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Branchenausblick Diese Herausforderungen hält das neue Jahr für die Luftfahrtbranche bereit

Das Image ist beschädigt, die Nachfrage sinkt, die Kosten steigen – die Luftfahrtindustrie hat wenig Grund zur Freude. Auch 2020 dürfte schwierig werden.
07.01.2020 - 14:50 Uhr Kommentieren
Nach zwei Abstürzen mit Dutzenden Toten muss der Flieger am Boden bleiben. Quelle: Reuters
737-Max-Maschinen

Nach zwei Abstürzen mit Dutzenden Toten muss der Flieger am Boden bleiben.

(Foto: Reuters)

Frankfurt Eine gute Nachricht gibt es. Der Hauptstadtflughafen BER soll am 31. Oktober endlich seinen Betrieb aufnehmen – nach 14 Jahren Bauzeit und zahlreichen Verzögerungen. Dass allerdings ausgerechnet Deutschlands Pannen-Airport für zumindest etwas gute Stimmung in der Luftfahrtindustrie sorgt, sagt alles: Die Luftfahrtmanager – weltweit und vor allem in Deutschland – stehen vor einem schwierigen Jahr 2020. Derzeit läuft in der Branche wenig rund. Viele Fragen sind unbeantwortet.

Da sind zum einen die strauchelnden Riesen. Der britische Reisekonzern Thomas Cook musste 2019 Insolvenz anmelden und hat den touristischen Luftverkehr durcheinandergewirbelt. Noch ist nicht klar, was zum Beispiel aus dem deutschen Ableger Condor wird.

Und noch ein anderer Konzern steckt in der Krise: der US-Flugzeughersteller Boeing. Wann der Kurz- und Mittelstreckenjet 737 Max, der nach zwei Abstürzen seit fast einem Jahr am Boden bleiben muss, wieder abheben darf, ist ungewiss.

Weltweit warten Airlines auf den effizienten Jet. Er ist fest eingeplant – für das Wachstum, aber auch, um die Kosten zu verbessern. Dass die Max so lange ausfällt, hat den Fluggesellschaften schon 2019 erhebliche Mehrkosten beschert und wird das wohl auch im neuen Jahr tun.

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    Und da ist zum anderen das Problem, dass niemand wirklich genau vorhersagen kann, wie sich die Nachfrage nach Flugreisen entwickeln wird. Es gibt sehr unterschiedliche und zum Teil widersprüchliche Signale. In Deutschland etwa ist die Passagierzahl im vergangenen November im Vergleich zum Vorjahresmonat um 3,7 Prozent auf 17,4 Millionen Fluggäste gesunken. In den ersten elf Monaten des vergangenen Jahres zählte der Flughafenverband ADV 231,2 Millionen Passagiere. Das ist zwar ein Plus von 1,8 Prozent, aber ein langsameres Wachstum als in den Vorjahren.

    ADV erwartet Rückgang

    Im gesamten Jahr 2019 dürfte die Passagierzahl laut ADV nur leicht über dem Vorjahreswert von knapp 245 Millionen gelegen haben. Noch zu Beginn des vergangenen Jahres hatten die Experten des Flughafenverbands aber ein Plus auf über 250 Millionen Fluggäste erwartet. Das zeigt, wie sehr sich die Nachfrage gedreht hat.

    Daran wird sich im nun gestarteten Jahr wohl wenig ändern. Der ADV rechnet deshalb für 2020 mit einem Rückgang bei den Fluggastzahlen um 0,7 Prozent. Weil zunehmend größeres Fluggerät eingesetzt wird, dürfte die Zahl der Starts und Landungen sogar um 2,9 Prozent fallen.

    Grafik

    Auch weltweit lässt das Wachstum nach, wie der Weltairline-Verband Iata Anfang Dezember konstatierte. Die Organisation verwies dabei beispielhaft auf die Oktoberzahlen der Branche. Danach legte die branchenspezifische Kennzahl „Umsatz je Passagier und geflogenen Kilometer“ in dem Herbstmonat nur noch um 3,4 Prozent zu, nach einem Plus von 3,9 Prozent im September 2019.

    „Das Verkehrswachstum verlangsamt sich weiter verglichen mit der historisch langen Wachstumsphase“, sagte Alexandre de Juniac, Generaldirektor und CEO der Iata. Die Zahlen reflektierten die sich abschwächende wirtschaftliche Aktivität und die sinkende Stimmung in der Wirtschaft.

    Gleichzeitig gehen Experten aber davon aus, dass der Luftverkehr mittelfristig weiter deutlich zulegen kann. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) erwartet im Jahr 2040 über 9,4 Milliarden Fluggäste weltweit. Das wäre mehr als eine Verdopplung der Passagierzahl des Jahres 2016, die bei rund vier Milliarden Fluggästen lag.

    Gleichzeitig werde die Zahl der Flüge im gleichen Zeitraum von 35,5 Millionen auf 53 Millionen wachsen. Um die Nachfrage – vor allem in Asien erwarten die Experten ein starkes Wachstum – zu bewältigen, würden die Airlines zunehmend größeres Fluggerät einsetzen, prognostizieren die DLR-Forscher.

    Wächst die Luftfahrt nun oder nicht? Was auf den ersten Blick wie ein Widerspruch wirkt, muss keiner sein. Fest steht: Kurzfristig, also im nun begonnenen Jahr, dürfen die Airline-Manager kaum mit kräftigen Zuwachsraten rechnen. Daran ändern die mittelfristig positiven Aussichten nichts. Noch wichtiger: Allein eine gute Nachfrage sagt noch nichts über die wirtschaftliche Verfassung der Luftfahrt aus.

    Der Weltverband Iata geht zum Beispiel davon aus, dass die Menschen 2020 weltweit 908 Milliarden Dollar für Flugreisen ausgeben werden. Das sind immerhin vier Prozent mehr als jene 873 Milliarden Dollar, die im gerade abgelaufenen Jahr investiert wurden. Dies ist erst einmal eine gute Nachricht.

    Die schlechte Nachricht: Gleichzeitig wird der durchschnittliche Preis für ein Hin- und Rückflugticket bereinigt um Gebühren und Steuern laut Iata im laufenden Jahr etwa 293 Dollar betragen. Das ist nicht nur weniger als die 307 Dollar, die der Verband für 2019 angibt. Es sind auch satte 64 Prozent weniger als der durchschnittliche Ticketpreis im Jahr 1998.

    Die Zahlen belegen, wie hart der Preiswettstreit in der Luftfahrt ist. In diesem Umfeld eine wirtschaftlich gesunde Fluggesellschaft zu führen ist eine große Herausforderung. Das zeigen auch die zahlreichen Insolvenzen der zurückliegenden beiden Jahre.

    Umso wichtiger ist es für die Unternehmen, weiter an der Kostenschraube zu drehen. Doch das ist nicht so einfach. Viele Jobs in der Luftfahrt gelten mittlerweile als nicht gut bezahlt. Hier weiter einzusparen dürfte schwierig werden. Vielmehr dürfte der Personalaufwand eher steigen, vor allem bei den Billiganbietern. Deren Mitarbeiter haben Betriebsräte gegründet, und Gewerkschaften setzen hier sukzessive Tarifverträge durch.

    Sinkflug an den Börsen
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