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Körperverletzung, Diebstahl, Sachbeschädigung Wie Greenpeace mit provokanten Aktionen die Grenze zur Straftat überschreitet

Die missglückte Protestaktion von Greenpeace bei der Fußball-Europameisterschaft ist nicht die erste, die landesweit für Aufregung sorgte. Ein Überblick.
17.06.2021 Update: 17.06.2021 - 14:07 Uhr 1 Kommentar
Ein Gleitschirm-Pilot musste vor dem EM-Spiel Deutschland/Frankreich im Münchener Stadion notlanden. Dabei wurden zwei Zuschauer verletzt. Quelle: AP
EM-Protestaktion

Ein Gleitschirm-Pilot musste vor dem EM-Spiel Deutschland/Frankreich im Münchener Stadion notlanden. Dabei wurden zwei Zuschauer verletzt.

(Foto: AP)

Berlin Es hätte alles ganz friedlich ablaufen sollen: Die Umweltorganisation Greenpeace wollte beim EM-Spiel zwischen der deutschen Fußball-Nationalmannschaft und Frankreich gegen Volkswagen, den Sponsor des Spiels, protestieren.

Bei Twitter forderte Greenpeace von Volkswagen, keine klimaschädlichen Diesel- und Benzinautos mehr zu verkaufen. Dazu sollte ein Pilot aus einem Motorschirm-Flieger vor Spielbeginn einen großen gelben Ball in die Arena sinken lassen.

Doch statt Aufmerksamkeit für die Sache zu gewinnen, sind nun zwei Menschen verletzt, und die Kritik an der Aktion ist groß. Denn der Pilot geriet über der Münchener Arena ins Taumeln und kam den Zuschauern gefährlich nahe, bevor er unsanft auf dem Rasen landete.

Ein Sprecher von Greenpeace räumte noch während des laufenden Spiels ein, dass die Aktion missglückt sei – und entschuldigte sich. „Das tut uns wahnsinnig leid“, sagte er. Die Polizei ermittelt wegen verschiedener Delikte nach dem Strafgesetzbuch – und dem Luftverkehrsgesetz.

Der CDU-Rechtspolitiker Jan-Marco Luczak bezeichnete Greenpeace als „Wiederholungstäter“. Tatsächlich ist der Münchener Vorfall nicht die erste Protestaktion der Umweltorganisation, die landesweit für Aufregung sorgte – ein Überblick:

26. Mai 2021 – Mit gestohlenen VW-Schlüsseln zur Zugspitze

Am jenem Mittwochmorgen entwendeten Greenpeace-Aktivisten die Schlüssel von Hunderten VW-Fahrzeugen am Seehafen in Emden – und machten sich zusammen mit Protestplakaten auf den Weg hoch zum höchsten Berg Deutschlands, der Zugspitze. Dort stellte die Polizei dann bei einer Protestaktion zwei Tage später mehrere Säcke voll mit Schlüsseln sicher.

Die Umweltorganisation kritisierte, dass Volkswagen zu langsam auf die Elektromobilität umsteige. Auf eine „Einladung“, die Abholung der entwendeten Schlüssel im Süden mit einer Diskussion zu verbinden, antwortete VW-Konzernchef Herbert Diess am späten Nachmittag bei Twitter: „Gerne Zugspitze, heute schaffe ich aber nicht mehr – möchte nicht den Flieger nutzen. Demnächst bei gutem Wetter?“

Aktivisten von Greenpeace haben auf dem Gletscher an der Zugspitze ein VW-Logo und ein Banner mit der Aufschrift „VonWegen Klimaschutz“ ausgerollt. Quelle: dpa
Greenpeace-Aktion auf der Zugspitze

Aktivisten von Greenpeace haben auf dem Gletscher an der Zugspitze ein VW-Logo und ein Banner mit der Aufschrift „VonWegen Klimaschutz“ ausgerollt.

(Foto: dpa)

Nach Angaben von Greenpeace handelte es sich bei den von der Polizei sichergestellten Schlüsseln um alle in Emden abgezogenen Exemplare. Den Umweltaktivisten zufolge waren es rund 1500 Stück.

Der CSU-Rechtspolitiker Volker Ullrich sieht durch solche Aktionen „die Grenze vom politischen Aktionismus zur Straftat überschritten“ und forderte, den Entzug der Gemeinnützigkeit für Greenpeace zu prüfen.

10. März 2021 – Gleitschirm-Protestflug an der EZB

Zwei Gleitschirmflieger landeten auf einem etwa 15 bis 20 Meter hohen Dach des Gebäudes der Europäischen Zentralbank in Frankfurt. Dort entrollten sie ein zwölf Meter langes Banner mit der Aufschrift: „Stop Funding Climate Killers“. Die Aktion richtete sich nach Angaben von Greenpeace „gegen die klimaschädliche Geldpolitik der Notenbanken“.

Die Umweltorganisation protestiert gegen „die klimaschädliche Geldpolitik der Notenbanken“. Quelle: AFP
Ein Greenpeace-Aktivist landet auf dem EZB-Gebäude

Die Umweltorganisation protestiert gegen „die klimaschädliche Geldpolitik der Notenbanken“.

(Foto: AFP)

Bei einem der Piloten handelte es sich nach Informationen der „Bild“-Zeitung um denselben Mann wie bei der Aktion beim EM-Spiel in München.

08. November 2020 – Gigantischer Schriftzug

Mit einem Schriftzug auf einem noch nicht freigegebenen Abschnitt der umstrittenen A49 in Mittelhessen protestieren die Umweltschutzorganisation Greenpeace gegen den Weiterbau der Autobahn. In acht Meter großen Buchstaben haben sechs Aktivisten das Wort „Autobahn“ auf eine Talbrücke der A49 geschrieben, wobei der erste Wortteil „Auto“ rot durchgestrichen ist, wie Greenpeace mitteilte.

„Statt das Land immer weiter mit umwelt- und klimaschädlichen Autobahnen zu durchziehen, muss die Bundesregierung konsequent in Alternativen wie die Bahn investieren“, teilte Greenpeace mit.

In acht Meter großen Buchstaben haben Aktivisten das Wort „Autobahn“ auf eine Talbrücke der A49 geschrieben, wobei das Wort Auto rot durchgestrichen ist.
Autobahnbrücke

In acht Meter großen Buchstaben haben Aktivisten das Wort „Autobahn“ auf eine Talbrücke der A49 geschrieben, wobei das Wort Auto rot durchgestrichen ist.

Für den Weiterbau der Autobahn 49, die einmal Kassel und Gießen direkter miteinander verbinden soll, werden derzeit bereits Bäume im Herrenwald gefällt, im Dannenröder Forst stehen die Rodungen noch bevor.

1. Juli 2020 – Verhüllte Christdemokraten

Greenpeace-Aktivisten kletterten bei einer Protestaktion gegen das geplante Kohleausstiegsgesetz der Bundesregierung auf das Dach der CDU-Parteizentrale in Berlin und verhüllten das Gebäude mit schwarzem Stoff. „Hier müssen sie uns zuhören“, kommentierte eine Sprecherin in einem Video, das Greenpeace etwa auf Twitter teilte.

Zu sehen waren Demonstranten, die ein Transparent auf dem Dach des Konrad-Adenauer-Hauses entrollten. Die Aktivisten werfen Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) und dessen Partei vor, Wissenschaftlern sowie der Kohlekommission nicht zuzuhören.

Greenpeace-Aktivisten kletterten bei einer Protestaktion gegen das geplante Kohleausstiegsgesetz der Bundesregierung auf das Dach und verhüllten das Gebäude mit schwarzem Stoff.
Verhüllte CDU-Parteizentrale

Greenpeace-Aktivisten kletterten bei einer Protestaktion gegen das geplante Kohleausstiegsgesetz der Bundesregierung auf das Dach und verhüllten das Gebäude mit schwarzem Stoff.

Das geplante Kohleausstiegsgesetz der Bundesregierung sei eine „Farce“, kommentierte die Greenpeace-Sprecherin. „Unser aller Geld soll verwendet werden, um für die Schäden aufzukommen, die die Kohleindustrie verursacht hat.“

21. November 2019 – Aktivisten stehlen C aus Logo an CDU-Parteizentrale

CDU mal ohne C: An der Berliner Parteizentrale der Christdemokraten fehlte an jenem Donnerstagmorgen im November ein Teil des großen Logos „CDU“. Greenpeace-Aktivisten hätten den großen roten Buchstaben entfernt, teilte die Umweltschutzorganisation mit. Das verbleibende „DU“ ergänzten die Aktivisten mit einem Banner, sodass an der Glasfassade im Stil der biblischen zehn Gebote stand: „Du sollst das Klima schützen“.

Der Schriftzug DU aus dem Parteiennamen CDU ist in der CDU-Bundesgeschäftsstelle, dem Konrad-Adenauer-Haus, zu sehen. Quelle: dpa
CDU-Bundesgeschäftsstelle

Der Schriftzug DU aus dem Parteiennamen CDU ist in der CDU-Bundesgeschäftsstelle, dem Konrad-Adenauer-Haus, zu sehen.

(Foto: dpa)

Mit der Aktion sollte gegen die „desaströse Klimapolitik“ der Partei protestiert werden, teilte Greenpeace mit. Die CDU müsse „zum C in ihrem Namen stehen“. Das „C“ in der CDU steht für „christlich“ – das sollte auch den Erhalt der Schöpfung und damit den Kampf gegen die Klimakrise beinhalten, argumentieren die Umweltschützer. Sie werfen Kanzlerin Angela Merkel und ihrer Partei vor, seit vielen Jahren beim Klimaschutz auf der Bremse zu stehen.

Die Polizei nahm die Ermittlungen auf. Anderthalb Wochen später brachte Greenpeace den geklauten Buchstaben wieder zurück.

26. Juni 2018 – „Sonne statt Kohle“

Zum Start der Kohlekommission, die den Ausstieg aus der Kohleverstromung skizzieren sollte, färbten Greenpeace-Aktivisten die Straßen rund um die Berliner Siegessäule mit tausenden Litern gelber Farbe so, dass sie aus der Luft wie eine Sonnenstrahlen aussahen.

Unter dem Motto „Sonne statt Kohle“ forderte Greenpeace einen konsequenten Klimaschutz. Nach eigenen Angaben verwendeten die Aktivisten 3500 Liter ökologisch abwaschbarer und umweltfreundlicher Farbe. 15 Aktivisten wurden festgenommen.

Aktivisten der Umweltschutzorganisation Greenpeace tragen rund um den Großen Stern an der Siegessäule ökologisch abbaubare und -waschbare Farbe auf. Quelle: dpa
Farbiger Protest gegen Kohlekommission

Aktivisten der Umweltschutzorganisation Greenpeace tragen rund um den Großen Stern an der Siegessäule ökologisch abbaubare und -waschbare Farbe auf.

(Foto: dpa)

Zwei Monate später bekam Greenpeace die Rechnung für die Aktion von der Berliner Stadtreinigung (BSR) in Höhe von etwa 14.000 Euro. Insgesamt sollen über 130.000 Liter Wasser verwendet worden sein, um die Straßen wieder sauber zu kriegen.

Im November 2018 durchsuchten die Behörden 29 Objekte in mehreren Bundesländern. Grundlage der Durchsuchungen seien Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Berlin wegen des Verdachts des gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr und weiterer Delikte im Zusammenhang mit der Greenpeace-Protestaktion, teilte die Generalstaatsanwaltschaft Berlin mit.

Mit Agenturmaterial.

(Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels stand, dass die Aktion auf der Autobahn 49 zeitweise für Sperrungen sorgte. Dies traf nicht zu, da die Autobahn noch unbefahren war. Wir haben die entsprechende Stelle angepasst. Ebenso haben wir in diesem Zusammenhang ein Zitat aus dem Text genommen.)

Mehr: „Im höchsten Maße dämlich“: Grüne gehen auf Distanz zu Greenpeace-Aktion

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1 Kommentar zu "Körperverletzung, Diebstahl, Sachbeschädigung: Wie Greenpeace mit provokanten Aktionen die Grenze zur Straftat überschreitet"

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  • Der Name Greenpeace ist eine Farce:
    Grün - Frieden gilt für die selbst ermächtigten Klimaschützer schon lange nicht mehr. Gerade VW und viele europäische Autohersteller sind auf sehr gutem Weg Richtung Klimaschutz - sie verkaufen Plug-In-Hybride.
    Diese haben den Vorteil der kleinen Batterie im Vergleich zu e-Autos wie Tesla, die Umwelt und Klima mit riesigen Batterien vernichten.
    Greenpeace macht sich für e-Autos stark - also für KLIMASCHÄDLINGE. Sie sind aus meiner Sicht Ideologen und Straftäter - sie überschreiten die Grenze zur Straftat nicht allzu selten! Das wird mit irgendeiner Ideologie gerechtfertigt. Man hofft aus Strafmilderung! Aktionen sind vorsätzlich, geplant und mit einem genauen Interesse hinterlegt, wie in diesem Fall gegen VW, die eh alles für e-Autos tun.
    Die Interessen der Fußballfans einen vergnüglichen Abend zu genießen gerade in der Corona Zeit wird aus purem egoistischen Interesse von Greenpeace ignoriert und die Verletzung von Menschen billigend in Kauf genommen. Auch wenn dort keine Fans verletzt worden wären, so hätte eine Böe durchaus den Gleitschirmflieger irgendwo Richtung Autobahnkreuz tragen können und dort ein Verkehrschaos auslösen können.... mit vielleicht noch größeren Folgen.
    In einem freiheitlichen Land ist es ausreichend gestattet zu demonstrieren. Wer darüber hinaus gerne Straftaten begeht, muss entsprechend klar verurteilt werden. Man muss bei Greenpeace von vorsätzlichem Handeln ausgehen und auch politische Aussagen dürfen nicht zu einer Verniedlichung von Straftaten führen.

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