Morning Briefing: Es wäre fatal, die Atomdebatte den Rechtsextremisten zu überlassen
Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,
Die Atomdebatte der 1980er war auch ein Krieg der Aufkleber. An VW-Bussen, Käfern und Enten klebte bevorzugt die lachende Sonne mit dem Slogan „Atomkraft? Nein, Danke“. Limousinen vom Opel Rekord aufwärts konterten mit: „Atomkraftgegner überwintern bei Dunkelheit mit kaltem Hintern.“
Ein Spruch, der auf einmal wieder gruselig aktuell klingt. Deutschland soll nach dem Willen der Ampelverhandler früher als geplant aus der Kohle aussteigen, gleichzeitig geht der Ausbau von Wind- und Solarkraft nicht schnell genug voran. Erdgas ist nicht CO2-frei, zudem von Putins Gnaden. Und die letzten deutschen Atomkraftwerke werden in gut einem Jahr vom Netz gehen. Könnte man angesichts der Klimakrise nicht vielleicht überlegen, die Atomkraftwerke ein bisschen länger… Halt! Wer hier weiterdenkt, verlässt den politisch korrekten Sektor und findet in Deutschland nur noch bei der AfD Unterstützung.
International hingegen nimmt die Atomdebatte gerade richtig Fahrt auf. Vor wenigen Wochen setzten sich zehn EU-Mitgliedstaaten unter der Führung Frankreichs in Brüssel für eine starke Rolle der Kernenergie beim Klimaschutz ein. Ein wichtiger Treiber dieses Trends ist Bill Gates. Für eine Milliarde Dollar baut die von Gates finanzierte Firma Terrapower zusammen mit GE Hitachi im US-Bundesstaat Wyoming einen natriumgekühlten Reaktor.