Renault Espace im Handelsblatt-Test: Der elegante Traum vom Raum
Im Vergleich zum Vorgängermodell geizt Renault beim 2015er Espace nicht mit Chromzierleisten, die die sportlichen Linien des Crossover-Familienlasters betonen und ihn als edlen Hingucker erscheinen lassen. Mit dem kastigen Design von früher hat die aktuellste Baureihe nicht mehr allzu viel gemein. Gut so.
Foto: Florian HückelheimDüsseldorf. Große Vans sind ein Fall für Spezialisten. In der Zulassungsstatistik spielen sie nur eine Nebenrolle. Wer mehr als drei Kinder hat und regelmäßig XXL-Sperrgut oder seinen Kegelclub transportiert, wird die meist siebensitzigen Lademeister aber zu schätzen wissen. VW hat für diese Zielgruppe gerade erst den Touran überarbeitet, BMW stürzt sich mit dem großen Active Tourer in die Schlacht um Marktanteile und Renault unterbreitet mit dem neuen Espace das wahrscheinlich innovativste, modischste und exotischste Angebot.
Nicht ohne Stolz verweisen die Franzosen darauf, bereits 1984 die bis dahin eher in den USA beliebten Vans für Europa quasi neu erfunden zu haben. Schon damals hießen sie Espace und punkteten mit viel Nutzwert, aber der Erfolg der kastigen Raum-Fahrzeuge blieb immer bescheiden. Bevor unser Testwagen im Mai 2015 auf den deutschen Markt kam, konnten vier Espace-Generationen rund 1,2 Millionen Käufer locken. Zuletzt aber mit deutlich nachlassender Tendenz: SUV laufen ihnen den Rang ab.
Grund genug also für Renault, bei der aktuell fünften Espace-Auflage wirklich alle Register zu ziehen, aufs Luxus-Segment zu schauen und auch ein bisschen bei den Bestseller-SUV abzugucken. Heraus kam eine Karosserie, die ein echter Hingucker ist.
Die 4,86 Meter Länge, 1,89er Breite und 1,68 Höhe sind zwar Kingsize-Format, wirken aber dank ruhiger Linienführung und flacher Fensterlinie eher langgestreckt wie ein hoher Kombi, nicht so massig wie etliche SUV-Modelle in ähnlicher Größe. Gleichzeitig folgt man dem Trend zu fast übergroßen, auffälligen Rädern. Wer sich dem Espace zum ersten Mal nähert, hat allerdings auch den Eindruck, als würde nicht mehr ganz so viel hineinpassen, wie in manchen Vorgänger.
Renault hat den Espace zum Start der fünften Generation grundlegend verändert: Aus dem großen Familien-Transporter wurde eine Art Mischung aus Van, SUV und Limousine.
Foto: Frank G. HeideMaterialien und Verarbeitung sind auf hohem Niveau. Nimmt man Platz, fällt die völlig ungewöhnliche Konstruktion der breiten Mittelkonsole auf und die Form des Schalthebels. Der liegt in der Hand wie ein Schubregler.
Foto: Florian Hückelheim2040 Liter gehen in den Espace mit umgelegten Sitzen hinein. Bei drei aufgerichteten Sitzreihen schrumpft das Volumen auf 247 Liter; ist die dritte Reihe versenkt, stehen stattliche 680 Liter zur Verfügung. Ein Fahrrad schluckt der Espace spielerisch, auch wenn er sechs Zentimeter flacher ist als sein Vorgänger.
Foto: Florian HückelheimIst der jetzt flacher und kleiner geworden? Oder länger und breiter? Wie auch immer: Der Van ist ein Eyecatcher, der sich stilistisch als Exot von der Masse abhebt.
Foto: Frank G. HeideDer Kollege freut sich: Die Sonne scheint, der Van rollt, die Luft wird gefiltert und ihm gerade der Rücken massiert.
Foto: Frank G. HeideWer auf "All" drückt, erlebt, wie gleichzeitig bis zu fünf Sitze wegklappen und eine riesige, komplett ebene Ladefläche hinterlassen. Die weiteren Schalter ermöglichen einzelnes umlegen. Schade, dass sie sich nicht auf Knopfdruck auch wieder aufstellen.
Foto: Florian HückelheimSchnörkellos designt, einfach geschaltet: Der Fahrstufenwähler kommt im Espace ohne Entriegelungstaste aus. Wer in den Rückwärtsgang schalten will, drückt den Wahlhebel nach vorne und nach links; ein Signalton bestätigt den Richtungswechsel. Manuelles Hoch- oder Herunterschalten funktioniert während der Fahrt mit simplem Antippen des Hebels in seiner Grundposition.
Foto: Florian HückelheimEs werde LED-Licht: Bereits in der kleinsten Ausstattungsvariante des Espace sind die „LED Pure Vision“-Scheinwerfer mit an Bord. Auch das Tagfahrlicht kommt als LED-Band daher.
Foto: Florian HückelheimInsgesamt 30 Liter Stauraum bietet der Espace in mehr oder minder großen Ablagen im gesamten Fahrzeug. Allein das Handschuhfach, das auf Knopfdruck wie eine Schublade öffnet und dabei meistens am Beifahrerknie anschlägt, fasst 12 Liter und bietet Platz für einen ganzen Stapel DinA4-Blätter.
Foto: Florian HückelheimNeben den vielfach elektronisch verstellbaren Sitzen bietet der große Franzose seinem Fahrer eine Massagefunktion (Edelstahltaste). Zur Wahl stehen die Programme „Entspannend“, „kräftigend“ oder „Lenden“, womit die Lendenwirbel gemeint sind. Intensität und Geschwindigkeit der jeweiligen Massagen lassen sich per Bordcomputer zusätzlich regulieren. Gut zehn Minuten dauert eine Massage. Mit erneutem Knopfdruck geht es in die Verlängerung – auf längeren Autobahnetappen häufiger.
Foto: Florian HückelheimDie Seiten- und Wankneigung zeigt es, schnelle Kurven sind nicht das bevorzugte Revier. Auf Langstrecke und Autobahn ist der Espace aber ein treuer Begleiter.
Foto: Frank G. HeideDie große Klappe ist ein Problem, weil sie zwar automatisch öffnet, auf Wunsch auch per Knopfdruck vom Fahrersitz aus. Aber dann schwingt sie für die Tiefgaragendecke vielleicht zu hoch auf, oder für großgewachsene Fahrer zu niedrig. In beiden Fällen droht Beulenpest. Ein Problem, das z.B. Opel, Tesla und Subaru schon lange gelöst haben, mit einstellbarem Öffnungswinkel.
Foto: Florian HückelheimDas große Touchscreen-Display des Multimedia-Infotainments bietet mehr Informationen, Menüebenen und Funktionen, als man mit einem flüchtigen, geschweige denn intuitiven Ausprobieren erfassen kann.
Foto: Florian HückelheimWer seinen Mitnehmbecher in den schwach grün ausgeleuchteten Cupholder eine Etage unter dem Schalthebel gezwängt hat, wird Probleme haben, ihn dort während der Fahrt wieder hinauszubekommen. Man braucht schon geschmeidige Gelenke. Merke: Gutes Design sollte sich an der Funktion orientieren.
Foto: PRCD ade: USB-Anschlüsse, Bluetooth, ein SD-Speicherkarten-Schacht und eine AUX-in-Buchse sorgen bei entsprechender Quelle für mehr Musik als eine Autofahrt verkraftet. Die Zeiten von CD-Radios sind im Espace gezählt. Werden die Anschlüsse und das zugehörige Ablagefach nicht gebraucht, verschwindet alles unter einer leichtgängigen Schiebeabdeckung. Kleines Manko: Große Smartphones haben in diesem Fach keinen Platz, da schon ein aktuelles iPhone dafür zu breit ist.
Foto: Florian HückelheimIm Fond des Espace haben die Passagiere viel Beinfreiheit und sitzen im Vergleich zur vorderen Sitzreihe etwas erhöht.
Foto: Florian HückelheimDie „Multi-Sense“ genannte Fahrdynamikregelung kommt mit optischen Spielereien daher: Je nach Profilwahl färben sich das LED-Band in der Mittelkonsole und die übrigen LED-Lampen an der B- und C-Säule rot, grün, weiß oder blau. Individualisten können ihren Sportmodus auch in violett erstrahlen lassen. Auf dem großen Touchscreen-Display machen animierte Lichtstreifen den Espace dann schon im Stehen schnell.
Foto: Florian HückelheimAus freundlichem Grün wird im Sportmodus strahlendes Rot. Gestalterisch, sagen wir, interessant: Die digitale Öltemperaturanzeige und Tankuhr links und rechts vom Zentraldisplay sind großzügig dimensioniert, aber fast ohne weitere Funktionen. Alle übrigen Icons wandern in die Mitte – zulasten der Übersichtlichkeit. Wer das Gasdpedal bis zum Anschlag durchtritt, erlebt, dass die Automatik das Drehzahlband dann bis zum roten Bereich schamlos ausnutzt. So ist man trotz eines Leergewichts von fast 1700 Kilogramm (inkl. Fahrer) einigermaßen zügig unterwegs.
Foto: Florian HückelheimSymbole, die man nicht lesen kann, und Schalter, die das Lenkrad verdeckt. Manche Bedienelemente sind einfach nicht am optimalen Platz.
Foto: Frank G. HeideIm Vergleich zum Vorgängermodell geizt Renault beim 2015er Espace nicht mit Chromzierleisten, die die sportlichen Linien des Crossover-Familienlasters betonen und ihn als edlen Hingucker erscheinen lassen. Mit dem kastigen Design von früher hat die aktuellste Baureihe nicht mehr allzu viel gemein. Gut so.
Foto: Florian HückelheimUngewöhnlich, wenn auch nicht so gelungen, wie andere Designelemente: Einer der Anschnallgurte für die insgesamt fünf hinteren Plätze kommt von oben.
Foto: Frank G. HeideMan muss kein Yogakünstler sein: Sogar der Zutritt in die dritte Reihe fällt komfortabel aus.
Foto: Frank G. HeideIm Euro-NCAP-Crashtest schnitt der Espace mit der Bestbewertung von fünf Sternen ab. Unter den neuen verschärften Bedingungen reichte es beim Insassenschutz für Einzelwertungen von 80 Prozent (Erwachsene) bzw. 89 Prozent (Kinder) der möglichen Punkte, beim Fußgängerschutz 70 Prozent und 80 Prozent bei der Ausstattung mit Sicherheitsassistenzsystemen.
Foto: Florian Hückelheim
Öffnen wir die Türen, sehen wir einen futuristisch-luxuriös wirkenden Innenraum mit Lounge-Charakter. Und werden von sanften Flötentönen empfangen, die elektronisch variieren und dezent aufsteigend ganz freundlich auffordern: „Möchten Sie sich vielleicht anschnallen, Monsieur, s'il vous plait?“
Man kennt das von Citroen, auch da verfehlt es seine Wirkung nicht. Im Vergleich zur Panflöte wirken die üblichen aufdringlichen Warn- und Piepgeräusche anderer Hersteller wie ein gebrüllter Befehl: „Anschnallen, aber sofort!“
Entspannt nehmen wir Platz in üppig bemessenen Sitzen und genießen den Blick aus einer serienmäßigen Panorama-Windschutzscheibe, die diesen Namen wirklich verdient, weil sie sich zwischen filigranen Säulen über unseren hohen Haaransatz hinausstreckt.
Zwar können wir beim Blick voraus die Front des Fahrzeugs nur grob irgendwo in der Ferne erahnen, aber noch stört uns das wenig.
Wir blicken lieber auf die futuristisch unterteilte Mittelkonsole, bestaunen ein durch wechselndes Ambientelicht umrahmtes großes Touchscreen-Display, blicken durch zusätzliche Dreiecksfenster vor den Seitenscheiben auf die Außenspiegel und zählen in der Fahrzeugmitte drei verschiebbare Einzelsitze, hinter denen nicht nur 680 Liter Basis-Kofferraum liegen.
Aus seinem Boden wachsen (gegen Aufpreis) und per Knopfdruck zwei zusätzliche Sitze, die man – ebenso wie die mittleren – per Schalter blitzschnell wieder verschwinden lässt. Dann entsteht ein vorbildlich ebener 2,1-Kubikmeter-Laderaum in den wir bis zu 738 Kilo einladen können. Und wer mag, kann auch noch bis zu 2.000 Kilo hinten anhängen.
Schnörkellos designt, einfach geschaltet: Der Fahrstufenwähler kommt im Espace ohne Entriegelungstaste aus. Wer in den Rückwärtsgang schalten will, drückt den Wahlhebel nach vorne und nach links; ein Signalton bestätigt den Richtungswechsel. Manuelles Hoch- oder Herunterschalten funktioniert während der Fahrt mit simplem Antippen des Hebels in seiner Grundposition.
Foto: Florian HückelheimDas sind nahezu Kleintransporter-Dimensionen, die jeden Umzug und jeden Familienausflug zum Vergnügen machen. Und doch sieht das Gesamtpaket kein bisschen nach schnödem Nutzwert aus, denn die Innenausstattung ist überwiegend feines dunkelbraunes Nappaleder und Tageslicht fällt von oben aus gleich zwei Glasdächern. Dieser Espace hat wirklich was von einem Raumkreuzer.
Der futuristische Aspekt des französischen Designs wird aber leider auch dadurch unterstrichen, dass uns in puncto Bedienung vieles einfach nur ungewohnt, quasi zwanghaft anders als bei allen anderen vorkommt, und nicht unbedingt ausgereift wirkt.
2040 Liter gehen in den Espace mit umgelegten Sitzen hinein. Bei drei aufgerichteten Sitzreihen schrumpft das Volumen auf 247 Liter; ist die dritte Reihe versenkt, stehen stattliche 680 Liter zur Verfügung. Ein Fahrrad schluckt der Espace spielerisch, auch wenn er sechs Zentimeter flacher ist als sein Vorgänger.
Foto: Florian Hückelheim
So öffnet der Beifahrer vor sich auf Knopfdruck kein klassisches Handschuhfach, sondern eine richtig große Schublade, die schnurgerade unter dem riesigen Armaturenbrett herausfährt. Das wirkt modern und ungewöhnlich, bis sie vor die Knie stößt, und manuell wieder zurückgeschoben werden muss. Gut ist andererseits, dass man von oben hineinblicken kann, es keine dunklen Ecken mit vertrocknenden Labellos und Uralt-Laktritzen mehr geben muss.
Auf die Lernfähigkeit Renaults für den Espace-Facelift vertrauen wir auch bei der zu breiten Mittelkonsole, die den Fußraum und die Sitzbreite besonders für große Insassen unnötig einengt. Sie ist in zwei übereinanderliegende Ebenen unterteilt, was toll aussieht. Und sie ist komplett unpraktisch für Kaffeetrinker, die nicht wissen, wie sie den Cupholder in der unteren Ebene erreichen sollen, ohne sich den Arm zu verrenken und ein Heißgetränkpfütze zu hinterlassen. Pardon, liebe Renault-Designer, aber Design ohne Funktion, das bringt im Alltag nichts.
Besser gelungen sind die Instrumente und Bedienung des Touchscreens sowie (De-)Aktivierung einer ganzen Armada von Assistenz- und Sicherheitssystemen, die zum großen Teil schon in der Serienausstattung enthalten sind (z.B. 8,7-Zoll-Touchscreen, Navi, Zweizonen-Klimaautomatik, Einparkhilfe, Licht- und Regensensor, Voll-LED-Scheinwerfer).
Insgesamt 30 Liter Stauraum bietet der Espace in mehr oder minder großen Ablagen im gesamten Fahrzeug. Allein das Handschuhfach, das auf Knopfdruck wie eine Schublade öffnet und dabei meistens am Beifahrerknie anschlägt, fasst 12 Liter und bietet Platz für einen ganzen Stapel DinA4-Blätter.
Foto: Florian HückelheimDie große Skala vor dem Fahrer zeigt entweder die Drehzahl und dazu digital das Tempo, oder sie erscheint als Zeigertacho ohne Drehzahlmesser. Die besser ausgestatteten Versionen informieren über die gefahrene und die aktuell zulässige Geschwindigkeit, zeigen einen Sicherheitsabstands-Warner und Navi-Pfeile im (optionalen) Head-up-Display.
Das empfehlenswerte HUD klappt allerdings als verstellbare Plastikscheibe hoch, auf die die Informationen halbtransparent projiziert werden. Wir hätten ein echtes HUD mit Projektion auf die Windschutzscheibe für die aufgerufenen 850 Euro Aufpreis angemessener gefunden.
Eine nette Spielerei: In verschiedenen Fahrmodi wird mit den Instrumenten auch deren Beleuchtung samt Ambientelicht auf verschiedene Farben umgeschaltet, rot steht für Sport, grün für sparsam.
Wer sich für das Topmodell ‘Initiale Paris’ entscheidet bekommt zudem verstellbare Stoßdämpfer und sogar Allradlenkung. Die Hinterräder lenken bei niedrigen Geschwindigkeiten entgegen den vorderen mit, sie verkleinern so den Wendekreis. Bei höherem Tempo lenken sie gleich mit den Vorderrädern und lassen den fast fünf Meter langen Espace ein wenig agiler wirken.
Wer auf "All" drückt, erlebt, wie gleichzeitig bis zu fünf Sitze wegklappen und eine riesige, komplett ebene Ladefläche hinterlassen. Die weiteren Schalter ermöglichen einzelnes umlegen. Schade, dass sie sich nicht auf Knopfdruck auch wieder aufstellen.
Foto: Florian HückelheimDas Doppelkupplungsgetriebe - mit je nach Motorversion sechs oder sieben Gängen - erledigt seine Arbeit in der Stadt äußerst unauffällig. Kleine Gasstöße, etwa beim Spurwechsel, nimmt unser Benziner-Testwagen mit Turbo-Zwangsbeatmung mit kleiner Verzögerung an und quittiert sie mit einem sanften Satz nach vorn. Neben den kurz übersetzten Fahrstufen kommt dem Fahrverhalten entgegen, dass das maximale Drehmoment von 260 Newtonmetern bereits bei 2.500 Touren anliegt.
Restwertprognosen im Vergleich von Bähr & Fess Forecasts:
Auf der Autobahn bewegt sich der Espace beim entspannten Gleiten nahe der Richtgeschwindigkeit in ähnlichen Drehzahlsphären, sodass ein Zwischenspurt auf der linken Spur kein Tabu ist. Klar wird ab Tempo 160 aber auch: Der große Franzose ist mit seinem Radstand von 2,88 Meter eben ein Komfortmobil, kein Tempojäger – selbst wenn dynamische Illustrationsstreifen im Sportmodus ein anderes Bild vermitteln wollen und die Automatik den Motor bis haarscharf vor den roten Bereich hochdrehen lässt, ehe sie spürbar ruckend den Gang wechselt.
Es werde LED-Licht: Bereits in der kleinsten Ausstattungsvariante des Espace sind die „LED Pure Vision“-Scheinwerfer mit an Bord. Auch das Tagfahrlicht kommt als LED-Band daher.
Foto: Florian Hückelheim
Schluss ist irgendwann bei Tempo 211 (Werksangabe); der Tacho nähert sich dann schon auffällig der 230er Marke. Da auch schnelle Lastwechsel so gar nicht die Domäne des reisetaugleichen Siebensitzers sind, rollen wir lieber gemütlich dahin, getragen wie auf einer Sänfte.
Aus den Lautsprechern perlt Dave Brubeck und wir geben uns gerade noch der ausgezeichneten Massagefunktion im Fahrersitz hin, als es plötzlich an den Füßen zieht. Jetzt ist Schluss mit loungen, es beginnt das rückmeldungsfreie Tippen auf dem Touchscreen, denn nicht alle Funktionen für die Lüftung sind über Tasten erreichbar. Unser Zeigefinger findet aber bald die richtige Einstellung und darf wieder das etwas zu glatte Lederlenkrad führen.
Die „Multi-Sense“ genannte Fahrdynamikregelung kommt mit optischen Spielereien daher: Je nach Profilwahl färben sich das LED-Band in der Mittelkonsole und die übrigen LED-Lampen an der B- und C-Säule rot, grün, weiß oder blau. Individualisten können ihren Sportmodus auch in violett erstrahlen lassen. Auf dem großen Touchscreen-Display machen animierte Lichtstreifen den Espace dann schon im Stehen schnell.
Foto: Florian HückelheimWoran unser Blick zwischendurch hängen blieb, war die Option „Luftüberwachung“. Hatten wir ein Radar auf dem Dach übersehen? Brauchen wir eine Landeerlaubnis? Mit etwas mehr als 1,6 Tonnen ist der Espace immerhin so schwer wie zwei Kleinflugzeuge á la Cessna 172.
Nein, was etwas unglücklich übersetzt daherkommt, ist die Überwachung der Luftqualität, die die Klimaanlage filtert. Und die ist, so sagt das System, um uns herum gerade sehr verschmutzt.
Da Renault uns vor Feinstaub bewahren möchte, hat man einen Desodorierungszyklus eingebaut. Wir erinnern uns an den Parfümflakon im Handschuhfach der Mercedes-S-Klasse und fühlen uns direkt ein bisschen befördert.
Innerhalb weniger Minuten soll der gesamte Innenraum, so das Konzept, mit aktivkohlegereinigter Außenluft durchspült werden. Und tatsächlich, es funktioniert. Einmal Fensteröffnen während der Fahrt tut es aber auch. Und wenn auf den hinteren Plätzen Baguettes mit Zwiebelwurst verdrückt werden, ist die alte Methode auch die schnellere.
Noch ein Wort zum Preis: In der Basisausstattung punktet der Espace mit mehr Extras als alle anderen Konkurrenten. Wer einfach nur sieben Sitze und viel Stauraum sucht, ohne Anspruch an Design und Exotik, der wird sich auch die Konkurrenten wie den Grand Tourer von BMW, den Ford Galaxy und den VW Sharan anschauen müssen. Zumal es schnell teuer wird, wenn man über die Basisversion Life mit dem kleinen Dieselmotor hinausgeht.
Die Ausstattungen Intens und Initiale Paris verwöhnen zwar mit Textilledersitzen, Notbremsassistent, Spurhalte-Warner, Abstandwarner oder Verkehrszeichenerkennung. In der Topausstattung wie im Testwagen schwelgt man gar in Nappaleder, Bose-Surround-Sound, vielfach verstellbaren Massage-Sitzen, adaptivem Fahrwerk und Allradlenkung. Unter 44.500 Euro geht dann aber nichts. Adaptiver Geschwindigkeitsregler, Head-up-Display, großes Panorama-Glasdach und andere Extras, wie sie auf unseren Bildern zu sehen sind, schieben den Espace über die 50.000-Euro-Schwelle.
Fazit: Fünf Generationen Espace, und noch immer passt das Fahrzeug in keine gängige Schublade. Ordneten Autotests die Erstausgabe von 1984 noch ungerechterweise bei Kleinbussen ein, so bedient man 2015 eine anspruchsvolle Zielgruppe mit einem modischen Crossover aus Luxus und SUV. Auf exotische Art nutzwertig ist der neue Espace, aber im Vergleich zur Konkurrenz kein Schnäppchen, das waren auch seine Vorgänger nie.
Bei den Assistenz- und Sicherheitssystemen liegt Renault auf der Höhe der Zeit, in Sachen Fahrdynamik liegt man wie immer auf der komfortablen Seite. Beim Design und der Bedienung macht man aber offenbar vieles anders, nur um es anders zu machen. Was nicht unbedingt besser bedeutet. Das ist sehr modern, sehr selbstbewusst, typisch französisch.