Kommentar: Zögern und zaudern – das unwürdige SPD-Schauspiel um Olaf Scholz

Von John Maynard Keynes stammt der berühmte Satz: „Wenn sich die Fakten ändern, dann ändere ich meine Meinung.“ Die SPD-Spitze hätte am Dienstagabend bei ihrer Telefonschalte auf den Ökonomen hören sollen. Doch die Sozialdemokraten zögern und zaudern, sie lassen Kanzler Olaf Scholz im Ungewissen.
In der SPD gilt es doch inzwischen als Gewissheit, dass Scholz unbewaffnet in den Wahlkampf gegen den CDU-Kanzlerkandidaten Friedrich Merz zieht. Scholz ist in der Bevölkerung so unbeliebt wie kein Kanzler vor ihm.
Noch vor der vergangenen Bundestagswahl war der SPD eine fulminante Aufholjagd gelungen. Diesmal jedoch hat sie keine Vision, wie man mit Scholz einen solchen Triumph wiederholen könnte.
Offenbar werden strategische und individuelle Interessen aber derzeit ohnehin über den Erfolg der Partei gestellt. Anders lässt sich diese Hängepartie bei den Sozialdemokraten nicht mehr interpretieren.
Dass man den Kanzler in seiner Abwesenheit derart im Unklaren lässt, ist ein unwürdiges Schauspiel. Auf dem G20-Gipfel von Rio de Janeiro kämpfte er um sein Amt, gab Interviews in Serie, in denen es nicht um die Weltpolitik ging, sondern um seine politische Zukunft. „Gemeinsam, ich und die SPD“, sprach er in jede Kamera. Doch in der Heimat wollte sich die Parteispitze zu dieser Gemeinsamkeit nicht bekennen.