der Großstädte gibt es noch vergleichsweise erschwingliche Immobilien. Dort lässt sich der Traum vom Haus verwirklichen – zumindest solange das Ballungszentrum nicht München heißt. Für die Städte ergibt sich daraus die nächste Herausforderung: Wollen sie attraktiv bleiben, müssen sie in Infrastruktur investieren – von der Verkehrsanbindung bis hin zu Schulen. Es bleibt noch viel zu tun, um das Schicksal der Generation Miete abzuwenden.