Klaus Schüler: Merkels Manager für den Kampf um die Wähler
CDU-Bundesgeschäftsfüher Klaus Schüler: Merkels Wahlkampf managen statt Golf spielen.
Foto: dpaBerlin. In seinem Büro oben im Konrad-Adenauer-Haus in Berlin sticht zuerst die Farbkombination ins Auge: Schwarz-Grün. Möbel rabenschwarz und dann ein grasgrüner Streifen vor dem großen Schreibtisch – eine Golfmatte. Vor drei Jahren hat Klaus Schüler mit dem Golfen begonnen. Jetzt ist der CDU-Bundesgeschäftsführer im Trainingsrückstand. Es ist Wahljahr und er ist der Wahlkampfmanager der Partei von Kanzlerin Angela Merkel. Das heißt: Golf passé.
Für ein Pressefoto hält der schlanke 56-Jährige aber den Schläger vor den Ball und tut so, als würde er gleich abschlagen. Ob er zum Abreagieren mal so richtig draufballert? „Viel Konzentration, Fingerspitzengefühl, Taktik. Mit Ballern allein ist nicht viel zu gewinnen. Das hat Golf mit einer Wahlkampagne gemein“, sagt Schüler. Sein Büro zeuge übrigens nicht von politischer Farbenlehre. Also kein Bekenntnis zu Schwarz-Grün. Die Union schwört auf die FDP.
Die Umfragewerte für die CDU sind gut, wenngleich die US-Spähaffäre durch immer neue Details über eine Verstrickung deutscher Geheimdienste sowie das Drohnen-Debakel von Verteidigungsminister Thomas de Maizière der Regierung Merkel zu schaffen machen. Merkel liegt in den Umfragen aber immer noch weit vor SPD-Herausforderer Peer Steinbrück, und die Schwesterparteien CDU und CSU kommen zusammen immer wieder auf über 40 Prozent. Doch Schüler mahnt: „Das ist eine gute Ausgangsposition, aber kein Ruhekissen. Gefahrenherde bestehen in jedem Wahlkampf bis zum Wahlabend um 18 Uhr.“
Als sein Meisterstück wird der Wahlkampf für den CDU-Mann Peter Harry Carstensen 2005 in Schleswig-Holstein gewertet. Bei der so gut wie verloren geglaubten Landtagswahl fuhr die CDU mit 40,2 Prozent das beste Ergebnis des Landesverbandes seit 1987 ein. Carstensen wurde Ministerpräsident. Ein unerwarteter und extrem wichtiger Schub für die CDU-Chefin Merkel. Im Herbst 2005 wurde sie dann Kanzlerin.
Schüler, ein früherer Verbandsliga-Fußballer, wird in der CDU als Teamspieler mit Bereitschaft zur Härte bezeichnet. Er gebe die Linie vor, könne Menschen aber mitziehen und begeistern. Schüler hält sich im Hintergrund und gilt so als Ergänzung zu CDU-Generalsekretär und Wahlkampfchef Hermann Gröhe, der die Partei nach außen vertritt.
Eigentlich wollte der Rheinländer Hochschullehrer werden. Er studierte Geschichte und Englische Philologie in Köln und landete durch einen Zufall 1987 in der Politik – als Redenschreiber für den Berliner Innensenator Wilhelm Kewenig, der wegen harter Polizeieinsätze oft in der Kritik stand. Erst 1989 trat Schüler in die CDU ein, ging in die Bundesgeschäftsstelle der Partei, diente zunächst Helmut Kohl und seit vielen Jahren nun Merkel. Seit 2007 ist er Bundesgeschäftsführer. 2009 sorgte er mit dafür, dass die CDU-Strategie zur Bildung einer schwarz-gelben Regierung aufging.
Beeindruckt ist Schüler von Menschen, die in Afrika unter Gefahr für Leib und Leben für Menschenrechte, Meinungsfreiheit und Demokratie kämpfen. Sie unterstützt er in seinem privaten Leben. Seine Leidenschaft aber ist Amerika. Und wenn er darüber spricht, kann man sich den Anzugträger mit dem akkuraten weißen Schnauzbart plötzlich mit Cowboy-Hut vorstellen: „Mein Herz hängt an Texas. Ich bin ein Country-Mensch. Ich sitze da gerne mal in der Kneipe mit einem eiskalten Bier und höre drei Tage lang Live-Musik.“