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Morning Briefing Das große Abräumen beim DFB

12.05.2021 - 06:00 Uhr Kommentieren

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

der Deutsche Fußball-Bund (DFB) ist ein Zwitter: halb Erwerbsladen, halb Sozialverband. Den Umgang damit bekommen die Verantwortlichen nicht so recht in den Griff. Das ist die tiefere Wahrheit, warum gestern Abend nach einer Präsidiumssitzung die komplette Führungsriege gescheitert ist. Abpfiff: Präsident Fritz Keller, Winzer und Gastronom, will nächsten Montag nach nicht mal 600 Tagen seinen Rücktritt verkünden. Sein Kontrahent, Generalsekretär Friedrich Curtius, hat ebenfalls austaktiert. Vize-Präsident Rainer Koch und Schatzmeister Stephan Osnabrügge treten beim nächsten DFB-Bundestag nicht mehr an, so der Plan.

Dass DFB-Chef Keller seinen Vize Koch mit dem Nazi-Richter Roland Freisler verglich, ist eine letzte Unappetitlichkeit nach etlichen Skandalen, die der DFB eigentlich endlich aufklären wollte. So aber bleibt nichts vom Sturm und Drang Kellers, der in seinen Weinbergen seherisch verkündet hatte: „Für mich ist Neid das größte Gift der Gesellschaft.“ Der DFB setzt auf Neuanfang wie einst China in den 1970er-Jahren – dort war damals die „Vierer-Bande“ entmachtet worden.

Quelle: dpa
Meinungsstark und angriffslustig: FDP-Chef Christian Lindner sucht besonders gern die Konfrontation mit Grünen, SPD und Linkspartei.

Es lief zuletzt prima für die FDP – so gut wie vergessen die Verantwortungsflucht im Herbst 2017. In der Pandemie waren die Liberalen die einzige ernst zu nehmende Opposition. Und in Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein wirkt die Partei effizient in den einzigen realistischen Koalitionsmodellen, die sich im Bund für sie anbieten: „Ampel“ und „Jamaika“. Da ist es schwer, sich im heraufziehenden Bundestagswahlkampf zu profilieren. FDP-Chef Christian Lindner wirkt im Handelsblatt-Interview, als habe er gerade „Capitalism and Freedom“ von Milton Friedman verschlungen. „Die deutsche Wirtschaft ist längst auf dem Weg zu Digitalisierung und Dekarbonisierung“, sagt er, „wir müssen sie nur machen lassen“.

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    Mit 60 Milliarden Euro Entlastung für Firmen will er 120 Milliarden Investitionen entzünden, Steuersenkungen sollen zunächst auf Pump finanziert werden. Grüne, SPD, Linke und auch die Union agieren in Lindners Erzählung als Staatsgläubige, wenig geeignet für den großen Aufbruch in die Zukunft: „Teils verpassen wir Chancen, teils gleicht das Land einem Sanierungsfall.“

    Grafik

    Wenn wir möglicherweise über angebotsorientierte Wirtschaftspolitik reden, wie sie vor 40 Jahren en vogue war, ist es gut zu wissen, welches Angebot von Firmen gemeint ist: das gegenwärtige oder das künftige, bei dem externe Umweltkosten eingerechnet werden und sich alle am neuen Kriterium „Environmental, Social Governance“ orientieren? Klar ist: Das am heutigen Mittwoch verabschiedete neue Klimaschutzgesetz der Merkel-Regierung und weitere Öko-Pläne fordern viel Geld und auch Verzicht. Das schildert unser Titelreport. Berechnungen der Boston Consulting Group (BCG) zeigen, dass...

    • von 2023 keine neuen Öl- und Gasheizungen mehr installiert werden dürften;
    • es im Automarkt bis 2030 „de facto“ zum Ende der Verbrenner bei Neuzulassungen kommen müsste;
    • der Industriesektor seine Emissionsminderungen bis 2030 im Vergleich zu 2010 und 2020 um den Faktor sechs verbessern müsste;
    • der Kohleausstieg bereits 2030 und nicht erst 2038 zu vollziehen wäre.

    Das Fazit der BCG-Klimaexperten ist klar: „Das Land ist aktuell weder kommunikativ noch regulatorisch auf die gravierende Transformation vorbereitet, die nun vor uns liegt.“ Die Generation „Fridays for Future“ hat das in einem Bestsellertitel knapper gefasst: „Ihr habt keinen Plan.“

    In den USA halten viele den Waffenlobby-Klub National Rifle Association (NRA) für so mächtig, als würde er gewissermaßen über dem Gesetz stehen. Das erweist sich als Irrtum. Ein Richter im Northern District of Texas hat nun den Antrag des Verbands auf Insolvenz verworfen. Dieser sei im „bösen Glauben“ erstellt worden, auf diese Weise eine Untersuchung der New Yorker Staatsanwaltschaft vermeiden zu können, so die Begründung.

    Im „Big Apple“ will man nun handfesten Indizien nachgehen, wonach die NRA bei Wohltätigkeitsfonds geschummelt habe. Mit dem Urteil entfällt der geplante Insolvenzschutz für die Lobbyisten in Texas. Der Richter warnte die NRA sogar vor der Eröffnung eines weiteren Insolvenzverfahrens an einem anderen Ort – in diesem Fall würde man die eigenen Bedenken wiederaufnehmen und könnte einen Treuhänder für die Finanzen der Waffenfreunde benennen.

    Eine empfindliche Niederlage muss Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron hinnehmen. In der Nationalversammlung scheiterte er überraschend mit seinem Gesetzentwurf für einen Corona-Gesundheitspass. Ihm fehlten dabei wichtige Stimmen aus dem eigenen Lager – und zwar von den Abgeordneten des Mouvement Démocrate. Dort moniert man, es fehle ein Dialog und am Willen zum Zuhören, deshalb habe die gesamte Fraktion gegen Macron gestimmt.

    Für den düpierten Präsidenten war der abgelehnte Gesundheitspass ein entscheidendes Mittel bei den geplanten Lockerungen in der Pandemie. Offenbar ist das Gesetz aber schlampig vorbereitet worden – und Macrons Macht am Schwinden. Beides ist schlimm, aber Trost kann sich der Mann im Élysée bei Thomas Edison holen: „Ich bin nicht gescheitert – ich habe 10.000 Wege entdeckt, die nicht funktioniert haben.“

    Quelle: dpa
    Hasso Plattner zählt laut dem Magazin „Forbes“ zu den zehn reichsten Deutschen.

    Und dann ist da noch Hasso Plattner, Mitgründer, Aufsichtsratschef und Großaktionär von SAP, der für eine dicke Überraschung sorgt. Seine Stiftung, die Hasso Plattner Foundation, taucht nämlich plötzlich in einem wichtigen Projekt des SAP-Konzerns auf, wie meine Kollegen erfuhren. Dabei handelt es sich um ein Joint Venture mit der Beteiligungsgesellschaft Dediq für das Geschäft mit Finanz-Software. Die Verbindung mit dem Veteranen war unbekannt.

    Nun heißt es, Plattners Stiftung sei einer der „passiven Co-Investoren“, der SAP-Chefaufseher aber nicht persönlich in die Sache involviert. Investoren wie Ingo Speich vom Sparkassen-Fonds Deka sind verschnupft: „Wir sehen es kritisch, dass SAP die Beteiligung von Herrn Plattner nicht gleich offengelegt hat.“ Dieses Geschäft werde im Graubereich bleiben, da die Gründerfigur bei SAP „einen viel tieferen Einblick hat als andere Aktionäre“. Dieser Deal ist, frei nach Shakespeare, wie eine verwickelte Kette: „Nichts zerrissen, aber alles in Unordnung.“

    Ich wünsche Ihnen einen ordentlich erfolgreichen Tag.
    Es grüßt Sie herzlich
    Ihr
    Hans-Jürgen Jakobs
    Senior Editor

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