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Nahost – Die LageIsrael forciert Angriffe – Bewegt sich Irans Führung?

Der Krieg zwischen Israel und dem Iran dauert eine weitere Nacht an. Israels Militär verkündet den Tod eines wichtigen Kommandeurs der iranischen Revolutionsgarden. 17.06.2025 - 10:17 Uhr aktualisiert Artikel anhören
Rauchwolke in Teheran: Israel intensiviert seine Angriffe. Foto: AP

Tel Aviv. Israel hat seine massiven Angriffe im Iran in der Nacht intensiviert – Gegenangriffe des Irans in der Nacht mit inzwischen nur noch einzelnen Raketen blieben dagegen laut israelischen Medien diesmal ohne verheerende Folgen.

Am Dienstagmorgen feuert der Iran dann erneut Raketen auf Israel. Der staatliche Rundfunk sprach von einem „Raketenregen“ auf Ziele in Israel. Die israelische Armee teilte mit, die Luftabwehr sei im Einsatz, um die Bedrohung abzuwehren.

Die Bevölkerung sei angewiesen, bis auf Weiteres in den Schutzräumen zu bleiben, teilte das israelische Militär am Morgen mit. Laut der „Times of Israel“ waren im Raum der Stadt Jerusalem Explosionen zu hören.

Nach den Raketenattacken hat der Iran eine Angriffswelle mit Drohnen auf Israel gestartet. Die Angriffe mit den sogenannten Kamikazedrohnen sollten intensiviert werden, sagte Kiumars Heydari, Kommandeur der iranischen Bodenstreitkräfte, laut der staatlichen Nachrichtenagentur Irna.

„Der Feind soll wissen, dass eine neue Welle massiver Angriffe durch die Streitkräfte (...) mit neuen und fortschrittlichen Waffen begonnen hat und sich in den kommenden Stunden noch verstärken wird“, zitierte die Staatsagentur den Kommandeur.

US-Präsident Donald Trump hatte die Einwohner der iranischen Hauptstadt Teheran zuvor zur Flucht aufgefordert. „Jeder sollte Teheran sofort verlassen“, schrieb Trump auf Truth Social und schürte damit Ängste. Danach verließ er vorzeitig den G7-Gipfel in Kanada, hatte aber zuvor angedeutet, der Iran sei zu Verhandlungen bereit.

US-Präsident Trump stellte am Dienstagmorgen klar, nicht wegen einer Vermittlung einer Waffenruhe zwischen Israel und dem Iran vorzeitig vom G7-Gipfel nach Washington abgereist zu sein. Er weist auf seiner Plattform Truth Social entsprechende Äußerungen des französischen Präsidenten Emmanuel Macron zurück.

Macron habe „fälschlicherweise gesagt, ich hätte den G7-Gipfel in Kanada verlassen, um nach D.C. zurückzukehren und dort an einer ‚Waffenruhe‘ zwischen Israel und dem Iran zu arbeiten“, schreibt Trump.
„Er hat keine Ahnung, warum ich jetzt auf dem Weg nach Washington bin, aber es hat sicherlich nichts mit einer Waffenruhe zu tun“, schrieb Trump dort weiter. „Es geht um etwas viel Größeres als das.“ Macron liege immer falsch.

Berichte über einen angeblichen Kriegseintritt des Israel-Verbündeten USA wies Washington in der Nacht als „falsch“ zurück.

Israel: Zentraler Kommandeur der Revolutionsgarden getötet

Israels Militär meldete den Tod eines wichtigen Kommandeurs der iranischen Revolutionsgarden. Generalmajor Ali Schadmani sei bei einem Luftangriff in der Nacht zu Dienstag getötet worden, teilte das Militär mit. Aus dem Iran gab es zunächst keine Bestätigung dafür.

Israels Armee bezeichnete ihn als „ranghöchsten militärischen Befehlshaber“. Schadmani war der Nachfolger von Gholam-Ali Raschid, der bereits am Freitag zu Kriegsbeginn bei einem israelischen Angriff ums Leben kam. Sie waren Kommandeure des zentralen Hauptquartiers Chatam al-Anbija. Das Hauptquartier gehört zu den mächtigen Revolutionsgarden und ist eine Unterabteilung des Generalstabs, verantwortlich für die Planung und Koordination von Operationen verschiedener Militäreinheiten.

Bei israelischen Luftangriffen in Teheran kamen inzwischen rund 20 Generäle ums Leben. Einige Kommandeure wurden Medienberichten zufolge auch in ihren Wohnungen der Millionenmetropole getötet. Bei den Angriffen auf dicht besiedelte Viertel der Hauptstadt gab es auch Dutzende zivile Opfer.

Trump: Der Iran will einen Deal

„Es wird ein Abkommen unterzeichnet werden, und ich denke, der Iran ist dumm, wenn er es nicht unterzeichnet“, sagte Trump. Andernfalls werde etwas passieren, schob er nach, ohne konkreter zu werden. „Sie wollen einen Deal machen, und sobald ich hier weg bin, werden wir etwas unternehmen.“

Das Weiße Haus diskutiere mit dem Iran über die Möglichkeit eines Treffens in dieser Woche zwischen dem US-Gesandten Steve Witkoff und dem iranischen Außenminister Abbas Araghtschi, berichtete die US-Nachrichtenseite „Axios“ am Morgen unter Berufung auf vier mit der Angelegenheit vertraute Quellen.

Kanada

„Irgendetwas wird passieren“: Trump verlässt den G7-Gipfel vorzeitig

Die G7-Chefs verständigten sich unterdessen unerwartet auf eine gemeinsame Erklärung zu dem Krieg. In dem Text wird der Iran als „die Hauptquelle regionaler Instabilität und des Terrors“ bezeichnet und Israels Recht auf Selbstverteidigung betont. Man habe stets unmissverständlich klargestellt, dass der Iran niemals in den Besitz einer Atomwaffe gelangen dürfe.

Araghtschi sieht den Schlüssel zur Beendigung des Krieges bei Trump. „Ein Anruf aus Washington genügt, um jemandem wie (dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin) Netanjahu den Mund zu verbieten. Das könnte den Weg für eine Rückkehr zur Diplomatie ebnen“, schrieb er auf der Plattform X. „Netanjahu hält einen weiteren US-Präsidenten zum Narren.“ 

Menschen fliehen aus Teheran

Es blieb unklar, was der Beweggrund für Trumps Evakuierungsaufruf an die Bevölkerung Teherans war. Bereits seit dem Wochenende gibt es Berichte über lange Staus auf Ausfallstraßen, weil viele der 15 Millionen Einwohner der Metropole aus Sorge vor einer noch größeren Eskalation fliehen.

Iranischen Berichten zufolge gab es in der Nacht im Raum der Hauptstadt wieder schwere Explosionen und Abwehrfeuer. Zuvor hatte bereits Israels Ministerpräsident Netanjahu die Einwohner Teherans zur Flucht aufgerufen.

Lange Staus auf den Straßen Teherans. Foto: AFP

„Wir sagen den Bürgern Teherans: "Verlasst die Gegend!" – und wir handeln“, sagte Netanjahu. Israel hatte zunächst zur Evakuierung eines Stadtteils aufgerufen. Kurz darauf wurde dort das Hauptgebäude eines staatlichen Senders getroffen.

Dem Sender zufolge gab es Tote und Verletzte. Seit Beginn der Angriffe in der Nacht zum Freitag hat Israel dem Machtapparat des Irans schwere Schläge versetzt. Netanjahu scheint nun auch eine gezielte Tötung von Irans Oberstem Anführer Ajatollah Ali Chamenei nicht auszuschließen.

Netanjahu: Tötung Chameneis könnte Konflikt beenden

„Das wird den Konflikt nicht eskalieren lassen, das wird den Konflikt beenden“, sagte Netanjahu im Interview des US-Senders ABC auf die Frage, ob er die Sorge der US-Regierung teile, dass eine Tötung Chameneis den Konflikt außer Kontrolle geraten lassen könnte.

Auf die direkte Frage, ob Israel plane, Chamenei zu töten, sagte er: „Wir tun, was wir tun müssen. Ich werde da keine Details erörtern.“ Am Wochenende hatte es Berichte gegeben, wonach US-Präsident Trump in den vergangenen Tagen Einspruch gegen israelische Pläne für die Tötung des iranischen Staatsoberhaupts eingelegt haben soll.

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu scheint nun auch eine gezielte Tötung von Irans Oberstem Anführer Ajatollah Ali Chamenei nicht auszuschließen. Foto: Maya Alleruzzo/AP/dpa

Nach Darstellung eines israelischen Militärsprechers hat Israel inzwischen die „volle Luftüberlegenheit“ über Teheran erreicht. Ein Teil der Raketenangriffe aus dem Iran sei durch israelische Luftangriffe vereitelt worden.

Ein Sprecher der iranischen Revolutionsgarden hatte der staatlichen Nachrichtenagentur Irna zufolge zwar in der Nacht angekündigt, eine neue Welle an Angriffen auf den Erzfeind Israel werde bis zum Morgen „ununterbrochen fortgesetzt“. Israelischen Medienberichten zufolge handelte es sich jedoch nur um kleine Anzahl von Raketen, die über der Küstenmetropole Tel Aviv und der Stadt Haifa abgefangen wurden. Berichte über Einschläge oder Verletzte gab es nicht.

Israelische Raffinerie nach Angriff außer Betrieb

Nach einem iranischen Raketenangriff am Sonntag auf eine wichtige Raffinerie in Haifa hat der Betreiber Berichten zufolge alle Anlagen des Betriebs stillgelegt. Es habe große Schäden gegeben, teilte der israelische Öl- und Petrochemiekonzern Bazan laut israelischen Medien mit. Wie lange die größte Raffinerie des Landes außer Betrieb bleibt, wurde nicht berichtet. Die Raffinerie produziert einen Großteil der zivilen und militärischen Ölprodukte Israels. 

Das US-Militär unterstützt Israels Verteidigung. Gleichzeitig betont die US-Regierung, dass sie sich nicht an den Kämpfen zwischen Israel und dem Iran beteiligt. Die US-Truppen im Nahen Osten hielten weiter daran fest, sich bei Bedarf zu verteidigen, betonte ein Pentagon-Sprecher auf X.

Kurz zuvor hatte Verteidigungsminister Pete Hegseth erklärt, er habe am Wochenende zum Schutz der eigenen Truppen im Nahen Osten eine Verstärkung der Militärpräsenz in der Region angeordnet. Details nannte er nicht.

USA verstärken Militärpräsenz im Nahen Osten

Übereinstimmenden Medienberichten zufolge schickt das US-Militär einen zweiten Flugzeugträger in den Nahen Osten. Zudem sollen die USA am Wochenende Dutzende Tankflugzeuge nach Europa verlegt haben, um sie im Bedarfsfall schnell im Nahen Osten einsetzen zu können. Der Schutz der eigenen Truppen in der Region Nahost habe Vorrang, heißt es.

„Der Iran darf keine Atomwaffe besitzen“

Israel will nach eigener Darstellung mit den Angriffen verhindern, dass der Iran eine Atombombe bauen kann. Die Führung in Teheran betont dagegen, dass das Atomprogramm zivilen Zwecken diene.

In seinem Post auf Truth Social schrieb US-Präsident Trump, Teheran hätte im Streit um das iranische Atomprogramm das von ihm vorgeschlagene Abkommen unterschreiben sollen. Das sei eine „Verschwendung von Menschenleben“. In Großbuchstaben ergänzte er: „Der Iran darf keine Atomwaffe besitzen.“

US-Präsident Donald Trump: „Der Iran darf keine Atomwaffe besitzen.“ Foto: Darryl Dyck/The Canadian Press/A
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Mehrere arabische Staaten und die Türkei verurteilten die Angriffe Israels auf den Iran. Es sei unerlässlich, dass „Israels Feindseligkeiten gegen den Iran“ eingestellt werden, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung. Ziel müsse eine „umfassende Feuerpause“ sein.

Dringend nötig sei, den Nahen Osten zu einem Gebiet ohne Atomwaffen und ohne andere Massenvernichtungswaffen zu machen. Dies müsse „ohne Ausnahme für alle Staaten in der Region gelten in Übereinstimmung mit den maßgeblichen internationalen Resolutionen“.

dpa
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