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KommentarNur Nagelsmann kann die Ampel noch retten

Die Koalition ist heillos zerstritten. Jetzt liegt die Hoffnung des Kanzlers auf einem Sieg der Nationalmannschaft bei der Fußball-EM oder einem politischen Füllkrug-Moment.Thomas Sigmund 24.06.2024 - 15:49 Uhr
Bundestrainer Julian Nagelsmann reagiert an der Seitenlinie. Foto: Arne Dedert/dpa

Fußball-Metaphern sind auch im politischen Betrieb beliebt. Und tatsächlich hat die EM eine politische Dimension. Denn Olaf Scholz kann nur noch auf den Füllkrug-Moment hoffen: in der Nachspielzeit am richtigen Ort stehen und dann den Ball unhaltbar ins gegnerische Tor köpfen. Da dies für den Kanzler nur schwer vorstellbar ist, kann wohl nur Bundestrainer Julian Nagelsmann die heillos zerstrittene Ampelkoalition vor dem Absturz retten.

Die Ökonomen rechnen zwar vor, dass ein Sieg Deutschlands bei der Europameisterschaft die Wirtschaft kaum ankurbeln würde. Bei der Politik sieht das aber ganz anders aus. In keiner anderen Sportart können sich die Mächtigen so volksnah geben, den Deutschen so sehr das Gefühl vermitteln, einer der ihren zu sein.

Was die Ökonomen nicht abbilden können, ist die alte Weisheit, dass die Wirtschaft zu 50 Prozent Psychologie ist. Daran klammern sich die Ampelfunktionäre und ihr etwas fußlahmer Mittelstürmer Olaf Scholz.

Emotional muss der Kanzler noch an sich arbeiten. Aber Vorbilder, wie es geht, gibt es: Konrad Adenauer hatte 1954 zwar das politische Potenzial des Weltmeistertitels noch nicht erkannt. Er habe andere Sorgen als Fußball, sagte der erste Kanzler damals. Schon anders gingen Helmut Schmidt (1974) und Helmut Kohl (1990) mit den Titelgewinnen um. Sie nutzten sie für ihre politische Karriere.

Niemand brachte es aber zu einer solchen Perfektion wie Angela Merkel. Dabei musste sich die Kanzlerin nicht mal verstellen – ihr nahm man ihre Leidenschaft ab. Sie fühlte sich als eine von 80 Millionen Bundestrainern, die stellvertretend für alle Deutschen im Stadion die Daumen drückte. Als Lukas Podolski aus der Kabine in einem Selfie mit der damals mächtigsten Frau der Welt die herrliche Wortschöpfung „Muttivation“ verschickte, war das kein liebesdienerischer Akt. Poldi meinte es ernst. Und Merkel nahm die Eigen-PR gerne mit.

Scholz als Merkel 2.0

Scholz als Merkel 2.0 in einem neuen Sommermärchen. Der Kanzler würde sicher gerne eine politische Wohlfühloase schaffen. Das halbe Kabinett inklusive Scholz ging schon zu den Vorrundenspielen ins Stadion. Finanzminister Christian Lindner will noch nicht richtig mitmachen.

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Dafür sind die anderen umso eifriger. Arbeitsminister Hubertus Heil lässt sich als ehrenamtlicher Helfer ablichten. Familienministerin Lisa Paus und weitere Kabinettskolleginnen streifen das Nationalmannschaftstrikot über, und Gesundheitsminister Karl Lauterbach twittert, er würde Nagelsmann und seinem Team in der Verlängerung die Daumen drücken. Die gibt es zwar in der Vorrunde nicht, aber das tut dem Engagement keinen Abbruch.

Dem Kanzler kann das alles nur recht sein. Als gewiefter Stratege weiß er: Im Fall eines EM-Siegs kann es beim Streit um den Haushalt noch so knallen – da kommt selbst Friedrich Merz nur als Störenfried daher.

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