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Künstliche Intelligenz Bund hat bisher kaum neue KI-Professuren eingerichtet

Deutschland soll eine der führenden KI-Nationen werden. Doch bei der Besetzung der nötigen Professuren lässt sich die Bundesregierung viel Zeit, zeigt eine Anfrage der Grünen.
19.10.2020 - 17:35 Uhr 1 Kommentar
Dem Forschungsministerium zufolge gibt es 28 KI-Professuren in Deutschland. Die Opposition nennt das „Schönfärberei”. Quelle: dpa
Forschungsministerin Anja Karliczek (CDU)

Dem Forschungsministerium zufolge gibt es 28 KI-Professuren in Deutschland. Die Opposition nennt das „Schönfärberei”.

(Foto: dpa)

Berlin Künstliche Intelligenz (KI) gilt als Schlüsseltechnologie für die Wirtschaft der Zukunft. Schon Ende 2018 verabschiedete die Bundesregierung deshalb eine nationale deutsche KI-Strategie, die Deutschland zu einer führenden KI-Nation machen sollte. Doch passiert ist bisher wenig.

Das macht ein großes Ziel deutlich, das damals ausgerufen wurde und bis heute kaum erreicht ist: 100 neue KI-Professuren sollen in Deutschland entstehen. Mittlerweile sollen nach Angaben von Bundesforschungsministerin Anja Karliczek (CDU) immerhin 28 davon besetzt sein. Doch selbst diese Rechnung ist Schönfärberei, kritisieren nun die Grünen.

Zwar listet das Ministerium in einer Antwort auf eine Anfrage der Oppositionspartei 26 KI-Professuren auf. In der Anfrage, die dem Handelsblatt vorliegt, wird zudem auf zwei weitere von Nordrhein-Westfalen geförderte Stellen verwiesen. Dabei würden jedoch „Professuren als Erfolg der KI-Strategie verbucht, die mit den angeblichen KI-Milliarden gar nichts zu tun haben“, sagte die innovations- und technologiepolitische Sprecherin der Grünen, Anna Christmann.

Der Großteil der vom Ministerium aufgezählten Professuren würde ohnehin über andere, laufende Programme finanziert. Speziell im Rahmen der KI-Strategie neu geschaffen wurde das KI-Professuren-Programm der Alexander von Humboldt-Stiftung, die den Austausch von Top-Wissenschaftlern mit dem Ausland fördert: „Bisher besetzte Professuren: zwei“, verweist Christmann auf die Angaben des Ministeriums. „Die Bundesregierung sucht offenkundig verzweifelt nach ihren 100 Lehrstühlen, die sie als „KI-Professuren“ ausweisen kann.“

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    Für diese Interpretation spricht, dass auf der Liste des Ministeriums auch mehrere von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) finanzierte „Heisenberg-Professuren“ auftauchen. Zwar sind manche Heisenberg-Professoren auf dem Feld der KI tätig, zudem wird die DFG hauptsächlich vom Bund finanziert. Aber: „Mit der KI-Strategie haben diese Heisenberg-Professuren  nichts zu tun“, sagte ein DFG-Sprecher. Die Professuren würden für fünf Jahre an Top-Wissenschaftler vergeben, wenn die Hochschule zusagt, sie danach zu übernehmen.

    Industrie drängt auf schnelle Lösung

    Dass die Zahl der Professuren im Land, die irgendwie mit KI arbeiten, dennoch steige, sei also den aktiven Forschungsinstitutionen zu verdanken – aber keine Leistung der KI-Strategie des Bundes, so Grünen-Politikerin Christmann. „Bei den wenigen zählbaren Indikatoren der KI-Strategie liefert die Bundesregierung nicht.“

    Auf eine schnelle Besetzung der KI-Professuren hatte zuletzt auch der Bundesverband der Deutschen Industrie gedrängt. Die Politik müsse „aus ihrem Dornröschenschlaf erwachen“, mahnte BDI-Präsident Dieter Kempf.  Im Prinzip sei der technologiepolitische Weg der Regierung „richtig, doch es fehlt an Tempo“, heißt es im jüngsten „Innovationsindikator“ des BDI.

    Der Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft Reimund Neugebauer  hatte allerdings schon früh gewarnt „es dürfen nicht irgendwelche KI-Professuren sein“. Es dürfe nicht 100-mal dasselbe und damit auf mittelmäßigem Niveau gemacht werden, sagte er im Handelsblatt-Interview.

    Seit Monaten angekündigt ist auch eine Aktualisierung der KI-Strategie, die mittlerweile schon fast zwei Jahre alt ist. Doch „das Update wird mit immer neuen Gründen verschoben“, kritisiert Christmann, die auch Obfrau der Grünen in der Enquetekommission zur KI  im Bundestages ist – die beteiligten Ministerin begründen das immer wieder mit „Abstimmungsbedarf“. 

    Die Verzögerung missfällt offenbar selbst Forschungsministerin Anja Karliczek (CDU): Ihr Haus arbeite zwar „mit Hochdruck“ an der Weiterentwicklung, schrieb sie in einem Beitrag für das Handelsblatt. Gleichzeitig kritisierte sie: „Zu häufig stehen wir auf der Bremse, sehen das Risiko vor der Chance ...“. Das kann man durchaus als Kritik an ihren für Wirtschaft und Arbeit zuständigen Ministerkollegen lesen.

    Auch die Expertise der seit drei Jahren tätigen Enquetekommission des Bundestages zu KI  wird offenbar nur wenig genutzt. Einen echten Austausch mit den Ministerien für Wirtschaft, Arbeit und Forschung habe es jedenfalls nicht gegeben, heißt es bei den Grünen.

    Finanziell hat die Bundesregierung zwar die damals überraschend hohe Summe von drei Milliarden Euro für die KI-Strategie bereitgestellt. Im Corona-Konjunkturpaket im Sommer 2020 wurde diese Summe sogar noch einmal um zwei Milliarden erhöht. Nach einer früheren Anfrage der Grünen sind davon allerdings bisher nur rund 60 Millionen abgeflossen, davon etwa 22 Millionen für die KI-Trainer für die mittelständische Wirtschaft. 

    „Wir brauchen aber eine starke Initiative, damit Deutschland und Europa zu erfolgreichen KI-Standorten werden und wir im globalen Wettbewerb mithalten können“, sagt Christmann. „Das Blendwerk der Bundesregierung ist eine Gefahr für unsere Handlungsfähigkeit.“

    Mehr: Das EU-Parlament will verhindern, dass Künstliche Intelligenz zu stark reguliert wird

    • bag
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    1 Kommentar zu "Künstliche Intelligenz : Bund hat bisher kaum neue KI-Professuren eingerichtet"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • KI-Professuren allenfalls sehr zögerlich einzurichten, ist gar nicht so dumm. Die traditionelle Professur zementiert ein Paradigma, eine Lehrmeinung, die nur langsam und in eine bekannte Richtung weiterentwickelt wird.
      Ein derartiges Paradigma gibt es aber für die KI noch nicht. Ist es die allgemeine Informatik, die versucht, sich die KI einzuverleiben? Oder ist es vielmehr die Linguistik, die überraschend "neue Intelligenzen" neben den Menschen (und vielleicht den Walen) entdeckt? Einige der vielversprechendsten Entwicklungen der neueren KI sprechen dafür, und wenn das so ist, sollten auch die neuen KI-Professoren mindestens zum Großteil Linguisten sein.
      Oder ist es etwas völlig neues - dafür sprechen Bezeichnungen wie "Digitales Denken", die immer mehr anstelle der ohnehin nicht sehr glücklichen "Künstlichen Intelligenz" benutzt werden? Dann sollten wir auch eine ganz neue Disziplin für die Professuren erfinden, etwa "Digitalwissen".
      Solange wir das nicht geklärt haben, sind zumindest neue Professuren gefährlich, weil sie altes Wissen als Paradigmen zementieren.

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