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Energie

Kraftwerksprojekte Klimaaktivisten machen kurz vor Börsengang gegen Siemens Energy mobil

Der Siemens-Ableger stellt am Dienstag den Investoren seine Strategie vor. Klimaschützer kritisieren die Beteiligung an Kraftwerksprojekten in Israel und Indonesien.
31.08.2020 Update: 31.08.2020 - 14:42 Uhr 4 Kommentare
Siemens Energy Börsengang: Klimaaktivisten kritisieren Kraftwerksprojekte Quelle: dpa
Proteste gegen Siemens im Januar in Hamburg

Klimaschützer kritisieren die Beteiligung des Konzerns an neuen Kohle- und Gaskraftwerksprojekten in Indonesien und Israel.

(Foto: dpa)

München Kurz vor dem geplanten Börsengang von Siemens Energy nehmen Klimaaktivisten den Energietechnikkonzern wieder ins Visier. „Der beste Weg, den Klimawandel zu bekämpfen, ist es, alle Projekte zu beenden, die zu zusätzlichem Verbrauch von Kohle, Öl und Gas führen“, sagte Regine Richter von der Initiative Urgewald am Montag in München. Siemens Energy betreibe viel „grüne Rhetorik“. Die meisten fossilen Aktivitäten liefen aber normal weiter.

Konkret kritisierten die Klimaschützer unter anderem die Beteiligung von Siemens an neuen Kohle- und Gaskraftwerksprojekten in Indonesien und Israel. Die erneuerbaren Energien hätten inzwischen so große Fortschritte gemacht, dass zum Beispiel das in Israel geplante neue große Gaskraftwerk nicht mehr benötigt werde, um günstige Energie zur Verfügung zu stellen, sagte Gidon Bromberg von der Organisation EcoPeace Middle East. Projekte wie in Israel seien „ein Schlag ins Gesicht bei den Bemühungen, die Emissionen zu reduzieren“.

Siemens hatte seine Energietechniksparte, die für etwa 40 Prozent der Umsätze steht, rechtlich verselbstständigt. Am 28. September soll das Unternehmen mit 91.000 Mitarbeitern und knapp 29 Milliarden Euro Jahresumsatz im Zuge eines Spin-offs an der Börse starten. Vorstandschef Christian Bruch will den Investoren am Dienstag auf einem Kapitalmarkttag seine Strategie vorstellen.

Diese Gelegenheit nutzen nun Klimaaktivisten für Kritik an der Geschäftspolitik von Siemens. Bruch müsse den Investoren einen klaren Fahrplan vorlegen, wie Siemens Energy künftig mit der Kohle umgehen wolle, sagte Richter. Langfristige Investments in fossile Kraftwerke seien nicht nur schlecht fürs Klima, sondern auch für die Siemens-Investoren. Die Firma wolle aber offenbar noch immer vom fossilen Geschäft profitieren.

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    Schon im vergangenen Jahr war der Münchener Konzern wegen der – vergleichsweise kleinen – Beteiligung am Bau der Adani-Kohlemine in Australien ins Kreuzfeuer der Umweltschützer geraten. Die Siemens-Verkehrstechnik liefert die Signaltechnik für den Zug, der die Kohle abtransportiert.

    Siemens-Chef Joe Kaeser entschied schließlich, aus Vertragstreue an dem Auftrag festzuhalten. Er räumte aber ein, dass es ein Fehler gewesen sei, den Auftrag anzunehmen.

    Bestehende Aufträge sollen weiter erfüllt werden

    Kaeser wird den Aufsichtsrat der neuen Siemens Energy führen. Auf der Siemens-Hauptversammlung im Juli kündigte er einen teilweise Ausstieg aus der Kohle an. Er habe den Vorstand des neu formierten Energietechnikriesen gebeten, „zügig einen Stakeholder-gerechten Plan zum Ausstieg aus der Stromerzeugung durch Kohle vorzulegen“. Dieser Ausstiegsplan werde „verantwortungsvoller sein, als manche Aktivisten das einseitig fordern, aber sicher konsequenter, als Zögerlinge dies für notwendig halten“.

    Siemens-Energy-Chef Bruch muss nun entscheiden, wie er mit der Aufforderung seines Aufsichtsratschefs umgeht. Siemens Energy wird nach Einschätzung in Industriekreisen aber bestehende Aufträge weiter erfüllen und wohl auch längerfristig weiter Service anbieten. Schließlich könnten damit ältere Kohlekraftwerke ja effizienter gemacht werden. Die Klimaaktivisten sähen es dagegen am liebsten, wenn sich Siemens ganz auf die erneuerbaren Energien konzentrieren würde.

    Im Visier der Aktivisten steht unter anderem die Beteiligung von Siemens am Gaskraftwerksprojekt „Eastern Station“ in Israel, das Siemens in einem Joint Venture errichtet. Umweltschützer fürchten unter anderem Luftverschmutzung und eine Belastung des Grundwassers in der Region. Zudem sei der Bau von weiteren konventionellen Kraftwerken im Kampf gegen den Klimawandel grundsätzlich problematisch.

    Auch bei den in Indonesien geplanten Kohlekraft-Meilern Jawa 9 und 10 kritisieren Klimaaktivisten die Beteiligung von Siemens. Die Münchener sollen Gasturbinen für das Zwei-Gigawatt-Projekt liefern. Das Kraftwerk werde „auf Jahrzehnte unsere Atemluft verschmutzen, die Lebensgrundlagen unserer Gemeinschaften zerstören und den Klimawandel weiter verschlimmern“, hatte Yuyun Indradi von der Organisation Trend Asia bereits gewarnt. Siemens hatte auf die Vertragspflicht bei Aufträgen verwiesen, die vor Jahren ausgehandelt wurden.

    Dilemma für den Konzern

    Weltweit ist die Zahl der Kohlekraftwerke im ersten Halbjahr 2020 erstmals geschrumpft. Einer Studie zufolge sind in den ersten sechs Monaten des Jahres Anlagen mit einer Leistung von 18,8 Gigawatt (GW) ans Netz gegangen. In der gleichen Zeit seien Meiler mit mehr als 21 GW stillgelegt worden. Das ergab eine Untersuchung der Klimaschutzorganisation Global Coal Plant Trackers. Neben Europa geht die Zahl der neu gebauten Kohlekraftwerke vor allem in Südostasien deutlich zurück.  

    Für Siemens Energy ist das ein Dilemma. Denn gerade mit dem Service älterer Kraftwerke verdient das Unternehmen gutes Geld. Zumindest im Moment macht dagegen das zukunftsträchtigere Geschäft mit der Windkraft unter der Marke Siemens Gamesa Verluste. Vor allem das Geschäft mit Onshore-Windrädern an Land bereit dem Unternehmen Probleme.

    Gut positioniert ist Siemens Gamesa dagegen bei der Offshore-Windkraft auf hoher See sowie beim Service. Die Erneuerbare-Energien-Tochter spielt eine zentrale Rolle bei der Zukunftsstrategie von CEO Bruch.

    Siemens-Konzernchef Kaeser, der seinen Posten im Februar an Vize Roland Busch übergibt, hatte ein Nachhaltigkeitsgremium bei Siemens Energy angekündigt. Dies könne teilweise auch mit externen Experten besetzt werden. Es soll verhindern, dass der Konzern noch einmal zu spät Alarmsignale wahrnimmt wie beim Adani-Debakel.

    Grundsätzlich könne so ein Board helfen, Fehler wie im Fall der australischen Kohlemine zu vermeiden, glaubt auch Regine Richter von Urgewald. Doch müsse er dazu konzernintern auch den nötigen Einfluss haben.

    Mehr: Dieser Manager soll Siemens Energy an die Börse führen

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    4 Kommentare zu "Kraftwerksprojekte: Klimaaktivisten machen kurz vor Börsengang gegen Siemens Energy mobil"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • @Herr Josef Müller
      China würde bestimmt liefern oder eine Firma aus einem anderen Staat.

    • @Herr Ingo Quentin
      "Klein" heißt nicht unbedeutend. Wenn kein Zug fahren kann, dann kann auch keine Kohle abtransportiert und in Kraftwerken verbrannt werden. Die beiden Konkurrenten Alstom und Hitachi Rail hatten bereits davor diesen Auftrag aus gutem Grund abgelehnt. Siehe auch:
      https://www.manager-magazin.de/unternehmen/artikel/gautam-adani-kohle-projekt-carmichael-zieht-siemens-mit-a-1304064.html
      https://www.afr.com/companies/infrastructure/bushfires-fuel-anti-adani-protests-at-siemens-hq-20200109-p53q0r

    • Köstlich zu sehen, wie sich deutsche Klima-Aktivisten einschätzen, die Welt retten zu können. Als würde man sich in der übrigen Welt um die deutschen Befindlichkeiten etwas scheren. China baut und finanziert derzeit ca. 15 große Kohlekraftwerke in Afrika/Indien. Dagegen wirken die deutschen Klima-Aktivisten derart lächerlich, dass man mit dem Lachen gar nicht mehr nachkommt. Die Klima-Aktivisten denken viel zu klein und naiv. Eine Aufforstung in Afrika, wie es die ETH Zürich akademisch vorgerechnet hat, würde wirklich etwas bringen in Bezug auf CO2-Speicherung durch Bäume. In nicht wenigen Teilen Afrikas wurde abgeholzt, also menschengemachte Steppe hervorgerufen. Dies könnte man rückgängig machen, würde wenig kosten und schafft Arbeitsplätze, Klein-Klima-Änderung und sogar mehr Ernte-Erträge beim Ackerbau. Statt solcherlei zu fordern, stehen sie in vereinter Lächerlichkeit vor Konzern-Zentralen.

    • "Schon im vergangenen Jahr war der Münchener Konzern wegen der – vergleichsweise kleinen – Beteiligung am Bau der Adani-Kohlemine in Australien ins Kreuzfeuer der Umweltschützer geraten. Die Siemens-Verkehrstechnik liefert die Signaltechnik für den Zug, der die Kohle abtransportiert."

      Soll man darüber jetzt lachen oder weinen?

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