Kommentar: Trump lässt in Grönland einfach nicht locker

Siehe da: Maga ist auch in Grönland populär, ebenso wie rote Hüte. Nur ist die Botschaft, die mit dem Mützen-Slogan verbunden ist, eine ganz andere als in den USA unter Präsident Donald Trump.
Nicht für „Make America Great Again“ steht Maga auf der arktischen Insel, sondern für „Make America Go Away“ – Amerika, lass uns in Ruhe. Die Grönländer sind genervt, ihre Botschaft verbreitet sich viral im Netz. Doch die Stalker aus Washington lassen nicht locker. Nein heißt nein, aber nicht für Trump.
Am Freitag landeten die ungebetenen Gäste auf dem dünn besiedelten, schnee- und eisbedeckten Territorium, das seit Jahrhunderten zum dänischen Königreich gehört: Vizepräsident J.D. Vance mit seiner Frau Usha, auch der durch das peinliche „Signal-Gate“ angeschlagene nationale Sicherheitsberater Mike Waltz war dabei.
» Lesen Sie auch: Trump wandelt auf den Spuren von Wladimir Putin
Man wolle sich über die Sicherheit in der Arktis informieren, behauptet die Trump-Truppe, der Besuch auf einem amerikanischen Militärstützpunkt diene dazu, sich ein Bild von den Bewegungen russischer und chinesischer Schiffe in der Region zu machen. Das ist ein ernstes Thema, das die Amerikaner in der Nato besprechen sollten.
Darum geht es der US-Regierung aber nicht. Ihr eigentliches Ziel ist plump und imperialistisch. Es geht um Landraub. Der Präsident selbst hat es skizziert, schon in seiner Antrittsrede vor zwei Monaten. Seitdem wiederholt er es fast wöchentlich.
Töne wie aus dem Kreml
Grönland ist für den ehemaligen New Yorker Tycoon zur Obsession geworden, ein unerschlossenes Stück Land, reich an Rohstoffen und strategisch günstig gelegen – das weckt seine Gier. „Wir müssen es haben“, sagt Trump. Wenn Kremlherrscher Wladimir Putin über die Ukraine spricht, klingt das kaum anders.
Grönland: Geht es Trump um Sicherheit – oder Rohstoffe?
Der größte Fehler der Europäer wäre es nun, dem seit Jahren geäußerten diplomatischen Rat zu folgen und Trump zwar ernst, aber nicht wörtlich zu nehmen. Die öffentlich inszenierten Expansionsgelüste sind keine raffinierte Strategie, um Dänemark und andere europäische Staaten dazu zu bringen, mehr zur Sicherung arktischer Schifffahrtsrouten beizutragen.
Der Präsident meint, was er sagt. Er will seinen Machtbereich ausdehnen – und wird nicht leicht davon abzubringen sein. Trumps Pläne sind eine direkte Bedrohung für die transatlantische Sicherheit.
Eine Invasion eines friedlichen Landes, eine Aggression gegen einen engen Alliierten wie Dänemark droht bisher nicht. Trump wird mit wirtschaftlichem und politischem Druck versuchen, einen Deal mit Dänemark und Grönland zu schließen. Doch wenn daraus nichts wird? Wenn Trump vor der Wahl steht, sein Scheitern einzugestehen oder ein militärisches Wagnis einzugehen, wird es ernst.
Die Europäer müssen alles tun, damit es nicht so weit kommt. Sie müssen zusammenhalten, Trump hinhalten, seiner Regierung Rohstoffkooperationen anbieten und, ja, auch Gespräche über die Unabhängigkeit Grönlands führen. All das, um Zeit zu gewinnen, bis der imperialistische Spuk in Washington irgendwann vorbei ist.