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Coronakrise Das Homeoffice stellt die Weiterbildung von Personal vor Herausforderungen

Vielen Unternehmen fehlen Geld und Know-how für die digitale Weiterbildung, zeigt eine Studie im Auftrag des Stifterverbands. Er fordert nun mehr Hilfe von der Politik.
07.12.2020 - 11:18 Uhr Kommentieren
Die Digitalisierung in der Krise verändert auch die Weiterbildung von Personal. Stifterverband und McKinsey fordern langfristige Strategien. Quelle: dpa
Homeoffice in der Krise

Die Digitalisierung in der Krise verändert auch die Weiterbildung von Personal. Stifterverband und McKinsey fordern langfristige Strategien.

(Foto: dpa)

Berlin Die Corona-Pandemie hat in den Unternehmen einen gewaltigen Schub bei der Digitalisierung der Weiterbildung angestoßen. Vor Beginn der Pandemie standen 35 Prozent der Angebote digital zur Verfügung. Heute sind es 54 Prozent, zeigt eine Studie von Stifterverband und McKinsey, die dem Handelsblatt vorliegt.

Vier von zehn Unternehmen achten demnach seit dem Ausbruch der Pandemie verstärkt auf Qualifizierung. Die Wirtschaft hat also schnell auf die neue (Not-)Lage reagiert. Doch zugleich fehlt vielen Betrieben das Geld für die derzeit dringende Weiterbildung.

In jedem fünften Unternehmen sind die Qualifizierungsbudgets gesunken. Bei der Hälfte stagniert es trotz der zusätzlichen Herausforderung. Zudem herrscht in vielen Unternehmen Verwirrung, welche Fähigkeiten ihre Mitarbeiter bereits haben – und künftig brauchen. Nur 40 Prozent gaben an, davon „ein klares Bild“ zu haben.

Stifterverband und McKinsey fordern daher mehr Hilfe von der Politik. Der Bund müsse die Kurzarbeit und Qualifizierung noch stärker verknüpfen und zudem den Zugang zu Mitteln nach dem Qualifizierungschancengesetz erleichtern.

Auch müssten die Regeln für die steuerliche Absetzbarkeit des Homeoffice und des Kaufs privater Computer für die Arbeit und Qualifizierung zu Hause an die neue Lage angepasst werden. Schließlich arbeitet die Mehrzahl der Mitarbeiter mit eigenen Geräten. Nur 38 Prozent der Unternehmen gaben an, ihre Mitarbeiter mit den nötigen Geräten für Arbeit oder Lernen zu Hause auszustatten.

„Nachdem die Unternehmen während der Krise gut reagiert haben, benötigen sie nun langfristige Strategien, die auf die strategischen Unternehmensziele abgestimmt sind“, sagt Volker Meyer-Guckel, Vizegeneralsekretär des Stifterverbandes. „Egal wo – ob im Einzelhandel, in der Logistik oder im Handwerk –, fast alle Berufe werden künftig digital geprägt sein. Das heißt, Future-Skills-Kompetenzen müssen in großem Maße ausgebildet werden.“

Defizite gibt es auch bei der Wirksamkeit

Hilfestellung muss daneben auch von Wirtschaftsverbänden und Sozialpartnern kommen – passend zum Bedarf der jeweiligen Branche, fordern Stifterverband und McKinsey. Denn „vor allem für kleine und mittelständische Unternehmen ist es eine große Herausforderung, den konkreten Kompetenzbedarf zu benennen“, sagt McKinsey-Partnerin Julia Klier.

Dabei sind die Herausforderungen mit Homeoffice ungleich größer, meint Heike Eckert, Vorstandsmitglied der Deutschen Börse AG: „Um auch über Distanz im virtuellen Raum effizient arbeiten zu können, bedarf es eines stärkeren Austauschs – etwa durch tägliche statt wöchentliche Teammeetings.“

Für die Qualifizierung reiche es auch nicht, „alte, auf Präsenz konzipierte Qualifizierungsprogramme nur anzupassen – Trainings müssen neu gedacht und an die digitale Welt angepasst werden“. Zudem gelte es, „in der Unternehmenslernkultur zu verankern, dass Mitarbeiter für ihre eigene Qualifizierung mitverantwortlich sind“, sagt Eckert.

Große Defizite gibt es nach der Umfrage auch bei der Überprüfung, was eine Qualifizierung überhaupt bringt: Nur 30 Prozent der Unternehmen evaluieren die Wirksamkeit. Oft fehlen Messsysteme und Zertifizierungen. Und nur 36 Prozent überprüfen nach einer Fortbildung den Kompetenzzuwachs der Beschäftigten. 

Praktiker wie Peter Fieser, Senior Vice President der Hansoldt AG, sind überzeugt, dass Qualifizierung „über drei bis fünf Jahre angelegt sein muss“. Erst dann sehe man den Wert, und „es wird sich auch zeigen, dass viele Schulungen überflüssig sind“.

Immerhin vier von zehn Unternehmen geben an, die Bedeutung der Hochschulen als potenzielle Partner für die Fort- und Weiterbildung sei seit der Coronakrise gestiegen. Die Studienautoren empfehlen bestehende Innovationscluster, um solche Kooperationen auszuprobieren. Dort sei auch der Austausch zwischen Studierenden, Berufseinsteigern und Unternehmen einfacher. Als Beispiel verweisen sie auf das Cyber Valley in Tübingen und Stuttgart, wo Wissenschaft und Industrie zusammen an Künstlicher Intelligenz arbeiten.

Das Programm zum Aufbau von Weiterbildungsverbünden des Bundesarbeitsministeriums fördert verbindliche Kooperations- und Vernetzungsstrukturen zwischen Unternehmen, Bildungs- und Beratungseinrichtungen. Für die Umfrage von Stifterverband und McKinsey im Rahmen der gemeinsamen „Future-Skills-Initiative“ wurden im August gut 550 Unternehmen befragt und zudem qualitative Interviews mit Personalmanagern geführt.

Mehr: Nur jedes fünfte Unternehmen nutzt Kurzarbeit für Weiterbildung.

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