KI: Wie die EU unabhängiger von China und den USA werden will
Brüssel. Die EU-Kommission plant, auf KI basierende Tools zu fördern, um die digitale Souveränität der EU zu stärken. Das geht aus einem Strategieentwurf hervor, der dem Handelsblatt exklusiv vorliegt. Insgesamt soll eine Milliarde Euro aus bestehenden Mitteln für Investitionen bereitgestellt werden.
Dadurch soll die Abhängigkeit Europas insbesondere von China und den USA im Bereich der Künstlichen Intelligenz verringert werden. Es ist geplant, die Strategie am Mittwoch im Kreis der Kommissare zu beschließen und in Straßburg offiziell vorzustellen. Gleichzeitig will die EU-Kommission ihre Strategie für den Einsatz von KI in der Wissenschaft präsentieren.
Mit den beiden Strategien setzt die EU-Kommission ihre „KI-Kontinent“-Strategie fort. Die hat das Ziel, Europa zu einem planungssicheren Standort für Künstliche Intelligenz zu machen. Fünf sogenannte Gigafabriken sind hier angedacht, in denen KI-Modelle entwickelt und trainiert werden könnten. Vier Milliarden Euro investiert die EU, auch aus Deutschland sind hier Bewerbungen eingegangen.
Bisher dominieren China und die USA den Markt, weil dort Technologieführer sitzen und die Regierungen massiv in KI-Infrastruktur wie Rechenzentren investieren. Europäische KI-Anwendungen kämen in Europa daher auch nicht ausreichend zum Einsatz, bemängelt die EU-Kommission.
Das soll die neue Strategie ändern. Ziel ist, die Industrie und den öffentlichen Sektor darin zu unterstützen, „besser zu verstehen, was KI kann, wo sie effektiver ist und wie sie Wettbewerbsvorteile bringen kann“, heißt es in dem Dokument. Dafür sollen Unternehmen in Zukunft einer „AI first“-Politik folgen. Stehen Unternehmen zum Beispiel vor einer großen Herausforderung, sollen sie sich zuerst fragen, wie Künstliche Intelligenz ihnen dabei helfen kann, diese Herausforderung „besser, effizienter und innovativer“ zu lösen.
Um das Ziel zu erreichen, definiert die Kommission zehn strategische Sektoren, in denen sie die Verwendung von europäischer KI besonders verstärken will. Dazu zählen unter anderem Gesundheit, Verteidigung und Mobilität. Es können noch weitere hinzukommen.
EU will auf eigene KI setzen
In einem ersten Schritt sollen Unternehmen und Organisationen im öffentlichen Sektor auf den Einsatz europäischer KI setzen. Dafür fördere die Strategie „einen Wandel in der Herangehensweise“, heißt es in dem Dokument. Gleichzeitig sollen Chancen und Risiken besser eingeschätzt werden können.
Das EU-Parlament kritisiert den Vorschlag. „Nicht PR-Ankündigungen, sondern knallharte Standortbedingungen wie weniger Regulierung, günstigere Energie oder bessere Bedingungen für Wagniskapital entscheiden, ob Europa zum KI-Spitzenreiter oder Trittbrettfahrer wird“, sagte etwa die Europaabgeordnete Svenja Hahn (FDP).
Ohne tiefgreifende Reformen werde die Strategie Hahn zufolge ins Leere laufen. Um bessere Bedingungen für Innovationen zu schaffen, fordert die EU-Abgeordnete zudem eine Pausierung der Umsetzung des „AI Act“: „Ein Anhalten der Umsetzung des Gesetzes wäre essenziell.“
Unterstützung erhält Hahn aus der CDU: Die Strategie sei „ehrenwert“, sagt der EU-Abgeordnete Axel Voss. Doch statt mit immer neuen Papieren zu kommen, müsse es jetzt um die Umsetzung gehen. „Andernfalls verpassen wir den Anschluss vollständig.“