Windenergie: Siemens Gamesa rutscht tief in die roten Zahlen
Siemens Gamesa rutscht im dritten Quartal ins Minus.
Foto: dpaDüsseldorf. Der Windkonzern Siemens Gamesa rutscht im dritten Quartal mit 466 Millionen Euro tief in die roten Zahlen. Auch der operative Gewinn fällt in den Monaten April bis Juni aus, stattdessen verbucht der Turbinenhersteller einen bereinigten Ebit-Verlust von 161 Millionen Euro. Der Umsatz sank um 8,4 Prozent auf 2,4 Milliarden Euro. Das liegt allerdings nicht nur an Corona, sondern auch an Schwierigkeiten beim Geschäft mit Anlagen an Land.
„Wir befinden uns in einer komplizierten Zeit als Branche und als Unternehmen, und die Zahlen, die wir heute vorgelegt haben, spiegeln das wider“, sagt CEO Andreas Nauen bei der Präsentation seiner ersten Quartalszahlen als neuer Chef des deutsch-spanischen Gespanns.
Vor allem in Indien, Mexiko und Nordeuropa laufe der Ausbau der Windenergie an Land schleppender als angenommen, heißt es in einem Statement am Donnerstag.
Die Belastungen im Zusammenhang mit der Coronakrise bezifferte Siemens Gamesa auf insgesamt 93 Millionen Euro. Die Aktie des Windriesen verbuchte nach Ankündigung der Zahlen in Madrid zwischenzeitlich Abschläge von 1,4 Prozent auf 18,99 Euro. Dennoch ergreife man bereits Maßnahmen, um das Onshore-Geschäft umzukehren und wieder in die Gewinnzone zurückzukehren, stellte Nauen klar.
Sorge dürfte dem Tochterunternehmen von Siemens Energy auch der weiterhin strauchelnde deutsche Markt bereiten, für den am Donnerstag ebenfalls aktuelle Zahlen vorgelegt wurden.
Windkraftausbau schwächelt weiter
Im einst größten Windmarkt Europas wurden im ersten Halbjahr gerade mal 178 Anlagen mit 591 Megawatt neu hinzugebaut. Im Vergleich zu den 86 Anlagen im Vorjahr ist das zwar eine deutliche Steigerung, liegt damit aber immer noch auf einem extrem niedrigen Niveau.
„Der Gesetzgeber muss dringend einen kohärenten Handlungsrahmen schaffen und durchsetzen, um Investitionsanreize und den technologischen Vorsprung der Windindustrie am Standort Deutschland langfristig zu sichern sowie eine Stromlücke bei den Erneuerbaren Energien zu vermeiden“, warnt deswegen Matthias Zelinger, Geschäftsführer des Verbands deutscher Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA) bei der Präsentation der Zahlen.
Mit Blick auf die ambitionierten Klimaziele sei der Ausbau der Windenergie an Land deutlich zu langsam. Einen Indikator dafür sieht die Branche auch in der Menge der Projekte.
Seit die Windenergie in Deutschland von festen Vergütungen auf freie Ausschreibungen umgestellt wurde, bei denen nur noch das günstigste Gebot gewinnt, herrscht ein harter Preiskampf auf dem Markt.
Gleichzeitig werden weniger Windräder aufgestellt, als geplant. Von über 2000 Megawatt wurden so in den ersten sechs Monaten dieses Jahres lediglich 1138 Megawatt an Windprojekten tatsächlich verteilt.