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Energie

Octopus Energy Britischer Energieanbieter greift mit innovativer Technologie in Deutschland an

Den Heimatmarkt hat Octopus Energy aufgemischt, in Deutschland will der Newcomer zügig auf eine Million Kunden kommen. Seine IT-Plattform wird von Eon bewundert.
24.11.2020 - 07:01 Uhr Kommentieren
Der deutsche Strommarkt ist umkämpft. Octopus Energy setzt aber auf seine IT-Plattform. Quelle: dpa
Stromzähler

Der deutsche Strommarkt ist umkämpft. Octopus Energy setzt aber auf seine IT-Plattform.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Am deutschen Energiemarkt haben sich schon viele Newcomer versucht. Immer wieder wollen Billiganbieter den etablierten Energiekonzernen und Stadtwerken Kunden abjagen. Viele der neuen Firmen scheitern schnell – weil der Wettbewerb hart und die Margen schmal sind.

Jetzt tritt aber ein Unternehmen in Deutschland an, das die Platzhirsche ernst nehmen sollten: der Ökostrom- und Ökogasanbieter Octopus Energy. Das Unternehmen hat sich in Großbritannien, wo die Marktbedingungen noch härter sind, bereits durchgesetzt. Und es bringt eine IT-Plattform mit, die von der Konkurrenz beneidet wird.

„Wir planen, in Deutschland ebenso schnell zu wachsen wie in Großbritannien, und wollen bis 2024 eine Million Kunden erreichen“, kündigt Gründer und Geschäftsführer Greg Jackson im Interview mit dem Handelsblatt an. Sein Unternehmen wolle direkt zum Start 80 Millionen Euro investieren. „Unsere Ziele für Deutschland sind ambitioniert, aber wir haben bislang noch kein Ziel verfehlt.“

Jackson hatte Octopus Energy erst vor vier Jahren gegründet. Inzwischen hat es schon 1,8 Millionen Kunden gewonnen und setzt aktuell rund 2,2 Milliarden Euro um. Nach der letzten erfolgreichen Finanzierungsrunde im April, bei der 330 Millionen Euro eingesammelt wurden, wird das Unternehmen mit 1,5 Milliarden Euro bewertet.

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    Jüngst wagte es schon den Markteintritt in den USA, Australien und Neuseeland. In Deutschland hat Octopus Energy im vergangenen Jahr das Start-up 4hundred übernommen. Der Zukauf soll jetzt unter dem Namen Octopus Energy Germany als Basis für die Expansion in Deutschland dienen.

    Grafik

    Der deutsche Energiemarkt gilt als schwierig. Neben den Energiekonzernen, ihren Discountmarken und Hunderten Stadtwerken konkurrieren auch Billiganbieter um Stromkunden. Der Wettbewerb wird dabei mit harten Bandagen ausgetragen.

    „Die Margen, die in dem Geschäft zu erzielen sind, sind einfach sehr schmal“, sagt Josef Thomas Sepp, Sprecher der Geschäftsführung von Lekker Energie, einem der wenigen bundesweiten Anbieter, die sich durchgesetzt haben.

    Teldafax, Flexstrom, BEV und Care Energy gingen pleite

    Die Stromkunden müssen zwar immer höhere Stromrechnungen bezahlen. Mehr als 80 Prozent des Strompreises entfallen jedoch auf Umlagen, Steuern und die Netzentgelte für die Durchleitung des Stroms. Vom Rest muss der Versorger noch den Strom im Großhandel einkaufen, Vertriebs- und Verwaltungskosten tragen.

    Bei einem günstigen Tarif für eine durchschnittliche Familie mit einem Verbrauch von 4000 Kilowattstunden im Jahr von vielleicht 1100 Euro bleiben am Ende, wenn es gut läuft, nur 50 Euro. Der deutsche Strommarkt hat deshalb mit Teldafax, Flexstrom oder zuletzt BEV schon viele spektakuläre Pleiten erlebt.

    Und Lekker-Energie-Manager Sepp rechnet mit einer weiteren Konsolidierung, nachdem sich nach der Übernahme von Innogy durch Eon ein eindeutiger Marktführer formiert hat.

    „Wir wagen den Markteintritt, gerade weil der Markt so hart umkämpft ist“, lässt sich Jackson aber nicht abschrecken. Als sein Unternehmen vor vier Jahren in den britischen Markt eingestiegen sei, habe es dieselben Warnungen gegeben: „Vier Jahre später sind wir in unserem Heimatmarkt einer der sechs großen Energieversorger.“

    Der Unternehmer hat Octopus Energy 2016 gegründet und will noch in viele Länder expandieren. Quelle: Octopus Energy
    Greg Jackson

    Der Unternehmer hat Octopus Energy 2016 gegründet und will noch in viele Länder expandieren.

    (Foto: Octopus Energy)

    Tatsächlich gilt der britische Energiemarkt als noch schwieriger als der deutsche. Hier hat die Aufsichtsbehörde die Preise so sehr gedeckelt, dass sich die Unternehmen einen teilweise ruinösen Wettbewerb lieferten.

    Octopus Energy konnte sich aber dank eines Wettbewerbsvorteils durchsetzen, der nun auch in Deutschland zum Erfolg führen soll: die IT-Plattform Kraken. „Unsere Technologie ermöglicht es uns, den Kunden grünere Energie zu besseren Preisen anzubieten, und zwar ohne die in der Branche üblichen Fallstricke“, verspricht Jackson.

    Die Technologieplattform ermöglicht es Octopus Energy nach Jacksons Worten, „einen Großteil der Energieversorgungskette zu automatisieren“. Dabei handele es sich im Grunde genommen um einen großen Roboter, der KI und Data-Science nutze, um repetitive Aufgaben zu automatisieren. „Das erlaubt es uns, mit einem viel kleineren Team zu arbeiten, wodurch wir unsere Effizienz steigern und unsere Kosten senken“, sagt Jackson.

    Auf dem Heimatmarkt gehört das Unternehmen schon zu den sechs größten Versorgern. Quelle: Octopus Energy
    Büro von Octopus Energy in Großbritannien

    Auf dem Heimatmarkt gehört das Unternehmen schon zu den sechs größten Versorgern.

    (Foto: Octopus Energy)

    Das ermögliche es Octopus, „den Kunden ein langfristig gutes Preis-Leistungs-Verhältnis zu bieten, statt sie mit niedrigen Preisen zu locken und diese zu einem späteren Zeitpunkt wieder anzuheben, wenn gerade keiner hinsieht“. Octopus wolle stattdessen mit gutem Kundendienst und preiswerter grüner Energie punkten. Octopus plane in Deutschland aber auch innovative Tarife für Elektrofahrzeuge oder Wärmepumpen.

    Kraken ist in der Lage, komplexe Tarife zu managen, bei denen die Preise im Laufe eines Tages variieren. Solchen Tarifen gehört in der Energiebranche die Zukunft, weil sie das schwankende Angebot von erneuerbaren Energien und den Bedarf der Kunden besser in Einklang bringen können.

    Beispielsweise sollen Elektroautos, die stundenlang an einer Steckdose hängen, am besten dann geladen werden, wenn es ein großes Stromangebot im Netz gibt. „Kraken ist so effizient, dass unsere jährlichen Kosten pro Kunde um 56 bis 168 Euro unter denen von großen Energieversorgern in Großbritannien liegen“, erklärt Jackson.

    Eon kooperiert in Großbritannien mit Octopus

    Das hat zumindest Eon erkannt. Der deutsche Energieriese hat im vergangenen Jahr die Technologieplattform von Octopus gewählt, um sein drängendstes Problem in den Griff zu bekommen: die britische Tochter von Innogy, N-Power, die Eon beim Tauschgeschäft mit RWE mit übernommen hat.

    N-Power hatte sich im Preiskampf komplett verzettelt und mit einer veralteten IT viele Kunden verloren. Bereits kurz nach der Übernahme schloss Eon mit der Octopus-Tochter Kraken Technologies ein Joint Venture für das Geschäft mit Privat- und Gewerbekunden in Großbritannien.

    Eon Next werde „die innovative Kundenplattform von Kraken Technologies nutzen“ und in enger Zusammenarbeit mit Kraken Technologies weiterentwickeln, kündigte Eon bei der Vertragsunterzeichnung im März an und lobte die „ausgeprägte Expertise“ von Kraken. „Wir werden die Vorteile der innovativen Kraken-Plattform nutzen, um einen hervorragenden Kundenservice zu bieten und zeitgleich langfristig kostenführend zu sein“, begründete Eon-Vorstand Karsten Wildberger die Zusammenarbeit.

    Und jetzt greift Octopus den Partner auf dem Heimatmarkt an? „Ich würde nicht sagen, dass wir sie angreifen. Ich würde sagen, wir treten in einen freundschaftlichen Wettbewerb“, so Jackson vielsagend.

    Die Ambitionen des britischen Unternehmens sind jedenfalls noch groß: „Wir investieren viel in unsere globale Expansion“, sagt Jackson. „Wir sind bereits in den USA, Australien und Neuseeland aktiv und planen, in den nächsten Jahren in etwa ein Dutzend weitere Märkte einzusteigen.“

    Mehr: Eon, VW und vielleicht Tesla: Der Strommarkt ordnet sich neu

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