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GrönlandUS-Vize kritisiert Dänemark – vermeidet aber Annexionsdrohungen

Dänemark habe nicht genug in Grönland investiert. Während Trump fast zeitgleich erneut die Kontrolle über die Insel fordert, betonte Vance das Selbstbestimmungsrecht der Grönländer.Helmut Steuer 28.03.2025 - 22:55 Uhr Artikel anhören
US-Vizepräsident J.D. Vance und seine Frau Usha besuchen den Militärstützpunkt Pituffik, Dänemark. Foto: Jim Watson/Pool AFP/AP/dpa

Stockholm. Der amerikanische Vizepräsident J.D. Vance hat während seines Besuchs auf dem grönländischen US-Stützpunkt Pituffik den Bündnispartner Dänemark scharf kritisiert. „Dänemark hat keinen guten Job gemacht, und das muss sich ändern.“ Er bezog sich darauf, dass die Kolonialmacht Dänemark in den vergangenen 20 Jahren nicht genug in Sicherheit und Infrastruktur auf der Arktisinsel investiert hat. „Unsere europäischen Partner haben auch nicht genug getan“, ergänzte Vance.

Während US-Präsident Trump seit seiner Amtseinführung im Januar wiederholt Gebietsansprüche gegenüber Grönland geäußert hat, hielt sich sein Vize zurück und betonte mehrfach das Selbstbestimmungsrecht der Grönländer. „Wir hoffen, Sie wählen den richtigen Weg“, sagte er vor den Soldaten in Pituffik und den mitgereisten Pressevertretern. Allerdings fügte er hinzu, dass „Grönland sicherer mit den USA als mit Dänemark“ sein werde.

US-Präsident Donald Trump hatte nur kurz vor Vances Ankunft in Grönland während einer Pressekonferenz erneut die Kontrolle über Grönland gefordert. „Wir brauchen Grönland für die internationale Sicherheit. Wir müssen Grönland haben. Überall fahren chinesische und russische Schiffe, und wir vertrauen Dänemark nicht, dass es diese Situation lösen kann“, so Trump. Und: „Wenn Dänemark das nicht versteht, müssen wir es ihnen erklären.“

In Dänemark wurde der Besuch von Vance mit großem Interesse verfolgt. Grönland gehört seit 1953 zum dänischen Königreich, will aber unabhängig werden. „Der US-Vizepräsident hat deutlich gemacht, dass die USA die Souveränität Grönlands und das Recht auf Selbstbestimmung respektieren. Es war wichtig, dass dieses deutlich gemacht wurde“, teilte Dänemarks Regierungschefin Mette Frederiksen am Freitagabend mit. Sie räumte ein, dass die Sicherheit in der arktischen Region erhöht werden müsse. Beobachter in Kopenhagen und Nuuk glauben, dass demnächst Verhandlungen mit den USA über einen Ausbau sowohl der amerikanischen als auch der dänischen Präsenz in Grönland eingeleitet werden.

Große Mehrheit ist gegen einen Anschluss an die USA

Dem Besuch von Vance in Grönland waren turbulente Tage auf der größten Insel der Welt vorausgegangen. Zunächst war nur ein privater Besuch von Vances Ehefrau Usha Vance, dem nationalen Sicherheitsberater Mike Waltz und Energieminister Chris Wright in der Hauptstadt Nuuk und in Sisimiut bekannt gegeben worden. In Sisimiut wollte sich Usha Vance ein traditionelles Hundeschlittenrennen anschauen und mehr über die grönländische Kultur erfahren, wie sie mitteilte.

Doch am Dienstagabend kündigte Vizepräsident Vance an, dass er seine Frau begleiten werde, um „sich ein Bild über die Sicherheitslage in Grönland zu machen“. Gleichzeitig wurden die Besuche in Nuuk und Sisimiut abgesagt – wohl auch, weil sich kein offizieller Gesprächspartner gefunden hat. Gespräche auf dem US-Stützpunkt haben für Vance dagegen den positiven Nebeneffekt, dass er keine für ihn unschönen Bilder mit Demonstranten gegen die amerikanischen Machtansprüche riskieren muss. Denn mehr als 85 Prozent der grönländischen Bevölkerung sind gegen einen Anschluss an die USA.

Vance hält seine Rede auf einem US-Stützpunkt – fernab von der dänischen Bevölkerung und möglichen Demonstranten. Foto: Jim Watson/Pool AFP/AP/dpa

Auch die politischen Parteien in Grönland sind sich einig in ihrer Haltung gegenüber den USA. An die Adresse von Trump gerichtet veröffentlichten alle fünf im Parlament vertretenen Parteien eine gemeinsame Erklärung. „Wir, die Parteivorsitzenden aller Parteien, akzeptieren die erneuten Aussagen zur Einverleibung und Kontrolle Grönlands nicht.“ Und: „Dieses Verhalten gegenüber Freunden und Verbündeten halten wir als Parteivorsitzende für inakzeptabel.“ Selbst die nationalistische Naleraq, die einem Assoziierungsvertrag mit den USA während des Wahlkampfs Anfang des Monats nicht abgeneigt war, schloss sich der gemeinsamen Erklärung an.

Empört war die Politik auch, dass Vance und seine Frau Usha ihren Besuch mitten in die Regierungsbildungsverhandlungen gelegt hatten. Nach den Wahlen am 11. März verhandelte der Wahlsieger Jens-Frederik Nielsen von der sozialliberalen Partei Demokraatit bis zum späten Donnerstagabend mit den übrigen Parteien über die Regierungsbildung. Am Freitag, nur wenige Stunden vor Ankunft des amerikanischen Vizepräsidenten, konnten er und seine Koalitionspartner vor die Presse treten und die Einigung auf eine breite Koalitionsregierung verkünden: Von den fünf im grönländischen Parlament vertretenen Parteien sind vier Mitglieder der neuen Regierung. Nur die nationalistische Partei Naleraq gehört der neuen Regierung nicht an.

Mit der Bildung der neuen, breiten Koalitionsregierung setzen die Politiker auf der Arktisinsel auch ein Zeichen. „Es ist sehr wichtig, dass wir Meinungsverschiedenheiten und Streitigkeiten beiseitelegen und sicherstellen, dass wir als ganze Gesellschaft zusammenhalten. Nur so können wir dem großen Druck, der von außen auf uns ausgeübt wird, begegnen“, erklärte der neue Regierungschef Nielsen.

Im Wahlkampf hatten die Annexionspläne der USA nur eine untergeordnete Rolle gespielt. Viele Grönländer nahmen die Drohungen aus Washington nicht wirklich ernst. Erst wenige Tage vor den Wahlen kippte die Stimmung und nicht mehr die Unabhängigkeit von Dänemark stand im Mittelpunkt, sondern die amerikanischen Übernahmepläne.

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Eines hat die US-Politik in Grönland erreicht: Selten zuvor waren sich die politischen Parteien so einig, und selten war das Verhältnis zur Kolonialmacht Dänemark so entspannt wie derzeit. Die Unabhängigkeit steht zwar weiter oben auf der Tagesordnung, aber es soll ein „geordneter Loslösungsprozess“ gefunden werden, wie es der neue Regierungschef ausdrückte.

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