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Morning Briefing Ernüchterung an der Wall Street

12.06.2020 - 06:00 Uhr Kommentieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wer Aktien hat, wird das Wochenende womöglich mit einem flauen Gefühl beginnen. Zuletzt schienen die Börsen noch entkoppelt von all den Jeremiaden über Covid-19, Rezession und Handelsaggression, wie Raumschiff „Galactica“ schwebend über irdischen Jammertälern. Modell „V“ war eingepreist, der schnelle Aufstieg nach dem schnellen Abstieg. Game over. Gestern brach der US-Leitindex Dow Jones um fast sieben Prozent auf 25.128,17 Punkte ein, der größte Tagesverlust seit März. Zum Aufwachen brachte die Akteure eine Pandemie-Analyse von US-Notenbank-Chef Jerome Powell, wonach ein erheblicher Teil der Jobverluste von Dauer sein könnte. Und dann platzten noch Meldungen hinein, wonach in einigen südlichen Bundesstaaten die Neuinfektionen wieder steigen. Angst vor einer „zweiten Welle“ macht sich breit. Der Dax – minus 4,5 Prozent – ist ebenfalls angesteckt vom Powell-Pessimismus.

Quelle: AFP
US-Finanzminister Steven Mnuchin: „Wir können die Wirtschaft nicht wieder herunterfahren.“
(Foto: AFP)

Bezweifelt werden darf, ob Donald Trumps jüngste exklusive Wahrnehmung, wonach das Virus in den USA bis „auf Glut und Asche“ reduziert wurde, viel Aufschwungsgeist verbreiten wird. Auch seine gewohnt blumigen Wirtschaftsprognosen – „sehr gutes drittes Quartal, ein großartiges viertes Quartal und 2021 eines unserer besten Jahre überhaupt“ – wirken inzwischen wie Ansagen vom Band. Am Dienstag starben wieder knapp 1300 Amerikaner an Covid-19, bei mehr als zwei Millionen Fällen sind jetzt mehr als 112.000 Tote registriert. Finanzminister Steven Mnuchin versichert: „Wir können die Wirtschaft nicht wieder herunterfahren.“ Das würde nur zu noch mehr Schäden führen, nicht nur ökonomischen. Die US-Regierung träumt vom Comeback, das die Börsianer vorerst beendet haben.

Je mehr Deutsche gegen Klimaschäden protestierten, desto stärker stieg im Auto-Fuhrpark des Landes die Beliebtheit emissionsreicher SUVs. Die Zweiundmehr-Tonner versprechen Schutz gegen alle Gefahren von draußen. Am heutigen Freitag aber wird das Bundeskabinett per Gesetz dicken Fahrzeugen zusetzen. Bei Neuzulassungen fällt künftig für sie mehr Kfz-Steuer an. Von einem Anreiz, beim nächsten Autokauf „ohne Verbote und Strafabgabe“ ein ökofreundlicheres Fahrzeug zu wählen, schreibt das Bundesfinanzministerium im Gesetzentwurf. Der Klimaaufschlag liegt bei einem CO2-Ausstoß von mehr als 195 Gramm je Kilometer bei vier Euro. Insgesamt müsste ein Audi Q8 fast 42 Euro im Jahr mehr zahlen, ein Porsche 911 rund 100 Euro mehr. Kritiker aus der FDP fürchten Beeinträchtigungen der boomenden SUV-Industrie, Umweltschützer jedoch halten die Maßnahmen für noch viel zu harmlos.

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    Die Frequenzen wurden vor einem Jahr versteigert. Quelle: dpa
    5G-Antennen in Berlin

    Die Frequenzen wurden vor einem Jahr versteigert.

    (Foto: dpa)

    Beim Echtzeitmobilfunk 5G gilt derzeit das Motto: „Warten auf das Christkind.“ Vor einem Jahr schon wurden die Frequenzen zum Besten der Staatskasse versteigert, doch erst jetzt beginnt nach unserer Analyse die Phase des massiven Ausbaus. Die Deutsche Telekom will demnach bis Jahresende rund 14.500 Mobilfunkstationen für 5G aufrüsten, Vodafone plant mit 3000, Telefónica braucht mehr Zeit – und 1&1 Drillisch aus dem Hause Dommermuth verhandelt noch, sowohl mit Ausrüstern als auch mit Rivalen. Jochen Homann, Präsident der Bundesnetzagentur, erklärt, es liege nun an den Unternehmen, die Frequenzen zu nutzen. Seine Behörde werde „die Umsetzung der Versorgungsauflagen genau überwachen“. Zum Herr der Funklöcher will er sicher nicht werden.

    Eine sehr aufschlussreiche Analyse findet sich weiter hinten in unserer aktuellen Ausgabe in der Rubrik Personalien – mit einer klaren Aussage über deutsche Familienunternehmen. „Bei der Karriere von Frauen haben sie einen blinden Fleck“, sagt Wiebke Ankersen, Mitgeschäftsführerin der Allbright-Stiftung. Es gibt nach ihren Forschungen in den Geschäftsführungen der 100 größten deutschen Familienfirmen nur knapp sieben Prozent Frauen, 30 Frauen sehen sich 406 Männern gegenüber. Positive Ausnahmen sind der Medizintechnikkonzern B. Braun, wo neben CEO Anna Maria Braun noch eine weitere Frau in der Geschäftsführung sitzt, sowie der Trumpf-Konzern, der seit Jahren von Nicola Leibinger-Kammüller geführt wird. Vielleicht sollten mehr Mittelständler bei Karl Kraus nachlesen: „Die Frau ist da, damit der Mann durch sie klug werde.“

    Vieles am Aufstieg der US-Videokonferenzplattform Zoom ist erstaunlich. Zum Beispiel, dass der Kalte Krieg zwischen den Vereinigten Staaten und China dabei keine Rolle zu spielen schien. Denn immerhin hat hier mit Gründer Eric Yuan ein in China ausgebildeter Internet-Experte, der erst 1997 in die USA kam, im Silicon Valley Erfolg. Nun aber bedroht der Fall der in Amerika ansässigen Organisation „Humanitarian China“ das gerade gewonnene Erfolgsimage. Das Zoom-Konto von dessen Gründer Zhou Fengsuo wurde am 7. Juni geschlossen – eine Woche, nachdem über die Plattform 250 Personen virtuell des 31. Jahrestags der Niederschlagung der Tiananmen-Proteste in Peking gedachten. Zunächst hatte Zoom die Sperre in Notarsprache so begründet: „Wenn ein Treffen über verschiedene Länder stattfindet, müssen sich die Teilnehmer in diesen Ländern an die betreffenden örtlichen Gesetze halten.“ Dann bedauerte man – und stellte andere Abläufe in Aussicht, um die Nutzer zu schützen.

    Quelle: Reuters
    Champions League: Real Madrid v Paris St Germain.

    Und dann ist da noch der Profifußball Frankreichs, der nach dem frühen Saisonabbruch nicht mehr auf dem grünen Rasen, sondern am grünen Tisch entschieden wird. Das Hohe Gericht des Conseil d‘Etat hat sich jetzt gegen den Abstieg der Erstligavereine Toulouse und Amiens ausgesprochen. Die Härte der Herunterstufung sei nicht vertretbar, da die beiden Klubs in den noch verbleibenden Spielen den Ligaerhalt hätten sichern können. Abgelehnt wurde dagegen die Klage von Olympique Lyon, das sich nicht mit dem siebten Platz begnügen wollte, durch den die Teilnahme an internationalen Wettbewerben verwehrt wird. Nach dem Urteil muss die Liga von 20 auf 22 Klubs aufgestockt werden – die sich erbittert um die Fernseheinnahmen streiten dürften. Es gilt das alte Branchenmotto, das auch in die deutsche Politik gestürmt ist: „Grau ist alle Theorie, entscheidend ist auf'm Platz.“

    Ich wünsche Ihnen ein erholsames Wochenende. Wenn Sie dabei an Kauf oder Verkauf von Immobilien denken sollten, empfiehlt sich ein Blick in unseren großen Wochenendreport „Trendviertel 2020“.

    Es grüßt Sie herzlich

    Ihr

    Hans-Jürgen Jakobs
    Senior Editor

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