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Technologie Milliarden für Chipwerke: Amerika und Europa starten die Aufholjagd gegenüber Asien

Die Industrie im Westen ist von Halbleiter-Lieferanten aus Asien abhängig. Die Regierungen wollen das mit massiven Subventionen ändern.
25.03.2021 - 13:39 Uhr 1 Kommentar
Der Chipkonzern Intel steckt 20 Milliarden Dollar in zwei neue Werke in Amerika und will auch in Europa investieren. Quelle: Reuters
Intel

Der Chipkonzern Intel steckt 20 Milliarden Dollar in zwei neue Werke in Amerika und will auch in Europa investieren.

(Foto: Reuters)

München Der neue Intel-Chef greift an: Für 20 Milliarden Dollar baut Pat Gelsinger zwei Chipfabriken in Arizona. Auch in Europa will der Konzernchef investieren. Es ist die ideale Zeit, Halbleiterwerke zu errichten. Die Bauelemente sind knapp. Vor allem aber kann Gelsinger mit üppigen Subventionen rechnen.

Die USA und Europa haben sich vorgenommen, ihren Anteil an der weltweiten Halbleiterfertigung deutlich zu vergrößern. Wie abhängig sie von Asien sind, wird den Nationen des Westens tagtäglich vor Augen geführt. Eine Autofertigung nach der anderen steht still, weil Chips von kritischen Zulieferern wie TSMC aus Taiwan fehlen.

Staatshilfen seien zwar nicht der Grund für seine Offensive, sagte Gelsinger. Aber dem weltgrößten Chiphersteller kommen sie sehr zupass, betreibt er doch bereits große Standorte in Amerika und Irland.

Die meisten Halbleiterfabriken entstanden aber in Fernost – wegen der niedrigen Kosten, aber auch wegen üppiger Subventionen. Drei Viertel aller Fabriken befinden sich inzwischen in Ostasien, insbesondere in Taiwan und Südkorea. Nun sind die Regierungen im Westen gewillt, die Industrie mit Milliarden anzulocken.

China gewährt bislang die höchsten Zuschüsse für Bau und Betrieb einer Chipfabrik. Bis zu 40 Prozent steuert das Land bei, so eine Auswertung der Boston Consulting Group (BCG). In Israel, Südkorea, Taiwan und Singapur können die Konzerne mit bis zu 30 Prozent an Subventionen rechnen. Deutschland, die USA und Japan gewähren dagegen nur bis zu 15 Prozent.

USA und Europa haben über Jahre Marktanteile verloren

Damit nicht genug: BCG zufolge liegen die Investitions- und Betriebskosten über zehn Jahre für eine Chipfabrik in den USA etwa 30 Prozent höher als in Taiwan, Südkorea und Singapur und sogar um bis zu 50 Prozent höher als in China.

Die Konsequenz: Der Anteil an den weltweiten Halbleiterfertigungskapazitäten in den USA ist von 37 Prozent im Jahr 1990 auf zwölf Prozent gesunken. Europa kommt derzeit auf nicht einmal zehn Prozent. „Dieser Rückgang ist hauptsächlich auf erhebliche Subventionen zurückzuführen, die von den Regierungen unserer globalen Wettbewerber angeboten werden“, klagt der amerikanische Branchenverband SIA.

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George Davis, Finanzvorstand von Intel, schlug dem Finanzausschuss des Senats jüngst vor, Zuschüsse und Steuergutschriften für die Branche in Betracht zu ziehen. China, Taiwan und Südkorea hätten jeweils erfolgreich Anreize geschaffen, um die Halbleiterindustrie anzulocken. „Die USA haben diese Position nicht eingenommen“, sagte Davis.

Politiker in den USA wollen das jetzt ändern. „Die Krise in der Lieferkette, die die meisten Alarmglocken schrillen lässt, betrifft Halbleiter“, sagte Ron Wyden, Vorsitzender des Finanzausschusses des Senats. „Halbleiter sind der Grundbaustein von Tausenden Produkten, von denen unser Leben abhängt“, ergänzte Senator Mark Warner, der eine Gesetzesinitiative für mehr staatliche Anreize in der amerikanischen Chipindustrie gestartet hat.

Die Nationale Sicherheitskommission für Künstliche Intelligenz hat Bundeshilfen in den USA von 35 Milliarden Dollar für die Halbleiterbranche empfohlen. Mit einem Förderprogramm von 50 Milliarden Dollar könnte Washington BCG zufolge dafür sorgen, dass 19 neue Chipfabriken in Amerika gebaut würden – was einem Viertel der weltweit geplanten Kapazitätserweiterung entspräche.

Die Chipindustrie kommt seit Monaten gar nicht mehr nach mit der Produktion. Der Branchenverband WSTS geht davon aus, dass der Umsatz dieses Jahr weltweit um elf Prozent auf 488 Milliarden Dollar in die Höhe schießen wird.

Baustelle des neuen Chipwerks von Intel in Leixlip. Bald könnte eine weitere Fabrik in Europa dazukommen. Quelle: dpa
Intel investiert in Irland

Baustelle des neuen Chipwerks von Intel in Leixlip. Bald könnte eine weitere Fabrik in Europa dazukommen.

(Foto: dpa)

Die EU hat sich zum Ziel gesetzt, künftig mindestens ein Fünftel aller Chips weltweit zu produzieren. Dafür will Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier mit anderen EU-Staaten und der EU-Kommission ein umfangreiches Förderprogramm aufstellen. „Wir sind bereit, Projekte in Milliardenhöhe zu fördern, damit Deutschland und Europa bei Chips souveräner und unabhängiger werden“, sagte Altmaier.

Der Digitalverband Bitkom hat ermittelt, dass zwei Drittel der Unternehmen hierzulande Halbleiter importieren. Bei größeren Firmen ab 500 Mitarbeitern seien es sogar 83 Prozent. „Die aktuellen Lieferengpässe sind ein Anlass, einseitige Abhängigkeiten zu hinterfragen und die Ausgangsposition im globalen Wettbewerb um digitale Technologien zu verbessern“, sagte Bitkom-Präsident Achim Berg.

Bosch baut das einzige neue Chipwerk in Deutschland

Das einzige Chipwerk, das derzeit in Deutschland entsteht, wird mit bis zu 200 Millionen Euro vom Staat gefördert. Insgesamt gibt Bosch rund eine Milliarde für seine neue Fabrik in Dresden aus.

Deutschlands größter Chiphersteller Infineon errichtet momentan für 1,6 Milliarden Euro ein Werk im österreichischen Villach. Die Münchener verzichten bei dem Bau eigenen Angaben zufolge weitgehend auf staatliche Zuschüsse. Die seien bei der Standortwahl nur ein Kriterium unter vielen, sagte ein Sprecher. So sei der Schutz des geistigen Eigentums „für bestimmte Fertigungstechnologien eine Grundvoraussetzung, die nicht alle potenziellen Standorte gleichermaßen erfüllen“. Das ist einer der Gründe, warum Hersteller wie Infineon bislang keine großen Fabriken in China gebaut haben.

Europa und die USA debattieren noch, wie viele Milliarden sie in den nächsten Jahren verteilen wollen. China gibt seine Mittel schon aus. Der größte Chiphersteller des Landes, SMIC, baut gemeinsam mit der Stadt Shenzhen für 2,35 Milliarden Dollar ein neues Werk. Knapp ein Viertel der Anteile an der Fabrik hält der Staat.

Es ist kein Zufall, dass China die Chipbranche unterstützt. Der Umsatz der Industrie in dem Land stieg 2020 um knapp ein Fünftel auf umgerechnet 137 Milliarden Dollar, so der Branchenverband China Semiconductor Industry Association. Einen Produzenten von Weltgeltung hat die Volksrepublik aber bislang nicht.

Angesichts des Tempos, das China vorlegt, dürfte der neue Intel-Chef Gelsinger auf offene Ohren stoßen in den europäischen Hauptstädten, wenn er über Zuschüsse für ein neues Werk in der EU verhandelt. Der Konzern profitiere von staatlicher Förderung angesichts der Knappheit an Halbleitern, meint Bernstein-Analyst Stacy Rasgon. Der globale Subventionswettlauf hat begonnen.

Mehr: Milliardenschwerer Cypress-Zukauf zahlt sich für Infineon nun aus

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