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+++ Liveblog zur Ukraine-Krise +++EU will nach Verhandlungen über neue Sanktionen entscheiden

Der Nato-Gipfel debattiert über die Ukraine-Krise. Während der ukrainische Präsident für eine Waffenruhe plädiert und die Separatisten einlenken, will die EU vor neuen Schritten abwarten. Alle Ereignisse im Liveblog. 04.09.2014 - 20:29 Uhr aktualisiert Artikel anhören

Proteste vor dem Parlament in Kiew: Poroschenko hofft auf eine Waffenruhe bis Freitag.

Foto: dpa

Die Lage in der Ukraine bleibt angespannt. Beim Nato-Gipfel in Wales steht das Thema mit ganz oben auf der Agenda, währenddessen greifen Separatisten den Flughafen Donezk an. Die Außenminister von Frankreich, Deutschland und Russland wollen sich beraten. Alles Wichtige zur Ukraine-Krise.

+++ Merkel schließt militärische Lösung aus - Ukraine soll auch nicht in die Nato +++

Bundeskanzlerin Angela Merkel sagt, bei der Nato habe es einen breiten Konsens gegeben, dass es keine militärische Lösung in der Ukraine geben kann. Man sei bereit, mit Russland über eine politische Lösung zu reden.
Zudem hat Merkle sich für eine intensivere Zusammenarbeit zwischen der Nato und der Ukraine ausgesprochen, einen Beitritt zum Bündnis aber erneut abgelehnt. „Es geht nicht um eine Mitgliedschaft der Nato“, betonte sie am Rande des Nato-Gipfels in Newport.

+++ EU will Verhandlungen abwarten +++

Die Europäische Union will vor dem Inkraftsetzen härterer Wirtschaftssanktionen gegen Russland Diplomaten zufolge die Verhandlungen über eine Waffenruhe in Minsk abwarten. Die Botschafter der EU-Staaten in Brüssel seien zwar beauftragt, bis Freitag ein fertiges Sanktionspaket auszuarbeiten, sagten mit der Sache vertraute Diplomaten am Donnerstagabend. Die Maßnahmen würden dann aber nicht umgehend in Kraft treten, weil erst die Entwicklung bei den Gesprächen zwischen der ukrainischen und russischen Führung in Minsk sowie in der Ostukraine abgewartet werden soll.


+++ Außenminister: Lawrow verhandelt mit Steinmeier und Fabius +++

Russlands Außenminister Sergej Lawrow berät mit seinem französischen und seinem deutschen Kollegen über den Plan für eine Waffenruhe. Ein Anführer der Separatisten verlangt "echte Garantien", dass sich die Regierung in Kiew an eine Waffenruhe hält.

+++Separatisten wollen Schutzzone – Politiker appellieren an Vernunft+++

Ein Anführer der Separatisten erklärt nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Interfax zum Waffenstillstands-Angebot, sie wollten eine Sicherheitszone einrichten. Diese solle unter Aufsicht der OSZE gestellt werden. Außerdem solle ein Korridor für Flüchtlinge und humanitäre Hilfen geschaffen werden. Während die Konfliktparteien sich zu Kompromissen bereit zeigen, bleibt die Lage vor allem im Südosten des Landes angespannt. Deutschlands Außenminister Frank-Walter Steinmeier sagt angesichts dessen beim Nato-Gipfel in Newport, es müssten Fortschritte bei den Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine erzielt werden, um die Eskalation zu stoppen. Er sei „moderat optimistisch“, dass es zu einer friedlichen Lösung kommen werde. Frankreichs Präsident Francois Hollande erklärt mit Blick auf die Situation, der Vertrag mit Russland über die Lieferung von zwei Hubschrauber-Trägern sei nicht gebrochen oder ausgesetzt. Die Zukunft des Rüstungsgeschäfts hänge von der Entwicklung in den kommenden Wochen ab.

+++Ex-US-Geheimdienstler warnen Merkel vor Fehlinformationen+++

Vor dem Nato-Gipfel hat eine Gruppe ehemaliger US-Geheimdienstmitarbeiter eine Warnung an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gerichtet, nicht auf mögliche Fehlinformationen der Amerikaner über den Ukraine-Konflikt hereinzufallen. „Die Vorwürfe einer großen russischen Invasion in der Ukraine scheinen nicht von vertrauenswürdigen Geheimdienstinformationen gestützt zu werden“, schrieben sieben pensionierte Ex-Regierungs- und Militärmitarbeiter in einem offenen Brief an Merkel, der jüngst veröffentlicht wurde. So könnten die Bilder von Panzern und Truppen möglicherweise nicht authentisch sein.

Zu den Unterzeichnern gehört demnach auch William Binney, der bis Oktober 2001 als Technikchef für den Geheimdienst NSA arbeitete. Er war im Juli als Zeuge im NSA-Untersuchungsausschuss des Bundestags aufgetreten. Die Autoren vergleichen die Vorwürfe des Westens gegen Russland mit der Argumentation der Amerikaner vor dem Irak-Krieg 2003. Die US-Regierung erklärte damals, die Iraker besäßen Massenvernichtungswaffen, was sich als falsch herausstellte.

+++Russische Ökonomie bekommt die Krise zu spüren+++

Durch die internationalen Spannungen haben die Verbraucherpreise in Russland im August angezogen. Sie stiegen im Vergleich zum Vorjahresmonat um 7,6 Prozent, wie das nationale Statistikamt am Donnerstag in Moskau mitteilte. Der als Vergeltung für die westlichen Sanktionen Anfang August verhängte Importstopp für viele Lebensmittel aus dem Westen zeigte aber noch kaum Auswirkungen. Im Vergleich zum Juli kletterten die Preise nur um 0,2 Prozent. Wegen der Erntesaison sanken die Preise für Obst und Gemüse im Vergleich zum Juli um mehr als zehn Prozent, wie die Statistiker erklärten. Besonders Kartoffeln, Tomaten und Möhren waren günstiger zu haben als im Vormonat. Teurer dagegen wurden Fleisch, Fisch und Milchprodukte. Die Regierung geht nun auch von einer höheren Inflationsrate aus als zuvor: Der Importstopp bringe nun einen Preisanstieg zwischen 7,0 und 7,5 Prozent, zuvor waren 6 Prozent angesetzt.

Infografik

Ukraine in Zahlen

+++Ukrainische Soldaten melden heftige Kämpfe bei Mariupol+++

Während die ukrainische Regierung und die Separatisten von Waffenruhe-Plänen sprechen, erschüttern offenbar heftige Explosionen den Rand der ukrainischen Hafenstadt Mariupol. Ukrainische Soldaten sagten Journalisten der Nachrichtenagentur AFP, sie würden versuchen, einen Angriff gepanzerter Fahrzeuge der prorussischen Rebellen abzuwehren. „Wir leisten Widerstand, doch das ist sehr schwierig mit Gewehren gegen gepanzerte Fahrzeuge“, sagte ein ukrainischer Freiwilliger an einer Straßensperre am Rande der Stadt. Der Angriff der Separatisten war seit Tagen erwartet worden, nachdem diese mehrere Orte an der Straße zur russischen Grenze erobert hatten. Das ukrainische TV zeigte auch mutmaßlich russische Panzer, die sich vom Asowschen Meer aus auf Mariupol zu bewegten.

Mariupol liegt am Asowschen Meer rund 50 Kilometer von der russischen Grenze entfernt. Die Separatisten hatten die Hafenstadt im Frühjahr unter ihre Kontrolle gebracht, doch wurde sie Mitte Juni von den Regierungstruppen wieder zurückerobert.

+++ Separatisten wollen sich der Waffenruhe möglicherweise anschließen +++

Nach der Regierung in Kiew haben auch die Anführer der prorussischen Separatisten im Osten der Ukraine ihre Bereitschaft zu einer Waffenruhe erklärt. Auf der Website der Separatisten hieß es am Donnerstag, die Regierungschefs der selbsterklärten „Volksrepubliken“ von Lugansk und Donezk könnten die Anordnung für die Waffenruhe am Freitag um 15.00 Uhr (Ortszeit, 14.00 MESZ) erteilen. Bedingung sei, dass die Vertreter der Ukraine den von Russland vorgelegten Friedensplan unterzeichneten. Dieser sieht darüber hinaus den Rückzug der ukrainischen Armee, die Freilassung aller Gefangener, die Einrichtung humanitärer Korridore und die Entsendung internationaler Beobachter vor. Der Ukraine-Kontaktgruppe gehören Vertreter Kiews, Moskaus, der Separatisten und der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) an.

Streitpunkte im Ukraine-Konflikt
Fast täglich berichten Militär und prorussische Separatisten von zahlreichen Toten. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen verloren in dem Konflikt mehr als 2000 Menschen ihr Leben.
Hunderttausenden Menschen in der Ostukraine fehlt seit Wochen das Nötigste. Moskau schickte in einem umstrittenen Konvoi gut 2000 Tonnen Hilfsgüter. Auch die Ukraine entsandte daraufhin Hilfe ins Krisengebiet.
Moskaus einseitig durchgeboxte Hilfsaktion ohne Zustimmung Kiews löste massive internationale Kritik aus. Die Ukraine brandmarkte die Einfahrt des Konvois als „Invasion“. Am Montag kündigte die Führung in Moskau einen zweiten Hilfskonvoi an.
Russland hat Zehntausende Soldaten an der Grenze zur Ukraine zusammengezogen. Kiew verdächtigt Russland, die Separatisten heimlich mit Waffen und Kämpfern auszustatten. Russland weist dies zurück und kritisiert die Stationierung von Nato-Einheiten in Osteuropa.
Wegen unbezahlter Rechnungen hat Russland der Ukraine im Juni das Gas abgedreht. Kiew droht Moskau mit einer Unterbrechung des Öl- und Gastransits nach Westeuropa.
Russland sieht in einem Freihandelsabkommen der Ukraine und der EU eine Gefährdung seines eigenen Handels. Der Kreml will dies nun von russischen und ukrainischen Experten prüfen lassen.
Nachdem prorussische Bewaffnete auf der Krim strategisch wichtige Gebäude besetzt hatten, spaltete sich die Halbinsel im März in einem umstrittenen Referendum von der Ukraine ab. Moskau gliederte die Krim in die Russische Föderation ein; Kiew erkennt dies nicht an.

+++ Poroschenko glaubt an Waffenruhe bis Freitag +++

Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko erwartet nach eigenen Worten, dass am Freitag bei einem Treffen der Kontaktgruppe ein Abkommen für einen Friedensplan unterzeichnet wird. Sollte das Treffen bestätigt werden, werde er für die ukrainischen Streitkräfte ab Freitag 13.00 Uhr eine Waffenruhe anordnen. Das Dokument werde ein Stufenplan für eine friedliche Lösung des Konflikts sein, sagte Poroschenko am Donnerstag am Rande des Nato-Gipfels in Newport.

+++ Kiew versetzt Soldaten in Mariupol in höchste Alarmbereitschaft +++

Die Einheiten der ukrainischen Armee in der Nähe der Hafenstadt Mariupol sind nach Angaben aus Militärkreisen in höchste Alarmbereitschaft versetzt worden, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtete. Die Soldaten bereiten sich demnach darauf vor, einen möglichen Angriff der Separatisten zurückzuschlagen. Auch ukrainische Bürgerreporter berichten von einem Vorrücken der Separatisten.

Putin spricht...
„Russland hat keine Absicht, Krieg gegen das ukrainische Volk zu führen.“am 4.3. in einer Pressekonferenz„Wenn ich will, kann ich in zwei Wochen Kiew einnehmen.“am 01.09. in einem Telefonat mit EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso, das dieser öffentlich machte. Die russische Seite erklärte im Anschluss, das Zitat sei aus dem Zusammenhang gerissen worden.
„Die Militarisierung des Weltraums und die US-Stützpunkte in Europa und Alaska, direkt an unserer Grenze, nötigen uns zu einer Reaktion.“am 10.09. in einer Pressekonferenz
„Russland behält sich das Recht vor, alle vorhandenen Mittel zu nutzen, sollte es in östlichen Regionen der Ukraine zu Willkür kommen.“am 4. 3. in einer Pressekonferenz„Diese Gebiete (im Süden und Osten der Ukraine) waren als Neurussland historisch ein Teil des Russischen Reiches. Erst in den 1920er Jahren wurden die Territorien von den Bolschewiken der Ukraine gegeben. Gott weiß warum.“am 17. 4. im russischen Staatsfernsehen„Es müssen umgehend substanzielle inhaltliche Verhandlungen anfangen - nicht zu technischen Fragen, sondern zu Fragen der politischen Organisation der Gesellschaft und der Staatlichkeit im Südosten der Ukraine.“am 31. 8. vor dem Treffen der Ukraine-Kontaktgruppe
„In der Ukraine gibt es bislang keine legitime Macht, mehrere Staatsorgane werden von radikalen Elementen kontrolliert.“am 18. 3. in der Rede an die Nation„Sind sie da jetzt völlig verrückt geworden? Panzer, Schützenpanzerwagen und Kanonen! (...) Sind sie total bekloppt? Mehrfachraketenwerfer, Kampfjets im Tiefflug! (...) Sind sie dort jetzt völlig bescheuert geworden, oder was?am 17. 4. im russischen Staatsfernsehen
„In der Ukraine überschritten die westlichen Partner die rote Linie, verhielten sich grob, verantwortungslos und unprofessionell.“am 18.3. in der Rede an die Nation„Die Vereinigten Staaten dürfen in Jugoslawien, Irak, Afghanistan und Libyen agieren, aber Russland soll es verwehrt sein, seine Interessen zu verteidigen.“am 18.3. in der Rede an die Nation
„Nach dem Zerfall der Sowjetunion wurden die Russen zu einem der größten geteilten Völker der Welt. Millionen von Menschen gingen in einem Land ins Bett und erwachten in einem ganz anderen und wurden zur nationalen Minderheit.“am 18.3. in der Rede an die Nation„Ich glaube daran, dass die Europäer, vor allem aber die Deutschen, mich verstehen werden (...). Unser Land hatte das starke Bestreben der Deutschen nach Wiedervereinigung unterstützt. Ich bin sicher, dass sie das nicht vergessen haben und rechne damit, dass Bürger Deutschlands das Bestreben der russischen Welt, ihre Einheit wiederherzustellen, (...) ebenfalls unterstützen werden.“am 18.3. in der Rede an die Nation

+++ Oppermann warnt vor Eskalation +++

SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann hat die Nato vor einer Verschärfung des Ukraine-Konflikts gewarnt. „Wir hoffen, dass es zu vernünftigen Antworten der Nato kommt. Es hat gar keinen Sinn, jetzt eine weitere Eskalation dieses Konfliktes voranzutreiben“, sagte Oppermann am Donnerstag zum Abschluss einer zweitägigen Klausur der SPD-Bundestagsfraktion in Hamburg. Nun seien Geduld, Vernunft und Besonnenheit gefragt. „Es geht nicht darum, dass wir jetzt mit kräftigen Sprüchen oder aktionistischen Maßnahmen die Dinge weiter betreiben.“ In Richtung Russland und Ukraine sagte Oppermann: „Dieser Konflikt kann nicht mit militärischen Mitteln entschieden werden, er kann nur politisch entschieden werden.“

+++ Nato: Russische Soldaten sind in Ukraine – EU hält an Sanktionen fest +++

Während ein Nato-General am Rande des Gipfeltreffens in Wales von mehreren tausend russischen Soldaten in der Ukraine spricht, hält die EU an ihrer Sanktionslinie fest: Die härteren Wirtschaftssanktionen gegen Russland sollen EU-Diplomaten zufolge auch weiterhin nur für künftige Geschäfte gelten. Die EU-Kommission habe in ihren Entwürfen nicht vorgeschlagen, in bereits bestehende Verträge einzugreifen, sagte eine mit der Sache vertraute Person am Donnerstag. Das gelte sowohl für Finanzmarktgeschäfte als auch für Rüstungsexporte. Eine Einigung zwischen den Botschaftern der 28 EU-Staaten, die am Nachmittag in Brüssel erneut über die Strafmaßnahmen beraten wollten, sei noch im Laufe des Abends möglich. Mit der Regelung, nur künftige Geschäfte mit Russland in bestimmten Bereichen zu verbieten, könnte Frankreich an der vereinbarten Lieferung von zwei Kriegsschiffen an die russische Marine festhalten. Das französische Präsidialamt hatte am Mittwochabend allerdings erklärt, den ersten Hubschrauberträger vorerst nicht auszuliefern. Die Nato geht davon aus, dass zusätzlich zu den Soldaten auf ukrainischem Gebiet weitere 20.000 russische Soldaten nahe der Grenzen zwischen beiden Ländern aufmarschiert sind.

Vor Nato-Treffen

Der neue Eiserne Vorhang

+++ Russland warnt Ukraine vor Nato-Beitritt +++

Der neue Anlauf der Ukraine zur Nato-Mitgliedschaft gefährdet nach Darstellung Moskaus einen möglichen Waffenstillstand und Friedensvertrag für den umkämpften Osten des Landes. Kiews Ankündigung, den blockfreien Status der Ukraine zu beenden, komme angesichts der laufenden Vermittlungsbemühungen zur Unzeit, kritisierte Russlands Außenminister Sergej Lawrow am Donnerstag. „Das ist ein offensichtlicher Versuch, die Bemühungen zum Beginn eines Dialogs über die Garantie der nationalen Sicherheit zu sabotieren", wurde Lawrow von russischen Nachrichtenagenturen zitiert.

Russische Nachrichtendienste
Der zivile Auslandsnachrichtendienst SWR (Slushba Wneschnej Raswedki) betreibt mit mehr als 13.000 Mitarbeitern Spionage in den Bereichen Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Technologie. Zu weiteren wesentlichen Aufgaben gehören die Ausforschung von Zielen und Arbeitsmethoden westlicher Nachrichtendienste und Sicherheitsbehörden sowie die elektronische Fernmeldeaufklärung. Darüber hinaus wirkt der SWR auch an der Bekämpfung des internationalen Terrorismus und der Proliferation mit.(Quelle: Bundesverfassungsschutzbericht 2012)
Der militärische Auslandsnachrichtendienst GRU (Glawnoje Raswedywatelnoje Uprawlenije) verfügt über etwa 12.000 Mitarbeiter, die schwerpunktmäßig mit der Informationsbeschaffung in den Bereichen Sicherheitspolitik und Militär befasst sind. Zu ihren Zielobjekten zählen Bundeswehr, Nato und andere westliche Verteidigungsstrukturen, aber auch militärisch nutzbare Technologien.
Der Inlandsnachrichtendienst FSB (Federalnaja Slushba Besopasnosti) verfügt über ein besonders breit gefächertes Aufgabenspektrum sowie über umfangreiche Befugnisse. Zu seinen Kernaufgaben gehören die zivile und militärische Spionageabwehr, die Beobachtung des politischen Extremismus sowie die Bekämpfung von Terrorismus und Organisierter Kriminalität (OK). Neben der Beteiligung an den fortdauernden Auseinandersetzungen im Nordkaukasus soll er die russische Industrie vor Wirtschaftsspionage und OK sowie ausländische Investoren vor Wirtschaftskriminalität schützen und proliferationsrelevante Aktivitäten in Russland unterbinden.
Russlands Wirtschaft
143,3 Millionen (Stand: 2013).
2012: 654,5 Milliarden Kubikmeter.
2012: 517,9 Millionen Tonnen.
2014: ~ 2215,4 Milliarden US-Dollar
2012: 5,1 Prozent.2013: 6,7 Prozent.*2014: 5,7 Prozent.**) Schätzung bzw. Prognose
2010: 7,5 Prozent.2011: 6,6 Prozent.2012: 5,6 Prozent.
2010: -4,0 Prozent des BIP2011: 0,8 Prozent des BIP2012: -0,1 Prozent des BIP
2010: 4,4 Prozent des BIP, brutto.2011: 5,1 Prozent des BIP, brutto.2012: 3,7 Prozent des BIP, brutto.2013: 2,9 Prozent des BIP, brutto.*2014: 2,3 Prozent des BIP, brutto.**) Schätzung bzw. Prognose
2010: 432,95 Milliarden US-Dollar.2011: 441,16 Milliarden US-Dollar.2012: 473,11 Milliarden US-Dollar.

+++ Experte: „Merkel spielt im Konflikt eine zentrale Rolle“+++

Vor dem Hintergrund des heute beginnenden Nato-Gipfels in Wales hat der amerikanische Deutschland-Experte Jackson Janes vor zu hohen Erwartungen an Bundeskanzlerin Angela Merkel im Ukraine-Konflikt gewarnt. Die zögerliche Haltung von US-Präsident Barack Obama dränge Deutschland in die Rolle einer „Ersatz-USA”, die es nicht erfüllen könne, sagte der Präsident des Instituts für Deutschland-Studien an der Johns-Hopkins-Universität in einem Interview mit Bloomberg. Im Verhältnis zu Russland lasse sich Merkel stattdessen immer eine Hintertür offen. Merkel spiele im Ukraine-Konflikt eine zentrale Rolle, da sie von allen westlichen Regierungschefs die einzige sei, die noch einen Draht zu Russlands Präsident Wladimir Putin habe und ihm sagen könne: „Das droht Dir, wenn Du weiter diesen Weg gehst.” Innerhalb Europas habe die Kanzlerin daher die Aufgabe, die Staaten gegenüber Russland zu einer gemeinsamen Haltung zu bewegen.

+++ Neue Kämpfe in Donezk+++

Augenzeugen in der Rebellenhochburg Donezk berichten von Granateinschlägen in der Nacht. In Petrowka südlich der Stadt soll es auch Tote gegeben haben, was sich zunächst nicht bestätigen lässt.

+++ Rasmussen: Russland greift die Ukraine an+++

Russland greift nach den Worten des Nato-Generalsekretärs Anders Fogh Rasmussen die Ukraine an. Zum Plan Putins ergänzt er, dass alle Bemühungen für eine friedliche Lösung des Ukraine-Konflikts begrüßt würden. Es zähle aber, was tatsächlich im ukrainischen Konfliktgebiet passiere.

+++Lawrow kritisiert Nato-Ambitionen der Ukraine+++

Der russische Außenminister Sergej Lawrow hat vor einem Ende des blockfreien Status der Ukraine gewarnt. Wer die Neutralität der Ex-Sowjetrepublik infrage stelle, gefährde die Suche nach einer Lösung im Ostukraine-Konflikt, sagte er am Donnerstag der Agentur Interfax zufolge in Moskau. „Russland will, dass das ukrainische Volk in dieser Krise siegt. Aber eine Reihe westlicher Länder wünscht sich in diesem Konflikt einen Sieg der Nato“, sagte Lawrow. Die USA würden anderen Staaten ihren Willen aufzwingen.

Die Nato rüstet in Osteuropa auf
Das Vorgehen Russlands in der Ukraine hat die Nato kalt erwischt. Moskau wurde als schwieriger Partner gesehen, die Annexion der Krim, die militärische Einmischung in der Ukraine, die blitzschnelle Stationierung tausender Soldaten an der Grenze und die so entfesselte Bedrohung für die Sicherheitsarchitektur Europas überraschte die Allianz jedoch. Beim Gipfeltreffen im walisischen Newport zieht das Bündnis Konsequenzen.
„Die größte Verantwortlichkeit der Nato bleibt es, unsere Bevölkerung und unser Gebiet zu schützen und zu verteidigen“, sagt Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen. Die Allianz will mit einem Aktionsplan ihre Präsenz in Osteuropa und ihre Reaktionsfähigkeit bei Krisen jeglicher Art „bedeutend“ erhöhen. Das mache die Allianz „schneller, fitter und flexibler“, um sich auf Bedrohungen einzustellen, sagt Rasmussen. Dem Nato-General Jean-Paul Paloméros zufolge soll der Aktionsplan bis Jahresende umgesetzt sein.
Zur Unterstützung der osteuropäischen Alliierten gegen Russland hat die Nato ihre Präsenz dort etwa bei der Luftraumüberwachung bereits verstärkt. Dies solle „so lange wie nötig“ so bleiben, kündigt Rasmussen an. Geplant sind zudem vermehrte Übungen wechselnder Kampftruppen und neue Stützpunkte mit Führungs- und Logistikexperten. Die könnten Medienberichten zufolge in den drei Baltenstaaten sowie Polen und Rumänien eingerichtet werden, was der Nato zufolge aber erst nach dem Gipfel von den militärischen Planern geklärt werden soll. Ferner ist die Modernisierung von Häfen und Flughäfen sowie die Stationierung militärischer Ausrüstung in der Region vorgesehen.
Der Ausbau der Strukturen in Osteuropa dient dazu, eine neue schnelle Eingreiftruppe im Krisenfall in kürzester Zeit dorthin verlegen zu können. „So kann diese neue Truppe leicht reisen und hart zuschlagen, wenn nötig“, sagt Rasmussen. Diese Spezialtruppe soll etwa 4000 Soldaten stark und die neue „Speerspitze“ der bereits bestehenden Nato-Reaktionsstreitmacht („Nato Response Force“) sein. Das Ziel ist einem ranghohen Nato-Vertreter zufolge, dass die in Rotation von den Mitgliedstaaten gestellten Truppen aus ihren jeweiligen Heimatländern innerhalb von zwei Tagen in einem bedrohten Nato-Land einsatzbereit sind. Die Kosten für die Truppe werden Paloméros zufolge bei „mehreren hundert Millionen Euro“ im Jahr liegen.
Die Nato will künftig in jeder Hinsicht besser vorbereitet sein und nach den Worten Rasmussens auch ihr „Frühwarnsystem“ modernisieren, indem das Sammeln und Austauschen von Geheimdiensterkenntnissen verbessert wird. Außerdem überarbeitet das Bündnis seine Verteidigungspläne. „Der Plan wird sicherstellen, dass wir die richtigen Truppen und die richtige Ausrüstung zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort haben“, ist sich Rasmussen sicher.
Da die Ukraine kein Nato-Mitglied ist, profitiert sie nicht von dem Aktionsplan. Die Allianz empfängt in Wales jedoch den ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko, um ihm ihre Solidarität zu zeigen. Aber eine geforderte rasche Hilfe mit Waffen wird Poroschenko nicht zugesagt. „Das ist eine bilaterale Angelegenheit der Mitgliedstaaten“, heißt es bei der Nato. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat Waffenlieferungen Deutschlands an die Ukraine bereits ausgeschlossen. Die Allianz will der Ukraine aber mittel- bis langfristig helfen mit einem Unterstützungsfonds zur Modernisierung der ukrainischen Armee, um die Kommando- und Logistikstrukturen, die Verteidigung gegen Cyber-Angriffe und die Verwundetenversorgung zu modernisieren.
Die Beschlüsse werden die Spannungen zwischen der Nato und Moskau verschärfen. Alle Fakten wiesen darauf hin, dass die USA und die Nato „ihre Politik der Verschlechterung der Beziehungen zu Russland fortsetzen“ wollten, sagte der Vizechef des russischen Sicherheitsrats, Michail Popow, bereits. Die russische Militärdoktrin werde daher bis Jahresende entsprechend aktualisiert.

+++ Polnischer Verteidigungsminister: Russland nicht länger Partner+++

Die Nato sollte Russland nach Ansicht des polnischen Verteidigungsministers Tomasz Siemoniak nicht länger als Partner behandeln. „Russland hat angefangen, Russland hat die Vereinbarung gebrochen, und die Nato und der Westen müssen daraus die Schlussfolgerungen ziehen“, sagte er am Donnerstag vor dem Abflug zum Nato-Gipfel dem polnischen Nachrichtensender TVN24 zum Abkommen der Nato mit Russland aus dem Jahr 1997. „Wir können nicht in den Papieren nach Begründungen suchen, nichts zu tun. Jetzt ist die Zeit zum Handeln“, sagte Siemoniak. Selbst die Nato-Partner mit großer Sympathie für Russland müssten sich damit auseinandersetzen, dass Russland unter Wladimir Putin seine Glaubwürdigkeit verloren habe.

+++ Russland: Frankreich wird den Hubschrauberträger wohl liefern+++

Russland rechnet weiter mit der von Frankreich ausgesetzten Lieferung eines Hubschrauberträgers der Mistral-Klasse. „Wir haben keine Nachricht erhalten, dass der Vertrag nicht mehr gelten sollte“, sagte Oleg Botschkarjow von der militärischen Regierungskommission am Donnerstag in Moskau. Die Ausbildung von 400 russischen Matrosen, die später auf dem Schiff arbeiten sollen, gehe in Frankreich normal weiter. Botschkarjow betonte, er rechne nicht mit einem völligen Stopp der Lieferung. „Wem will Frankreich ein Schiff verkaufen, dass nach russischen Anforderungen gebaut wurde? Seinen Nato-Partnern sicher nicht“, sagte der Experte der Regierung in Moskau. Sollte die französische Führung dennoch den Vertrag annullieren, seien die vereinbarten Strafzahlungen wohl unausweichlich. Russische Medien nannten zuletzt eine mögliche Gesamtsumme von bis zu drei Milliarden Euro.

+++ Neue Nato-Truppe könnte teuer werden +++

+++ EU-Sanktionen ein Erfolg? +++

Eurogruppen-Chef Dijsselbloem sieht Erfolge bei den EU-Sanktionen gegen Russland im Finanzsektor. „Das war ein weiser Ansatz und wir haben da durchaus die Möglichkeit nachzulegen.“ Die EU könne die Maßnahmen verschärfen, müsse das aber nicht, sagt er vor dem EU-Parlament.

+++ Von der Leyen zweifelt an Putins Absichten +++

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hat kaum Vertrauen in die russischen Vorschläge zur Beilegung des Ukraine-Konflikts. „Ich wünschte, der Sieben-Punkte-Plan wäre ein Hoffnungszeichen“, sagte von der Leyen im ZDF-Morgenmagazin. „Aber wir haben in der Vergangenheit so oft häufig erlebt, dass Präsident Putin etwas sagt, aber das Gegenteil tut, dass ich im Augenblick noch abwartend bin.“ Kurz vor dem Nato-Gipfel betonte von der Leyen zugleich das deutsche Bekenntnis zum Nato-Abkommen mit Russland. Zwar habe Russland die Nato-Grundakte gebrochen, sagte sie. „Wir können nicht einreißen, was in den letzten 25, 30 Jahren aufgebaut worden ist gemeinsam. Und es wird eine Zeit geben nach Präsident Putin, eine Zeit nach der Krise.“

+++ Lawrow will mit OSZE zusammenarbeiten +++

Russlands Außenminister Lawrow erklärt, sein Land sei bereit, mit der OSZE an einer Deeskalation der Ukraine-Krise zu arbeiten. Die Konfliktparteien in Kiew, Donezk und Lugansk ruft er auf, die Pläne von Präsident Wladimir Putin für eine Waffenruhe in Erwägung zu ziehen. Der britische Premierminister Cameron droht unterdessen Russland mit einer Erhöhung des Drucks.

+++ Flughafen Donezk von Separatisten angegriffen +++

Trotz jüngster Friedensbemühungen haben sich Armee und Aufständische in der Ostukraine erneut schwere Gefechte geliefert. Die prorussischen Separatisten hätten den von Regierungseinheiten besetzten Flughafen von Donezk unter Feuer genommen, berichteten Medien aus der krisengeschüttelten Ex-Sowjetrepublik am Donnerstag. „Wir haben zwei Angriffsringe um den Flughafen gezogen - den Soldaten bleibt nur, zu kapitulieren oder zu sterben“, sagte der Separatistenführer Wladimir Kononow. Bereits Ende Mai hatten die militanten Gruppen eine Großoffensive auf den Airport gestartet. Dabei waren mehr als 50 Aufständische ums Leben gekommen.

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+++ Poroschenko auf dem Weg nach Wales +++

Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko ist auf dem Weg zum Nato-Gipfel nach Wales. Das teilte die Kanzlei des prowestlichen Staatschefs in Kiew mit. Poroschenko wolle bei dem Treffen auch über seine Verhandlungen mit Kremlchef Wladimir Putin berichten, hieß es. Die beiden Präsidenten sprachen zuletzt über eine Feuerpause und über Wege zum Frieden in der Ostukraine. Die Staats- und Regierungschefs der Nato kommen an diesem Donnerstag in Wales zu einem zweitägigen Gipfel zusammen. Beherrschendes Thema ist das Verhältnis zu Russland.
Lesen Sie hier mehr zum Nato-Gipfel:

dpa, rtr, afp, ap
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