Nato einfach erklärt: Was ist die Nato und welche Funktionen erfüllt sie?
Nato-Hauptquartier in Brüssel.
Foto: REUTERSDüsseldorf. Seit nunmehr 75 Jahren besteht die Nato. Das Militärbündnis wurde am 4. April 1949 gegründet und hat seitdem die Weltpolitik mitgeprägt. In der jüngeren Geschichte erlitt die Nato einen Vertrauensverlust unter der US-Präsidentschaft Donald Trumps. So drohte Trump bereits während des Nato-Gipfels 2018, aus dem Bündnis auszutreten.
Und auch im diesjährigen Wahlkampf um die US-Präsidentschaft ließ der 77-Jährige Zweifel an dem Zusammenhalt des Militärbündnis aufkommen. Eigenen Aussagen zufolge wolle Trump säumige Nato-Staaten, die das Zwei-Prozent-Ziel nicht erfüllen, im Falle eines Angriffs durch Russland nicht schützen. Wie es mit dem Militärbündnis weiter geht, hängt also auch von den US-Präsidentschaftswahlen Ende 2024 ab.
Doch was genau ist die Nato eigentlich? Wer sind die Mitglieder des Militärbündnisses? Und wo ist die Nato aktuell im Einsatz?
Die wichtigsten Fragen und Antworten zur Nato im Überblick.
Was ist die Nato?
Die Nato ist ein Militärbündnis. Sie wurde nach dem Zweiten Weltkrieg 1949 von zwölf Ländern gegründet. Die Weltpolitik spaltete sich im Kalten Krieg in Ost und West auf. Die Nato war das westliche Bündnis gegen die Bedrohungen der Sowjetunion, das Gegenstück im Osten war der Warschauer Pakt.
Die Abkürzung Nato ist ein Akronym und stammt aus dem Englischen: North Atlantic Treaty Organization, zu Deutsch: Nordatlantikpakt-Organisation. Die Bundesrepublik Deutschland ist erst 1955 beigetreten.
Wer sind die Mitglieder der Nato?
Regierungschefs der Nato-Mitglieder bei einem Nato-Treffen im Juli 2018.
Foto: APAktuell hat die Nato 31 Mitgliedsländer. Am 26. Februar 2024 machte das ungarische Parlament den Weg frei für den Beitritt Schwedens. Mit der Hinterlegung der Beitrittsurkunde beim US-Außenministerium in Washington wurde Schweden am 7. März 2024 offiziell zum 32. Mitglied der Nato. Die Türkei und Ungarn hatten den Beitritt Schwedens lange Zeit blockiert.
Die nordamerikanischen Mitgliedsländer der Nato sind Kanada und die Vereinigten Staaten von Amerika. Die Mehrheit der Nato-Mitglieder besteht aus EU-Ländern.
Folgende 23 EU-Mitglieder gehören zur transatlantischen Allianz: Belgien, Bulgarien, Dänemark, Deutschland, Estland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Italien, Kroatien, Lettland, Litauen, Luxemburg, Niederlande, Polen, Portugal, Rumänien, Schweden, Slowakei, Slowenien, Spanien, Tschechische Republik, Ungarn.
Weitere Mitglieder der Nato sind Albanien, Island, Montenegro, Nordmazedonien, Norwegen, die Türkei und das Vereinigte Königreich.
Auch die Ukraine strebt den Eintritt in die Nato an. Dadurch würde sich das Gebiet der Nato weiter in den Osten verlagern. Russland sieht sich dadurch nach eigenen Angaben bedroht.
Warum wurde die Nato gegründet?
Die Gründung der Nato geht auf den Kalten Krieg zurück. Die Nato sollte ein Sicherheitsbündnis gegenüber dem Einfluss der Sowjetunion sein. Die militärische Antwort darauf war 1955 der Warschauer Pakt, ein Militärbündnis von sieben Ostblockstaaten und der Sowjetunion, also Russland und den 15 zugehörigen Staaten.
Was ist heute die Aufgabe der Nato?
Kanadische Soldaten im März 2021 bei einer Militärübung in Lettland.
Foto: REUTERSTrotz des Untergangs der Sowjetunion besteht die Nato als Militärbündnis weiter. Nato-Staaten kooperieren bei Militärübungen, etwa in Osteuropa.
Ferner dient die Nato der Unterstützung einzelner Mitgliedsländer in militärischen Konflikten. Wird ein Nato-Mitglied angegriffen, sieht Artikel 5 des Nato-Vertrags vor, dass dieser militärische Angriff als ein Angriff gegen alle Nato-Mitglieder angesehen wird. Die anderen Staaten verpflichten sich, militärischen Beistand zu leisten. Das wird als Bündnisfall bezeichnet.
Diese Abmachung ist Kern des Bündnisses und soll den Frieden sichern. Denn so ist es für kein Land von Vorteil, ein Nato-Mitglied anzugreifen, weil der Gegenangriff dann von allen Nato-Staaten gemeinsam ausgehen würde. Dabei spielen die USA eine Schlüsselrolle für die Handlungsfähigkeit der Nato: Ohne ihre politische, konventionelle und nukleare Schlagkraft wäre eine glaubwürdige Abschreckung und die militärische Verteidigung Europas unmöglich.
Zum bislang einzigen Bündnisfall kam es nach den Anschlägen vom 11. September 2001 auf das World Trade Center in New York.
Wo ist die Nato aktuell im Einsatz?
Aktuell operiert die Nato in Osteuropa. Außerdem führt die Nato seit 2014 eine Mission im Baltikum durch, um den baltischen Luftraum zu schützen. Mitunter beteiligte sich sie sich auch an einer Militärkoalition gegen den „Islamischen Staat“. Weitere Nato-Einsätze sind aktuell im Irak und im Kosovo. Zudem überwacht die Nato mit einer maritimen Mission den Mittelmeerraum und arbeitet mit der Afrikanischen Union zusammen.
Wer ist der Nato-Generalsekretär?
Der Norweger Jens Stoltenberg leitet die Nato seit 2014.
Foto: REUTERSDer Nato-Generalsekretär ist Jens Stoltenberg. Der ehemalige norwegische Regierungschef ist seit 2014 im Amt. Seine Amtszeit wurde im Juli 2023 um ein weiteres Jahr bis Oktober 2024 verlängert.
Stoltenberg gehört der norwegischen Arbeiterpartei an. Bevor er politische Ämter innehatte, demonstrierte der heutige Nato-Chef Jens Stoltenberg gegen die Nato.
Als Stoltenbergs Nachfolger wird Mark Rutte gehandelt. Rutte ist seit 2010 Ministerpräsident der Niederlande und damit der am längsten amtierende Ministerpräsident in der Geschichte des Landes. Die britische und die deutsche Regierung haben sich bereits für Rutte als Generalsekretär ausgesprochen. Die Nato will einen neue Generalsekretär spätestens im Juli auf dem Nato-Gipfel in Washington nominieren.
Was bedeutet das Zwei-Prozent-Ziel der Nato?
Mit dem Zwei-Prozent-Ziel ist gemeint, dass die Nato-Staaten sich auf eine Zielvorgabe für die Finanzierung geeinigt haben. Demnach ist das Ziel aller Nato-Mitglieder, mindestens zwei Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts (BIP) für den eigenen Militäretat bereitzustellen. Darauf einigte sich die Nato auf einem Gipfel 2014.
Seitdem sorgt das Thema aber immer wieder für Streit, weil viele Nato-Mitglieder diese Zielvorgabe nicht erreicht haben. Während der Militäretat der USA im Jahr 2022 laut dem Stockholmer internationalen Friedensinstitut (SIPRI) 3,45 Prozent ihres BIP betrug, gaben Nato-Mitglieder wie Deutschland und Italien 2022 weniger als 1,5 Prozent ihres BIP für das Militär aus. Sie verfehlten damit das Zwei-Prozent-Ziel. Für 2024 kündigte die Nato an, dass 18 Mitglieder das Ziel einhalten würden - sieben mehr als im Vorjahr.
Nato-Kritik: Was ist die Kritik an der Nato?
Es gibt verschiedene Kritik an dem Militärbündnis. Frankreichs Premier Emmanuel Macron sprach 2019 im Interview mit dem britischen „Economist“ vom „Hirntod der Nato“. Damit kritisierte er das militärische Vorgehen von den USA und der Türkei in Syrien ohne vorherige Absprache mit den Nato-Partnern. Um sich in Europa unabhängiger zu machen, forderte Macron von den europäischen Nato-Partnern, die Militärinvestitionen zu erhöhen. Ähnlich äußerte sich wiederholt Donald Trump, der die Europäer mit drastischen Worten aufforderte, ihre Militärausgaben deutlich zu erhöhen. Trump drohte gar, er würde europäische Verbündete nicht verteidigen, die das Zwei-Prozent-Ziel nicht einhielten.
Andere Kritiker argumentieren gar, dass die Nato-Osterweiterung in den vergangenen Jahrzehnten das Verhältnis zu Russland verschlechtert habe. Allerdings heben einige osteuropäische Regierungen angesichts des Ukraine-Kriegs die Bedeutung der Nato hervor.
Aus der Friedensbewegung heißt es, dass Frieden nicht mithilfe eines Militärbündnisses wie der Nato hergestellt werden könne. Ihre Kritik: Die Nato bestehe, um die wirtschaftlichen Interessen des Westens durchzusetzen.
Erstpublikation: 05.05.2021, 13:45 Uhr (zuletzt aktualisiert: 04.04.2024, 14:00 Uhr).