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SpaceXWarum die Starship so wichtig ist, dass der Start verschoben wurde

Aus technischen Gründen bricht SpaceX den ersten Weltraumflug der Starship ab. Die leistungsstärkste Rakete der Welt wird die Raumfahrt trotzdem massiv verändern.Thomas Jahn 19.04.2023 - 10:10 Uhr Artikel anhören

Der Jungfernflug der Starship wurde wenige Minuten vor dem Start aufgrund technischer Schwierigkeiten abgebrochen.

Foto: UPI/laif

Düsseldorf. Das Flugmanöver war recht einfach: Zwei Minuten nach dem Start sollte sich der Booster mit 33 Motoren von der Rakete abtrennen. Die eigentliche Rakete Starship sollte einmal die Erde umrunden und in der Nähe von Hawaii im Pazifik landen.

Aber der Jungfernflug der Starship wurde wenige Minuten vor dem Start aufgrund technischer Schwierigkeiten abgebrochen. Frühestens in zwei Tagen könnte es einen neuen Anlauf geben.

Das ist keine Überraschung, der Start von neuen Raketen verzögert sich häufig. Dahinter stecken meist technische Gründe. Aber SpaceX-Chef Elon Musk will bei diesem Projekt auch auf Nummer sicher gehen – immerhin geht es um viel Geld.

Einerseits könnte SpaceX Aufträge der amerikanischen Weltraumbehörde Nasa erhalten. Andererseits ermöglicht Starship das wichtige Projekt Starlink, mit dem Musk global Satelliteninternet zur Verfügung stellen will.

Insgesamt ist Raumfahrt ein gefährliches Unterfangen, wie die Geschichte zeigt: Apollo 13 explodierte 1970 aufgrund eines fehlerhaften Sauerstofftanks, das Space-Shuttle Challenger 1986 wegen fehlerhafter Dichtungsringe.

Eine Schaumdichtung fiel auf den Flügel des Space-Shuttles Columbia und brachte es 2003 zum Absturz. Auch zahlreiche SpaceX-Raketen explodierten in den vergangenen Jahren, darunter 2019 bis 2021 vier Starship-Prototypen.

Die Gründe für die Explosionen sind sehr verschieden, zeigen aber eines: Raketen sind hochkomplizierte Maschinen, selbst kleinste Aussetzer können katastrophale Auswirkungen haben. Besonders neue Raketenarchitekturen sind fehleranfällig.

Warum SpaceX bei Starship so vorsichtig ist

Im Vorfeld des Starts schätzte Musk die Erfolgschancen auf etwa 50 Prozent. „Ich will nicht versprechen, dass sie es in das Weltall schafft“, sagte Musk vor wenigen Wochen auf einer Fachkonferenz.

Starship ist ein völlig neues Konzept und dazu die leistungsstärkste Rakete aller Zeiten. Die Stahlrakete ist ganze 120 Meter hoch und wiegt 330 Tonnen. Insgesamt 39 Motoren beschleunigen die Rakete beim Start mit 62.000 Kilonewton – etwa doppelt so viel wie bei der Saturn-V-Rakete, mit der der erste Mondflug gelang.

Die Vielzahl der sogenannten Raptor-Motoren ist die größte Herausforderung für die Ingenieure. Allein 33 Motoren treiben den Booster „Super Heavy“ an, die untere Stufe und der Booster der Rakete. Es muss nur ein Motor versagen, um die Rakete zum Explodieren zu bringen.

Die Sowjetunion verfolgte bei den ersten Mondflügen mit der N1-Rakete einen ähnlichen Ansatz, sie war mit 30 Motoren versehen. Aber die N1 versagte viermal und wurde 1966 eingestellt. Es setzte sich der Ansatz der Saturn V durch, die mit fünf riesigen Motoren arbeitete.

Wieso Starship so wichtig für SpaceX ist

Ein erfolgreicher Start der Starship-Rakete würde nun helfen, Investoren zu überzeugen. SpaceX braucht für die Entwicklung und den Bau der Maschinen viel Geld – keine leichte Aufgabe in Zeiten steigender Zinsen und Inflation. Derzeit will das privat geführte Unternehmen 750 Millionen Dollar an Kapital einsammeln, wie der US-Finanzsender CNBC berichtet – zu einer eindrucksvollen Bewertung von 137 Milliarden Dollar.

Die Rakete ist 120 Meter hoch und wiegt 330 Tonnen.

Foto: Reuters

Starship ist ein entscheidendes Projekt für SpaceX. Die Tochter Starlink baut mit Satelliten in Erdnähe ein globales Internet auf, verfügt bereits über rund eine Million Kunden weltweit. Die Zahl soll laut Morgan Stanley bis 2040 auf 364 Millionen steigen, so soll Starlink dann jährlich einen Umsatz von rund 80 Milliarden Dollar erbringen.

Allerdings muss das Unternehmen die Kosten drücken, die Ausgaben für den Start und den Erhalt eines Satellitennetzes sind hoch. Um Geld zu sparen, will Starlink leistungsstärkere und schwerere Satelliten in die Erdumlaufbahn bringen. Die bisherige SpaceX-Rakete Falcon kann allerdings die bis zu 1,1 Tonnen schweren Satelliten nicht in großer Zahl transportieren.

Insgesamt können 7500 der sogenannten Starlink-V2-Satelliten in den Orbit gebracht werden, wie vor wenigen Wochen aus einer Genehmigung der US-Kommunikationsbehörde FCC ersichtlich wurde. Insgesamt will Starlink mehr als 30.000 weitere Satelliten platzieren.

Wie Starship die Raumfahrt verändert

Die Starship-Rakete kann bis zu 150 Tonnen transportieren. Und das zu einem erstaunlich niedrigen Preis, Musk spricht von zehn Millionen Dollar pro Raketenstart. Experten schätzen die Kosten eines Starts der SLS-Rakete von Boeing oder Northrop Grumman auf vier Milliarden Dollar.

Ermöglicht werden soll das unter anderem durch das Raketendesign. Starship soll im Unterschied zu anderen Raketen wiederverwendbar sein. Auch soll die Rakete in Serie gebaut werden: eine Starship pro Woche. Das senkt die Kosten, das Unternehmen kann etwa günstigere Lieferantenpreise erzielen.

Insgesamt will Musk 1000 Starships bauen, um eine Mars-Station errichten zu können. Daher werden die Raptor-Motoren auch mit Methan und nicht wie bisher üblich mit Wasserstoff betrieben. Denn auf dem Mars ist Methan in der Atmosphäre nachgewiesen worden, die Raketen könnten dort also möglicherweise für den Rückflug zur Erde betankt werden.

Der niedrige Kostenpunkt ermöglicht neue Projekte und Umsatzkanäle für SpaceX. Beispielsweise, um die von der Raumfahrtbehörde Nasa geplante Forschungsstation auf dem Mond zu bauen. Laut Youtube-Expertenkanal „Everyday Astronaut“ kostet es mit SpaceX nur 2000 Dollar, ein Kilogramm zum Mond zu bringen – zehnmal weniger als bei der Konkurrenzrakete SLS.

SLS steht für „Space Launch System“ und wird im Auftrag der Weltraumbehörde Nasa von Boeing oder Northrop Grumman gebaut. Die Rakete soll im Rahmen des Artemis-Programms in wenigen Jahren zum Mond fliegen. Allerdings ist SLS eine sehr teure Rakete, die mit vielen Verzögerungen zu kämpfen hatte.

Mit dem erfolgreichen Start der Starship würde Musk größeren Aufträgen von der Nasa näherkommen. Die setzt bislang mit SLS auf vertraute Partner, aber das könnte sich ändern. SpaceX erhielt bereits von der US-Behörde 1,15 Milliarden Dollar, um bis 2027 eine „Option B“ für einen Mondflug aufzubauen.

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Erstpublikation: 17.04.2023, 17:55 Uhr.

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