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Open-Source-Plattform Das deutsche Start-up Rasa will das „HTML der Sprache“ werden

Rasa hilft Firmen wie Ergo oder N26 mit seiner Plattform, smarte Assistenten zu entwickeln. Nun hat es 26 Millionen Dollar Kapital eingeworben.
23.06.2020 - 14:07 Uhr Kommentieren
Sein Start-up Rasa betreibt eine Open-Source-Plattform für sogenannte Konversations-KI. Quelle: Rasa
Alex Weidauer

Sein Start-up Rasa betreibt eine Open-Source-Plattform für sogenannte Konversations-KI.

(Foto: Rasa)

San Francisco Alex Weidauer sitzt in Berlin. Bei ihm ist es jetzt 18 Uhr, in letzter Zeit arbeitet er meistens in den Abendstunden. Dass das nötig ist, ist ein Problem für ihn – und ein bisschen auch für den Start-up-Standort Deutschland.

Denn Rasa, Weidauers Unternehmen, sitzt nicht mehr nur in Berlin, sondern auch in San Francisco, wo es jetzt erst 9 Uhr ist. Vor ein paar Monaten ist Weidauer mit Rasa an die US-Westküste gezogen. Als er im März gerade mal wieder in Berlin war, führte die US-Regierung Reisebeschränkungen wegen der Corona-Pandemie ein – und Weidauer kam nicht mehr ins Land.

Rasa ist ein Unternehmen, wie es nicht viele in Deutschland gibt: eine Plattform, die es mit den großen Tech-Konzernen wie Google oder Amazon in einer Zukunftstechnologie aufnimmt. Eine Plattform, die Entwickler weltweit kennen und lieben. Und die mitten in der Krise 26 Millionen Dollar Kapital eingeworben hat – angeführt vom Silicon-Valley-Superinvestor Andreessen Horowitz, der so gut wie nie in deutsche Firmen investiert.

Rasa betreibt eine Open-Source-Plattform für sogenannte Konversations-KI. Zahllose Unternehmen entwickeln mit dieser Künstlichen Intelligenz ihre Chat-Assistenten: Die Ergo-Versicherung und die Smartphone-Bank N26 automatisieren damit teilweise ihren Kundenservice, beim französischen Energiekonzern Engie hilft die KI Personalern bei der Kandidatenauswahl – und alle drei Unternehmen nutzen den Programmiercode von Rasas Plattform, um ihre sprachbegabte KI zu entwickeln.

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    Spracherkennung und natürliche Konversation sind ein Bereich der Technologiebranche, der vor Möglichkeiten strotzt. Befehle in eine Tastatur zu tippen ist kein natürliches menschliches Verhalten. Sprechen dagegen schon – nur taten sich Computer lange schwer, Menschen zu verstehen.

    Die Programmiersprache für die Sprache

    Auch deswegen arbeiten die größten Tech-Konzerne der Welt an dieser Technologie. Amazon, Google, Microsoft, Apple – alle haben ihre eigenen smarten Assistenten. Eine direkte Konkurrenz sieht Weidauer dennoch nicht: „Wir wollen das HTML der Sprache werden“, sagt er. Alexa, Google Assistant und Co. seien dagegen eher die Browser für diese neue Form des Internets.

    Entwickler wollten Doppelarbeit vermeiden und würden deshalb mit Rasas Tools ihre Assistenten entwickeln und sie dann für die jeweilige Plattform – wenn nötig – anpassen.

    All das war noch weit weg, als Weidauer und sein Mitgründer, der Brite Alan Nichol, Ende 2016 in Weidauers Küche anfingen, erste Chatbots als Auftragsarbeiten zu entwickeln. Auf eine sogenannte Seed-Finanzierung (Frühfinanzierung) unter anderem vom Berliner Accelerator Tech-Stars folgte im April 2019 der erste Ritterschlag: eine vom Silicon-Valley-Investor Accel angeführte 13-Millionen-Dollar-Runde und der Umzug nach San Francisco.

    „Dort sitzen die meisten unserer Kunden“, sagt Weidauer. US-Unternehmen seien schneller dabei, neue Technologien auszuprobieren – selbst traditionelle Unternehmen wie Banken. Zudem sitzen im und um das Silicon Valley nicht nur andere erfolgreiche Open-Source-Unternehmen, sondern auch beispielsweise Florian Leibert, mit Di2Q – ehemals Mesosphere – selbst erfolgreicher deutscher Gründer in Kalifornien und mit seiner Firma 468 Capital bereits seit Mitte 2019 Rasa-Investor.

    Eigentlich habe man das Geld aus der letzten Finanzierung noch gar nicht angerührt, sagt Weidauer. Doch wegen der Coronakrise sei man doch schon wieder ins Fundraising gegangen. Nun hat man mit dem Facebook-, Twitter- und Airbnb-Investor Andreessen Horowitz einen der renommiertesten Namen der Branche als Investor gewinnen können.

    Zwei Drittel der Beschäftigten noch in Europa

    Dessen Partner Martin Casado sieht eine goldene Zukunft für Rasa: „Wir erreichen ein Zeitalter, in dem Software im Gespräch mit Menschen eine Präzision an den Tag legt, die die Nutzbarkeit des Systems dramatisch verbessert“, schreibt der Spanier auf dem Blog von Andreessen Horowitz. „Das führende Softwareprojekt, das diese Entwicklung antreibt, ist Rasa.“

    In den vergangenen 14 Monaten hat Rasa seine Downloads verfünffacht, die Zahl der Entwickler auf seiner Plattform verdreifacht. Umsatz, räumt Weidauer ein, ist bei Open-Source-Unternehmen ein schwierigeres Thema, weil diese qua Definition nun mal große Teile ihrer Arbeit kostenlos zur Verfügung stellen. Mit Enterprise-Konten, die etwa einen Kundenservice rund um die Uhr bieten, hat Rasa aber dennoch seinen aufs Jahr gerechneten Umsatz verdreifacht.

    Ist Deutschland da also das nächste Plattform-Unternehmen durch die Lappen gegangen? Zwei Drittel der Mitarbeiter seien noch immer in Europa, sagt Weidauer. Sein Mitgründer ist in Berlin geblieben. In Edinburgh habe man gerade einen Forschungs-Hub gegründet. Und seit Corona habe man eh gemerkt, dass der Standort eines Mitarbeiters nicht das Entscheidende sei. Weidauer spricht da aus eigener Erfahrung.

    Mehr: Investitionen deutscher Unternehmen in Künstliche Intelligenz sind „ernüchternd“

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