Morning Briefing: Aufschlag zum Frauen-Doppel im Dax
Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,
über Gleichberechtigung im Job kann man viel reden. Besser ist es, ganz neue Verhältnisse zu schaffen, die dem deutschen Grundgesetz gerecht werden. Im Deutschen Aktienindex passiert nun das ganz kleine Wunder, dass bald gleich zwei Konzerne von Frauen geführt werden. Nach Merck-Chefin Belén Garijo steigt zum Januar 2023 Carla Kriwet, 51, beim Dialyseunternehmen Fresenius Medical Care in Waltham, Massachusetts, auf. Sie ersetzt den aus Altersgründen ausscheidenden Rice Powell, 66.
Mit dieser Personalie ist das Rätsel gelöst, das vorige Woche Europas größter Haushaltsgerätehersteller BSH aus dem Bosch-Konzern aufgemacht hatte: Kriwet verlasse dort nach nicht einmal zwei Jahren den Chefin-Posten aus „persönlichen Gründen“, um eine neue Herausforderung anzunehmen, hieß es da. Beim neuen Arbeitgeber wird Finanzvorständin Helen Giza, deren Vertrag um fünf Jahre verlängert wurde, ihre Stellvertreterin. Das Damendoppel soll den zuletzt lahmenden Konzern auf Tempo bringen.
Notenbanker sind vorsichtig wie gut ausgeruhte Porzellanmaler. Wenn sie reden, sagen sie oft nichts – oder etwas, das nur jahrelange Notenbankdeuter verstehen können. Zwei Sätze im Handelsblatt von Isabel Schnabel, deutsches Direktoriumsmitglied der Europäischen Zentralbank (EZB), kann man jedoch gar nicht missverstehen: „Jetzt reicht es nicht mehr zu reden, wir müssen handeln. Aus heutiger Sicht halte ich eine Zinserhöhung im Juli für möglich.“
- ...Kritik an der EZB: „Die Inflation ist enorm hoch und das trifft Menschen mit geringen Einkommen besonders hart. Ich versuche deswegen, auch auf neuen Kanälen wie Twitter und Youtube unsere Geldpolitik zu erklären. Wir haben da eine Bringschuld.“
- ... mögliche Lohnerhöhungen: „Die Daten sind rückwärtsgewandt, und wir müssen vorausschauend Geldpolitik betreiben. Wir dürfen also nicht erst reagieren, wenn eine Lohn-Preis-Spirale bereits in Gang gekommen ist.“
- ...Börsenattacken auf Schuldenländer: „Wir werden eine spekulationsgetriebene Fragmentierung der Euro-Zone verhindern. Entscheidend ist die wirtschaftliche Entwicklung. Daher ist es jetzt für die Euro-Länder so wichtig, die finanziellen Mittel des europäischen Corona-Aufbaufonds zu nutzen, um auf einen nachhaltigen Wachstumspfad zu kommen.“
Fazit: Der Satz, den sich die EZB für eine der nächsten Kommunikationen aufgehoben hat, lautet: „Whatever it takes.“
Im Nachtzug nach Kiew: CDU-Chef Friedrich Merz ist als erster deutscher Parteivorsitzender ins überfallene Land Ukraine gereist. Dieses Alleinstellungsmerkmal nimmt ihm keiner mehr, zumal sich SPD-Kanzler Olaf Scholz unter Abspielung unterschiedlicher Botschaften in dieser Frage merklich zurückhält.
In Kiew traf Merz den ukrainischen Präsidenten Wolodimir Selenski. Das rund einstündige Treffen sei „atmosphärisch ein ausgesprochen gutes Gespräch“ gewesen, so der Christdemokrat. Zuvor hatte er sich in Irpin erschüttert über die Opfer der russischen Angriffe gezeigt: „Diese Bilder gehen einem nicht mehr aus dem Kopf.“
Deutschland müsse eine führende Rolle spielen, auch in der Frage eines EU-Beitritts der Ukraine, so Merz nach einem Gespräch mit Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko und dessen Bruder Wladimir.
Wenn die Parole „The sky is the limit“ ausgegeben wird, ist größte Vorsicht angesagt: Es fehlt die Bodenhaftung. Und so ist der Plan der früheren Chefs von Mercedes und BMW, mit der gemeinsamen Carsharing-Firma „Share Now“ die pseudo-hippen Anbieter Uber und Lyft anzugreifen, zerschellt. Die Nachfolger verkaufen. „Der Gegner heißt Tesla, nicht Uber“, kommentiert mein Kollege Markus Fasse, doch nun verliere eine coole, digitale Marke den Kontakt zu Nicht-Dienstwagenfahrern. Es übernimmt Stellantis, Heimstatt von Massenmarken wie Peugeot, Opel, Fiat und Chrysler.
Die günstig zu habende Neuerwerbung erweitert das eigene Angebot Free2Move, das sich als Marktplatz zum Zusammenbringen von Gewerbe- und Privatkunden versteht. Deren Chefin Brigitte Courtehoux sagt uns, man könne das Ganze als „Amazon der Mobilität“ betrachten. Es hat schon seinen Grund, dass der echte Amazon-Konzern mit Stellantis eng kooperiert und mit den Daten der Carsharing-Freunde sicher viel anfangen kann.
Pandemie und Ukraine-Krieg haben Auswirkungen auf die Finanzwirtschaft. Und was bedeuten Lieferkettengesetz oder Rohstoffknappheit für die Firmen, welche Geschäfte sind zukunftsfähig? Diese Fragen werden im Mittelpunkt unseres CFO Summit stehen. Aus den Finanzvorständen nehmen Hans-Ulrich Engel (BASF), Astrid Hermann (Beiersdorf), Thomas Toepfer (Covestro) und Ute Wolf (Evonik) teil. Wenn auch Sie CFO sind und am 17. und 18. Mai in Düsseldorf dabei sein möchten, können Sie mit Glück und dem Code D2200419MBV Tickets gewinnen. Hier geht es zur Verlosung.
Und dann ist da noch Stephan Mayer, 48, der die Jobbeschreibung eines CSU-Generalsekretärs – „kräftig austeilen, aber das Bürgerliche Gesetzbuch beachten“ – gründlich missverstanden hat. Der Junggeselle legte sich wegen einer, wie er sagt, „eklatant rechtswidrigen Berichterstattung“ mit einem Reporter von „Bunte“ aus dem Medienhaus Burda an.
Dessen Artikel hat die Überschrift: „Warum verheimlicht er sein einziges Kind?“ Dabei soll Mayer, so der Verlag, gedroht haben: „Ich werde Sie vernichten. Ich werde Sie ausfindig machen, ich verfolge Sie bis ans Ende Ihres Lebens. Ich verlange 200.000 Euro Schmerzensgeld, die müssen Sie mir noch heute überweisen.“
Hier war eindeutig der Rubikon überschritten, zumal „Bild“ alle am Vater-Kind-Schauspiel teilhaben ließ. Aus „gesundheitlichen Gründen“ bat der Rumpelgeneral am Tag der Pressefreiheit erfolgreich um den Rücktritt. Mayer war vor fast drei Monaten von CSU-Chef Markus Söder als „Superwahl“ präsentiert worden.
Von Otto von Bismarck wissen wir: „Jeder Superlativ reizt zum Widerspruch.“
Es grüßt Sie herzlich
Ihr
Hans-Jürgen Jakobs
Senior Editor