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Nicht im Familiengrab in Ludwigshafen Helmut Kohl wird in Speyer begraben

Die Entscheidung über seine letzte Ruhestätte hat Helmut Kohl gemeinsam mit seiner Ehefrau Maike getroffen. Alte Verletzungen belasten jedoch die Verhandlungen über das offizielle Gedenken des Altkanzlers.
20.06.2017 Update: 20.06.2017 - 19:56 Uhr Kommentieren
Der frühere Bundeskanzler Helmut Kohl wird seine letzte Ruhestätte auf einem Friedhof in Speyer finden. Die grundsätzliche Entscheidung, die Kohl mit seiner zweiten Ehefrau Maike Kohl-Richter traf, zeige seine seit der Kindheit bestehende Verbundenheit mit Speyer und dem Speyerer Dom. Quelle: dpa
Kaiserdom zu Speyer

Der frühere Bundeskanzler Helmut Kohl wird seine letzte Ruhestätte auf einem Friedhof in Speyer finden. Die grundsätzliche Entscheidung, die Kohl mit seiner zweiten Ehefrau Maike Kohl-Richter traf, zeige seine seit der Kindheit bestehende Verbundenheit mit Speyer und dem Speyerer Dom.

(Foto: dpa)

Berlin Altkanzler Helmut Kohl wird seine letzte Ruhestätte auf einem Friedhof in Speyer finden und nicht im Familiengrab in Ludwigshafen. Das entspreche Kohls Wunsch, sagte der langjährige Vertraute Kohls, Ex-„Bild“-Chefredakteur Kai Diekmann, am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur in Berlin in Rücksprache mit der Witwe Maike Kohl-Richter. Der geplante europäische Trauerakt in Straßburg soll am 1. Juli stattfinden, wie das Bundesinnenministerium mitteilte. Im Anschluss ist eine Totenmesse im Speyerer Dom geplant und eine militärische Abschiedszeremonie.

Nach Informationen der „Süddeutschen Zeitung“ wollen bei dem Trauerakt im Europaparlament neben Kanzlerin Angela Merkel (CDU), dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron und EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker auch alte Weggefährten sprechen. Dem Bericht zufolge sind auch der ehemalige US-Präsident Bill Clinton und der frühere spanische Ministerpräsident Felipe González als Redner vorgesehen. Beide waren Kohl über viele Jahre hinweg politisch verbunden.

Kanzlerin und CDU-Chefin Angela Merkel sprach in einer Sitzung der Unionsfraktion, in der Kohls Leistungen gedacht wurde, nach Angaben von Teilnehmern von einem „großen Leben“ ihres Vorgängers. Deutsche und europäische Einheit seien für ihn zwei Seiten einer Medaille gewesen. Kohl habe immer nach vorne geschaut. So sei seine Prophezeiung von blühenden Landschaften im Osten Deutschlands trotz der von vielen geäußerten Zweifel eingetreten.

Diekmann sagte über die geplante Beerdigung Kohls auf dem Friedhof in Speyer: „Er hat dies gemeinsam mit seiner Frau im Spätsommer 2015 entschieden, als es gesundheitlich wieder einmal sehr kritisch um ihn stand.“ Die Entscheidung zeige die seit der Kindheit bestehende Verbundenheit des Altkanzlers und früheren CDU-Chefs mit Speyer und dem dortigen Dom. Kohl war am Freitag im Alter von 87 Jahren nach langer Krankheit in seinem Haus in Ludwigshafen gestorben.

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    „Sein Vermächtnis wird weiterleben“
    Donald Trump
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    Deutlich später als viele andere amtierende und ehemalige Staats- und Regierungschefs in aller Welt hat auch US-Präsident Donald Trump auf den Tod von Altkanzler Helmut Kohl reagiert und kondoliert. „Kanzler Kohl war den Vereinigten Staaten ein Freund und Verbündeter, während er die Bundesrepublik Deutschland durch 16 entscheidende Jahre führte“, hieß es in einer Mitteilung vom Weißen Haus am Freitagabend (Ortszeit). „Im Namen des amerikanischen Volkes spreche ich dem deutschen Volk, der Familie und den Angehörigen des ehemaligen Kanzlers Helmut Kohl mein tiefstes Beileid aus“, sagte Trump der Mitteilung zufolge. Kohl sei nicht nur der Vater der deutschen Wiedervereinigung gewesen, sondern auch ein Verfechter für Europa und das transatlantische Verhältnis, hieß es weiter. Die Welt habe von seinem Weitblick und seinen Anstrengungen profitiert. „Sein Vermächtnis wird weiterleben.“

    (Foto: AP)
    Helmut Kohl mit Angela Merkel
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    Man werde noch lange bewundern, wie entschlossen Kohl und seine Mitarbeiter die Gunst der Stunde zur Vereinigung genutzt hätten, sagte die CDU-Vorsitzende und Bundeskanzlerin Angela Merkel am Abend in Rom über ihren Amtsvorgänger. „Das war höchste Staatskunst im Dienste der Menschen und des Friedens. Helmut Kohl ist damit zu einem Glücksfall für uns Deutsche geworden.“

    Kohl habe auch ihren Lebensweg als DDR-Bürgerin entscheidend verändert, sagte Merkel. „Ich bin ganz persönlich dankbar, dass es ihn gegeben hat.“ Er sei zudem ein Modernisierer der CDU gewesen. Merkel hatte die Nachricht von Kohls Tod während ihrer Reise nach Rom erhalten. Dorthin war die Kanzlerin für eine Privataudienz bei Papst Franziskus am Samstag geflogen. Merkel rief umgehend die Witwe Maike Kohl-Richter an.

    (Foto: Reuters)
    Jürgen Stark, früherer Berater von Helmut Kohl und EZB-Chefvolkswirt
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    „Ich habe Helmut Kohl im persönlichen Umgang als offen und zugetan erlebt. Das mag auch an unserer ähnlichen Herkunft liegen. Wir beide kommen aus Weinbauregionen. Er ist Pfälzer und ich bin 30 Kilometer von seinem Heimatort entfernt in Rheinhessen groß geworden. Für ihn hatte die Einführung des Euro absolute Priorität. Er hat sich deshalb auch für den Stabilitätspakt eingesetzt, um den Euro dauerhaft stabil zu machen. Bei Gipfeltreffen war er ein hochgeschätzter Gesprächspartner. Er war kompromissbereit, aber auch in der Lage sich zu korrigieren. Zum Beispiel hat er zunächst dem französischen Wunsch entsprochen, die erste Amtszeit des EZB-Präsidenten zwischen Wim Duisenberg und Jean-Claude Trichet zu teilen.“

    (Foto: dpa)
    Sigmar Gabriel
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    „Es ist ein wirklich großer Deutscher und vor allem ein großer Europäer gestorben.“

    (Foto: AP)
    Frank-Walter Steinmeier
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    Auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier würdigte am Abend die Verdienste des gestorbenen Altkanzlers für die Wiedervereinigung und den Zusammenhalt Europas. „Es ist ihm gelungen, die deutsche Einheit im friedlichen Einvernehmen und in guter Partnerschaft mit unseren europäischen Nachbarn zu erreichen. Ihm verdanken wir, dass Deutschland als europäische und geeinte Nation bestätigt und damit die „Deutsche Frage“ beantwortet wurde“, schrieb Steinmeier laut Präsidialamt an die Witwe.

    Steinmeier fügte mit Blick auf die deutsche Einheit hinzu: „Sein politischer Instinkt, seine große Erfahrung und seine herausragende Begabung, Vertrauen bei unseren Nachbarn und Partnern zu gewinnen, haben ihn dazu befähigt, eine einmalige historische Chance zu erkennen und sie mit Entschlossenheit zu ergreifen.“

    (Foto: dpa)
    Vladimir Putin
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    Kremlchef Wladimir Putin hat Ex-Bundeskanzler Helmut Kohl als einen „prinzipiellen Verfechter freundschaftlicher Beziehungen“ zwischen Berlin und Moskau gewürdigt. „Ich hatte das Glück, persönlich mit Helmut Kohl sprechen zu können“, schrieb Putin am Freitagabend in einem Beileidstelegramm an Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Kanzlerin Angela Merkel. „Ich habe seine Weisheit bewundert und seine Fähigkeit, fundierte, zukunftsweisende Entscheidungen auch in schwierigsten Situationen zu treffen.“ 

    Mit dem Namen dieses herausragenden Menschen seien die wichtigsten Ereignisse der modernen deutschen Geschichte verbunden, teilte der Kreml in Moskau mit. Kohl habe eine Schlüsselrolle bei der Beendigung des Kalten Krieges und der deutschen Wiedervereinigung gespielt.

    (Foto: AP)
    Emmanuel Macron, französischer Staatspräsident
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    „Wegbereiter des vereinten Deutschlands und der deutsch-französischen Freundschaft: Mit Helmut Kohl verlieren wir einen sehr großen Europäer.“

    (Foto: AFP)

    Seine letzte Ruhestätte soll Kohl auf einem Friedhof finden, auf dem die Mitglieder des Domkapitels beigesetzt werden. Er befindet sich auf dem Gelände des alten Friedhofs der Stadt, nimmt aber nur einen Teil davon ein. Auf dem anderen Teil befindet sich der Konrad-Adenauer-Park.

    Diekmann sagte, Kohls Grab werde auf dem eigentlich abgetrennten Gelände des Domkapitels sein, aber vom Adenauer-Park aus öffentlich zugänglich sein. Seine erste Frau Hannelore, die sich 2001 das Laben nahm, wurde im Familiengrab der Kohls im Ludwigshafener Stadtteil Friesenheim beigesetzt.

    „Großartige Auszeichnung für Helmut Kohl“
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