Wirtschaft: Deutsches Infrastruktur-Sondervermögen lockt chinesische Unternehmen
Berlin. Das milliardenschwere Infrastruktur-Sondervermögen der Bundesregierung ruft chinesische Unternehmen auf den Plan. 40 Prozent der in Deutschland aktiven Firmen rechnen sich dadurch Geschäftschancen aus, wie aus einer Umfrage der Chinesischen Handelskammer in Deutschland (CHKD) und den Wirtschaftsprüfern von KPMG hervorgeht. Dies berichtet die Nachrichtenagentur Reuters.
Konkrete Investitionen sind jedoch bisher noch die Ausnahme. Von den aktiven Firmen würden 15 Prozent eine Kooperation mit deutschen Partnern anstreben, zehn Prozent beabsichtigen, sich an öffentlichen Ausschreibungen zu beteiligen.
„China verfügt über breite Erfahrung bei komplexen Infrastrukturvorhaben und möchte diese Expertise in eine partnerschaftliche Zusammenarbeit mit Deutschland einbringen“, sagte der geschäftsführende Präsident der Chinesischen Handelskammer in Deutschland, Chen Longjian.
„Auf Basis fairer und transparenter Rahmenbedingungen können hochwertige Projekte entstehen, die beiden Seiten langfristige Wertschöpfung ermöglichen.“ Hohe Kosten und regulatorische Hemmnisse bremsen den Angaben nach chinesisches Engagement. 73 Prozent der mehr als 100 befragten Unternehmen aus der Volksrepublik mit Aktivitäten in Deutschland nennen hohe Arbeitskosten und strenge Arbeitsgesetze als größte Hürde für ein erfolgreiches wirtschaftliches Agieren am Standort.
Für 53 Prozent stellt die regulatorische Komplexität ein gravierendes Problem dar. 27 Prozent kritisieren die Bürokratie. Knapp jedes zweite chinesische Unternehmen beklagt eine Benachteiligung beim Zugang zu Fördermitteln. Gerade einmal fünf Prozent sehen sich mit EU-Unternehmen gleichgestellt.
Deutschland bleibt wichtigster Investitionsstandort
Dennoch priorisieren chinesische Unternehmen mit bestehendem Deutschlandgeschäft die Bundesrepublik als primären Investitionsstandort in Europa – trotz eines spürbaren Bedeutungszuwachses Ungarns. Demnach wollen 41 Prozent auf dem europäischen Markt investieren, davon 21 Prozent gezielt in Deutschland.
Es folgen Ungarn mit 18 Prozent sowie Polen mit zwölf Prozent. Die Umsatz- und Beschäftigungsprognosen sind positiv: 43 Prozent der chinesischen Unternehmen in Deutschland rechnen im kommenden Jahr mit steigenden Einnahmen, 22 Prozent von ihnen sogar mit einem Wachstum von mehr als 20 Prozent. 41 Prozent planen einen Stellenaufbau. Nur knapp jedes fünfte Unternehmen erwartet einen Personalabbau.
Ein knappes Drittel der Befragten will mehr investieren – 19 Prozent sogar ein Fünftel mehr als bisher. Rund 60 Prozent der Unternehmen möchten das aktuelle Niveau beibehalten. Desinvestitionen planen hingegen nur zehn Prozent.
„Deutschland muss in der Zusammenarbeit mit chinesischen Unternehmen strategisch handeln“, sagte KPMG-Bereichsvorstand Andreas Glunz. „Nicht Abschottung, sondern eine interessengeleitete Industriepolitik und gezielte Unternehmenskooperationen sichern die Wettbewerbsfähigkeit und stärken die Resilienz des Standorts und der deutschen Wirtschaft.“