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Kommentar Trumps Alles-Meins-Doktrin ist ein Zeichen der Verzweifelung

Die US-Regierung versucht, Atemmasken zu horten. Mit Panikkäufen verschärft sie die Angst vor Versorgungsengpässen. Doch Europa macht es kaum besser.
04.04.2020 - 14:01 Uhr Kommentieren
Der US-Präsident kämpft durch die Coronakrise um sein politisches Überleben. Quelle: AFP
Donald Trump

Der US-Präsident kämpft durch die Coronakrise um sein politisches Überleben.

(Foto: AFP)

Wer vor einem halben Jahr prophezeit hätte, dass Atemschutzmasken einmal zum begehrtesten Produkt auf dem Weltmarkt werden würden, wäre belächelt worden. Bestenfalls. Doch die Coronakrise hat die Welt verändert. Die Pandemie stellt alles auf den Kopf, sogar die America-First-Politik von Donald Trump.

Bisher ging es dem US-Präsidenten darum, das gewaltige Handelsdefizit der USA zu schließen, Einfuhren zu begrenzen und Ausfuhren zu fördern. Doch jetzt ist aus der Strategie der Export- eine Strategie der Importmaximierung geworden.

Weil Trump die Gefahren des neuen Coronavirus solange geleugnet hat, bis es zu spät war, versucht die US-Regierung verzweifelt, Schutzmasken ins Land zu bringen. 

In diese politische Gemengelage platze am Freitag die Beschwerde des Berliner Senats: Die USA sollen am Flughafen Bangkok in Thailand 200.000 Atemschutzmasken des US-Herstellers 3M abgefangen haben, die angeblich für die Berliner Polizei bestimmt waren. Berlins Bürgermeister Michael Müller warf Trump daraufhin „unmenschliches“ und „inakzeptables“ Verhalten vor.

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    Das Weiße Haus weist die Anschuldigungen zurück. Tatsächlich gibt es viele Ungereimtheiten, 3M weiß nichts von einer Lieferung nach Berlin, und der Senat hat seine Version der Ereignisse inzwischen geändert.

    Allerdings konnte die Geschichte nur deshalb ein so großes Echo entfalten, weil aus Frankreich und Kanada ähnliche Vorwürfe kommen. So viel ist sicher: Die USA haben ein Gesetz aus dem Koreakrieg aktiviert, das die Regierung berechtigt, in die Lieferbeziehungen von US-Firmen einzugreifen. Die Vereinigten Staaten werden weiter Schutzausrüstung aufkaufen, "bis wir viel zu viel haben", zitiert die Nachrichtenagentur Reuters einen amerikanischen Regierungsbeamten.

    Trump kämpft um seine Stellung

    Mit Panikkäufen verschärfen die USA nicht nur international die Ängste um die Versorgungsengpässe und verprellen ihre engsten Alliierten. Sie dokumentieren auch den tragischen Verlust ihrer moralischen Autorität. Die Alles-Meins-Doktrin ist kein Ausdruck von Macht, sondern ein Zeichen der Hilflosigkeit.

    Trump, der Rabe Socke an der Staatsspitze, beschäftigt sich mit solchen Zusammenhängen nicht. Er kämpft um sein politisches Überleben. Weil er es versäumt hat, das Land auf die Infektionswelle vorzubereiten, stattdessen die Warnungen von Experten als „Hirngespinste“ verspottet hat, ist Amerika zum Epizentrum der Pandemie geworden. Das Virus und die Tausenden von Toten, die es in den USA fordert, werden für immer mit seinem Namen verbunden sein.

    Allerdings sind auch die empörten Reaktionen deutscher Politiker auf das Verhalten der US-Regierung schwer zu ertragen. Trump greift zu Mitteln, die auch Deutschland angewendet hat. Eine der ersten Maßnahmen der Bundesregierung in der Coronakrise war die Verhängung eines Exportstopps für medizinische Schutzausrüstung. Dringende Bitten der Italiener, Hilfsgüter zu liefern, wurden von der Bundesregierung viel zu lange ignoriert. Der Schaden ist groß.

    Masken-Nationalismus bietet keinen Ausweg aus der Krise, im Gegenteil, er verschlimmert sie. Ein Virus, das keine Grenzen kennt, wird entweder durch globale Kooperation eingedämmt. Oder gar nicht.


    Mehr: Das Hilfsprogramm für amerikanische Mittelständler startet nur holprig.

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