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Morning Briefing Plus - Die WocheEine Reise, die niemandem egal sein darf

Die Putin-Festspiele in Peking sind ein Symbol des Scheiterns europäischer Chinapolitik. Die gemeinsame Abschlusserklärung liest sich wie ein Dokument aus der Feder von George Orwell.Sebastian Matthes 18.05.2024 - 08:05 Uhr
Handelsblatt-Chefredakteur Sebastian Matthes. Foto: Handelsblatt

Liebe Leserinnen und Leser,

willkommen zurück zu unserem Blick auf die wichtigsten Ereignisse der Woche. Mir lief es kalt den Rücken runter, als ich gestern die Putin-Festspiele verfolgte, die Peking für den russischen Machthaber veranstaltete. Russische Hymne, Salutschüsse … Dieses Treffen ist ein Symbol des Scheiterns europäischer Chinapolitik, die darauf ausgerichtet war, Einfluss auf die Volksrepublik zu nehmen. Emmanuel Macron, Charles Michel, Olaf Scholz: Alle, die glaubten, China mit Gesten der Wertschätzung von der Allianz mit Putin abbringen zu können, sind gescheitert.

Chinas Staatschef Xi Jingping und Russlands Präsident Wladimir Putin Foto: IMAGO/SNA

In einer gemeinsamen Erklärung, die sich wie ein Dokument aus der Feder von George Orwell liest, bekräftigen Xi und Putin, ihre enge Partnerschaft noch ausbauen zu wollen, einschließlich der Fragen „territorialer Integrität“ und „Sicherheit“. Es ist die Umwertung aller Werte und Normen der internationalen Politik. Ziel sei es, Washingtons „destruktivem und feindseligem Kurs“ entgegenzuwirken.

Den USA werfen die beiden Autokraten vor, mit „hegemonialem Verhalten” die strategische Stabilität der Welt zu gefährden, was vor dem Hintergrund des russischen Angriffskriegs an Zynismus kaum zu überbieten ist.

Kaum übersehbar war dabei das Signal, dass Putin seinen neuen Verteidigungsminister mit nach Peking brachte. Brisant ist vor diesem Hintergrund auch, dass Putin und Xi gemeinsam auch das Harbin Institute of Technology besuchen, schreibt meine Kollegin Dana Heide. Die Forschungseinrichtung gehört zu den sogenannten „Sieben Söhnen der Landesverteidigung“, die dem Ministerium für Industrie und Informationstechnologie unterstellt sind und auf hohem Niveau Forschung für das chinesische Militär betreiben. Es sind Bilder, die Historiker in ein paar Jahren womöglich als den Beginn eines neuen kalten Krieges bewerten werden.

Sabine Gusbeth und Martin Benninghoff werden die Lage für Sie das ganze Wochenende über covern.

Vor einigen Wochen hatte ich hier im Newsletter um Feedback zu unserer Auslandsberichterstattung gebeten. Darauf gab es zahlreiche Anregungen, für die ich mich sehr herzlich bedanken möchte. Häufigste Antwort übrigens: Macht mehr über Asien! Wir müssen diese dynamische Region besser verstehen.

Sebastian Matthes und Nicole Bastian, Ressortleiterin Ausland, beim Handelsblatt Korrespondentenabend 2024  Foto: Max Brunnert

Dazu kann ich sagen: Genau das werden wir tun. Meine Kollegin Nicole Bastian ist gerade dabei, unsere Asien-Berichterstattung deutlich auszubauen, mit neuen Formaten, neuen Köpfen und neuen Kolleginnen und Kollegen aus der – wie ich finde – spannendsten Region der Welt. Geben Sie uns noch ein paar Wochen Zeit, dann kann ich Ihnen die Details verraten.

Was uns diese Woche sonst noch beschäftigt hat:

1. Ausgerechnet in dieser aufgeheizten Stimmung zwischen den USA und China verhängt US-Präsident Joe Biden Strafzölle auf chinesische Importe. Vor allem betroffen: E-Autos, Solarzellen und Halbleiter. Es ist die Verzweiflungstat eines US-Präsidenten, dessen Wirtschaftspolitik zwar Schlagzeilen macht, aber seine Wählerschaft nicht erreicht. Was die USA den Chinesen konkret vorwerfen lesen Sie hier. Mit ihrer Abschottungspolitik setzen die USA nun auch Europa unter Zugzwang. Denn ab sofort werden noch mehr billige Maschinen, Windturbinen und E-Autos aus der chinesischen Überproduktion Richtung Europa verschifft. Den Europäern droht ein China-Schock.

2. „Ich muss das hier nicht machen", platzte es neulich aus Verteidigungsminister Boris Pistorius heraus. Es ist ein Ausdruck des Frusts eines Ministers, der für die Zeitenwende steht, deren finanzielle Konsequenzen die Bundesregierung nicht wirklich tragen will. Dabei fehlt dem Verteidigungsminister zunehmend der Rückhalt des Kanzlers, analysieren Martin Greive und Frank Specht.

Verteidigungsminister Boris Pistorius und Bundeskanzler Olaf Scholz Foto: IMAGO/NurPhoto

3. Auch die jüngsten Wachstumszahlen der deutschen Wirtschaft sind mies, ebenso das Urteil der Wirtschaftsweisen zur Ampel-Politik. Das weiß man irgendwie, dachten wir uns. Deshalb haben wir diese Woche eine ganz andere Frage gestellt: In welchen Feldern gehört die deutsche Wirtschaft eigentlich noch zur Weltspitze? Dafür haben sich die Ökonomen des Prognos-Instituts die wichtigsten Branchen der deutschen Wirtschaft angeschaut. Und das Ergebnis macht nicht nur Mut – es ist auch durchaus überraschend.

In einigen Branchen steht Deutschland noch an der Spitze. Foto: Michael Pleesz

4. Mir ist aus der vergangenen Woche vor allem ein Satz in Erinnerung geblieben: „Verhandlungen mit der EU sind wie ein Fußballspiel, bei dem dauernd die Regeln geändert und die Tore verstellt werden." Das sagte der indonesische Wirtschaftsminister Airlangga Hartarto in einem bemerkenswerten Handelsblatt-Interview. Mit ihm sprachen wir über ein Freihandelsabkommen mit der EU, den Aufstieg seines Landes – und wie die deutsche Autoindustrie davon profitieren könnte.

5. Diese Exklusivgeschichte des Handelsblatts hat hohe Wellen geschlagen: Mercedes-Benz stoppt die Entwicklung seiner Elektroplattform „MB.EA-Large“. Der Grund: hohe Kosten und geringe Nachfrage nach Luxus-Elektroautos. Nun muss der Autobauer sparen. Wie Konzernchef Ola Källenius seine Strategie ändert, hat Franz Hubik recherchiert.

6. Immer wieder diskutieren wir in unserer Redaktionskonferenz die Frage: Wie geht es eigentlich Bosch wirklich? Die Antwort liefert diese Woche Martin Buchenau in einem aufwendig recherchierten Report. Er schildert, wie schwer sich der Stiftungskonzern mit der Transformation tut, welche Abteilungen besonders in Schwierigkeiten sind – und welche Strategie das Unternehmen für seine Zukunft verfolgt. Der Text ist auch ein Lehrstück für diejenigen, die etwas über die Hindernisse von Transformationen lernen wollen.  

Der Umbruch zur Elektromobilität setzt das Stiftungsunternehmen unter großen Druck. Foto: Bloomberg, Bosch, Picture Alliance

7. Kein Artikel des Handelsblatts war bei Handelsblatt-Abonnenten übrigens so beliebt wie diese Analyse, die beschreibt, wie Warren Buffett gerade das Aktienportfolio von Berkshire Hathaway umgeschichtet hat. Der Investor hat gleich zwei bekannte Aktien komplett verkauft und einen Favoriten deutlich gestutzt. Gleichzeitig lüftet er nach sechs Monaten ein Geheimnis,  analysiert Andreas Neuhaus.

Warren Buffett ist der Vorsitzende von Berkshire Hathaway. Foto: dpa

8. Mein Kollege Alexander Busch hat sich auf eine gefährliche Reise begeben: Er hat an einem Verkehrsknotenpunkt des Drogengeschäfts im Amazonasgebiet recherchiert, wo Drogen umgeschlagen werden, die immer öfter auch nach Europa kommen. Die Kartelle nutzen den Amazonas für den Schmuggel und zerstören gleichzeitig den Regenwald, weil sie Gold schürfen und dafür große Flächen Wald vernichten. Der Einfluss der Drogenmafia wirkt damit wie ein Brandbeschleuniger bei der Vernichtung des Regenwalds.

9. „Google übernimmt das Googeln für Sie“, sagte Google-Chef Sundar Pichai diese Woche auf der Entwicklerkonferenz I/O in Mountain View. Der Konzern will dafür eine Künstliche Intelligenz in seine Suchmaschine integrieren, die Nutzern umfassendere Antworten auf ihre Fragen liefern (gefolgt von einer Liste klassischer Links). 

Ich wünsche Ihnen ein erholsames Wochenende.

Herzliche Grüße,

Ihr
Sebastian Matthes

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PS: Es gibt etwas zu feiern! Martin Greive und das Handelsblatt-Rechercheteam Catiana Krapp, Moritz Koch, Mareike Müller, Julian Olk und Klaus Stratmann haben im Dezember 2023 eine bemerkenswerte Recherche veröffentlicht: Darin ging es um einen geheimen Angriff Russlands auf die deutsche Wirtschaft, eine dramatische Rettungsaktion und das mutige Handeln von zwei russischen Whistleblowern, die ihr Leben riskierten, um einen Energiekollaps im Zentrum Europas zu verhindern. Dafür wurden sie nun mit dem Herbert Quandt Medien-Preis ausgezeichnet. Die Johanna-Quandt-Stiftung lobt die Reportage für ihre schnelle und präzise Nachzeichnung der Arbeit des damals eilig gegründeten Krisenstabs im Wirtschaftsministerium. Mehr noch: Sie „analysiert klar, wie Deutschland in diese Situation geraten konnte, und verweist auf vergleichbare Abhängigkeiten beim Ausbau der 5G-Infrastruktur“. Herzlichen Glückwunsch an das gesamte Team!

Martin Greives Recherche „Russendisco" wurde mit dem Herbert Quandt Medien-Preis ausgezeichnet.  Foto: Sascha Baumann / all4foto.de
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