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RusslandBahn vom Kohle-Oligarchen: Der Transsibirischen Eisenbahn droht private Konkurrenz

Russlands Regierung diskutiert über eine private Eisenbahn in Sibirien. Die Strecke gilt als Alternative zur Modernisierung der Baikal-Amur-Magistrale.André Ballin 19.07.2021 - 14:43 Uhr Artikel anhören

Den beiden bekanntesten Bahnlinien Russlands – der Transsibirischen Eisenbahn (Transsib) und der Baikal-Amur-Magistrale (BAM) droht durch die Erschließung neuer Lagerstätten in Sibirien die Überlastung.

Foto: Reuters

Moskau. Staugefahr im Osten Russlands: Den beiden bekanntesten Bahnlinien Russlands – der Transsibirischen Eisenbahn (Transsib) und der Baikal-Amur-Magistrale (BAM) - droht durch die Erschließung neuer Lagerstätten in Sibirien die Überlastung. Ein Kohlemagnat will daher jetzt eine eigene Bahnlinie bauen.

Konkret geht es um eine 500 Kilometer lange Strecke von der sibirischen Teilrepublik Jakutien bis an das Ochotskische Meer, ein kaltes Randmeer des Pazifischen Ozeans.

Die Bahnlinie wäre ein Abzweig der BAM in Richtung Nordosten und hätte eine Durchlasskapazität von etwa 30 Millionen Tonnen pro Jahr, die der derzeitigen Konzeption nach ausschließlich für den Kohletransport gedacht sind.

Hintergrund sind Schwierigkeiten beim Abtransport der Kohle aus der Elga-Kohlemine im Südosten Jakutiens. Die Koks-Reserven der Lagerstätte belaufen sich nach Schätzungen auf 2,2 Milliarden Tonnen. In allen Kohlelagerstätten Jakutiens insgesamt wurden im vergangenen Jahr 20 Millionen Tonnen Kohle gefördert, 2021 soll die Menge verdoppelt werden, und bis 2025 ist der Export von 64 Millionen Tonnen Kohle vorgesehen, davon 30 Millionen aus der Elga-Kohlemine.

Koks ist für die Stahlindustrie wichtig. Während Europa im Zuge der neuen Klimapolitik künftig auf Kohle als Energieträger verzichten will, bleibt der Rohstoff gerade in asiatischen Ländern wie China, Indien, Japan und Südkorea vorerst sehr gefragt. Theoretisch böten sich damit für die Kohle aus der Elga-Mine, die zu Koks verarbeitet wird, gute Absatzmöglichkeiten – wenn es denn einen entsprechend großen Eisenbahnanschluss Richtung Meer gäbe.

Der Plan des Kohlemagnaten ist ein Tabubruch

Die staatliche russische Eisenbahn AG RZD als weitgehender Schienenmonopolist in Russland hatte den Ausbau und die Modernisierung der BAM bereits geplant. Für die Abfuhr der jakutischen Kohle hat die RZD immerhin schon umgerechnet zwei Milliarden Euro an Fördergeldern aus dem Nationalen Wohlstandsfonds beantragt. Doch die nächste Ausbauetappe der BAM soll erst 2024 beginnen.

Daher hat der Besitzer der Mine, der ursprünglich im Telekom-Geschäft beheimatete Großunternehmer Albert Awdoljan, angeboten, die Strecke auf eigene Rechnung zu bauen. Die Ratingagentur HPA schätzt die Kosten einschließlich des Aufbaus eines Kohleterminals in der Ortschaft Tschumikan auf 2,5 bis drei Milliarden Dollar.

Das wäre in gewisser Hinsicht ein Tabubruch. Russlandweit gibt es nur drei über 100 Kilometer lange Bahnstrecken, die nicht im Besitz der RZD sind. Alle drei sind allerdings nur Zubringer, die von einer Lagerstätte hin zum Gesamtnetz der Bahn führen. Die längste (321 Kilometer) und teuerste ist ironischerweise die Strecke von Elga nach Ulak an der BAM. Die Kapazität ist allerdings nicht ausreichend, zumal auch auf der BAM anschließend Engpässe drohen.

Also will Awdoljan in die andere Richtung weiterbauen, um damit unabhängig von der RZD Zugang zum Hafen zu haben. Die RZD ist nicht dagegen, hat sie doch genügend andere Baustellen. Bahnchef Oleg Belosjorow bezeichnete die Strecke als Alternative zur Erweiterung der BAM. „Die Kollegen haben eine Variante vorgeschlagen, eine eigenständige Linie Richtung Stiller Ozean zu bauen. Das wird keine BAM und keine Transsib, sondern eine neue parallele dritte Trasse Richtung Stiller Ozean“, präsentierte Belosjorow das Projekt Russlands Präsident Wladimir Putin.

Prinzipiell hat der Kremlchef bereits grünes Licht gegeben, sollte das Projekt „sinnvoll“ sein. „Es muss einfach etwas getan werden, wir können nicht nur herumsitzen“, forderte Putin den Ausbau der Transportwege für die sibirische Kohle gen Osten.

Abkehr vom bisherigen ökonomischen Kurs

Nun befasst sich die Regierung mit dem Projekt. Laut Vizepremier Marat Chusnullin, verantwortlich für den Aufbau Ost in Russland, „verdient das Projekt Aufmerksamkeit, erfordert aber eine detailliertere Ausarbeitung als Ergänzung zur allgemeinen Modernisierung der BAM“. Ein Expertenausschuss soll nun möglichst zeitnah Logistik, Kosten und mögliche Risiken abschätzen. Sollten die Beamten den Bau absegnen, könnte er bereits 2022 beginnen.

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Die Realisierung des Projekts ist aus zwei Gründen interessant: Erstens zeugt sie davon, dass Russland trotz der stärker werdenden Klimadiskussion an seinem Status als Rohstofflieferant festhalten will und dabei zunehmend auf den asiatischen Markt setzt. Zweitens setzt der Kreml mit der Erlaubnis für eine private Bahnlinie ein Zeichen gegen den eigenen bisherigen ökonomischen Kurs, der in den vergangenen Jahren zu einer immer stärkeren Verstaatlichung der Wirtschaft geführt hat.

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