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Coronakrise Bahn macht im ersten Halbjahr den größten Verlust ihrer Geschichte

Die Bahn hat im ersten Halbjahr einen Rekordverlust eingefahren. Der Vorstand hofft auf die Genehmigung der Milliardenhilfen des Bundes durch die EU.
30.07.2020 Update: 30.07.2020 - 13:51 Uhr Kommentieren
Verstärkte Reinigung, aber weiterhin keine Reservierungspflicht. Quelle: AFP
Bahnfahren in Coronazeiten

Verstärkte Reinigung, aber weiterhin keine Reservierungspflicht.

(Foto: AFP)

Düsseldorf Der Vorstand der Deutschen Bahn ist zuversichtlich, dass die milliardenschweren Hilfen des Bundes von der EU-Wettbewerbskommission genehmigt werden. In der Coronakrise habe sich gezeigt, dass die Bahn ein „systemrelevantes Unternehmen“ sei. Und deshalb „ist es auch nur folgerichtig, dass der Eigentümer unterstützt“, sagte Finanzchef Levin Holle am Donnerstag. Alle Kapitalhilfen für die Bahn in den vergangenen Jahren seien „im Einklang mit dem EU-Beihilferecht“ gewesen, versicherte Holle, der bis Jahresbeginn Abteilungsleiter im Bundesfinanzministerium war.

Die Bundesregierung hatte der Deutschen Bahn im Mai zwischen 5,5 Milliarden und 6,7 Milliarden Euro zugesagt, „ausschließlich, um Corona-bedingte Verluste auszugleichen“, versicherte Holle. Schon 2019 hatte der Bund elf Milliarden Euro frisches Eigenkapital im Rahmen des Klimapakets bereitgestellt. Beide Hilfen müssen von Brüssel genehmigt werden.

Konkurrenten der Deutschen Bahn befürchten eine Wettbewerbsverzerrung zugunsten des Staatsunternehmens. Flixtrain drängt in Brüssel darauf, der Bahn Auflagen zu machen. Der Branchenverband NEE fordert, die „EU-Auflagen müssen die Bundesregierung vor einer Demontage der Bahnreform bewahren“.

Die Bahn braucht die Kapitalspritzen dringend. Finanzvorstand Holle machte deutlich, dass am Jahresende die ohnehin schon auf gut 27 Milliarden Euro gestiegene Nettofinanzverschuldung nur dann gehalten werden kann, wenn Geld aus Berlin fließt. Der Haushaltsausschuss hatte aber vorsorglich schon den Verschuldungsrahmen von zuvor 24 Milliarden auf 30 Milliarden Euro angehoben.

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    Ursache sind die massiven Verluste. Die Coronakrise hat die Deutsche Bahn tief in die roten Zahlen gedrückt und bereits zum Halbjahr für den größten Verlust in der Unternehmensgeschichte gesorgt. Das Minus nach Steuern beträgt 3,7 Milliarden Euro, bestätigte der Vorstand bei der Präsentation der Halbjahreszahlen.

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    Schon das operative Geschäft ergab einen Verlust von 1,8 Milliarden Euro (Ebit). Der Finanzchef rechnet hier zum Jahresende mit einem Anstieg des Verlusts auf minus 3,5 Milliarden Euro. „Das Virus hat unseren erfolgreichen Wachstumskurs jäh ausgebremst und die Deutsche Bahn in die schlimmste finanzielle Krise seit ihrem Bestehen gestürzt“, räumte Bahnchef Richard Lutz ein.

    Zum Betriebsverlust im ersten Halbjahr kommt unter anderem noch eine Sonderabschreibung auf den Firmenwert der Auslandstochter Arriva von 1,4 Milliarden Euro. Dies führte zum Gesamtverlust von 3,7 Milliarden Euro im ersten Halbjahr. Auch bei der Cargo-Tochter war über weitere Abschreibungen spekuliert worden. Holle versicherte, zum 30. Juni „gab es keinen Bedarf“.

    Die Deutsche Bahn hatte schon vor der Coronakrise erhebliche Schwierigkeiten im Güterverkehr. Die Cargo-Tochter schreibt seit Jahren Verluste und stürzte 2015 mit Sonderabschreibungen von 1,3 Milliarden Euro den Gesamtkonzern in die roten Zahlen.

    Bahnchef plant trotz Corona keine Reservierungspflicht

    Die Bahn hatte nach Absprache mit der Bundesregierung trotz des Passagiereinbruchs um bis zu 90 Prozent das Zugangebot weitgehend beibehalten. Verglichen mit dem ersten Halbjahr 2019 ist die Zahl der Fahrgäste zwischen Januar und Juni fast um die Hälfte gesunken. Im Regionalverkehr war der Einbruch etwas geringer. Konzernchef Lutz betonte aber, täglich hätten trotz des Shutdowns bis zu eine Million Menschen die Züge genutzt. Damit habe die Bahn „Mobilität in Deutschland sichergestellt“.

    Lutz rechnet nicht vor 2022 mit einer Normalisierung des Bahnverkehrs. Ein Fahrgastaufkommen wie in Vor-Corona-Zeiten werde es wohl erst wieder geben, wenn es einen Impfstoff gegen das Virus oder Medikamente gegen die Symptome gebe, sagte Lutz. Seit dem Einbruch im Frühjahr habe die Bahn bis heute im Fern- und Regionalverkehr etwa die Hälfte der Fahrgäste zurückgewonnen.

    Nach Einschätzung des Bahnvorstands ist das Bahnfahren in „Coronazeiten sicher“. Das zeigten auch die sehr niedrigen Fallzahlen beim eigenen Personal, sagte Lutz. „Es besteht so gut wie keine Ansteckungsgefahr in unseren Zügen“. Lutz erteilte einer Reservierungspflicht erneut eine klare Absage, selbst wenn die Züge im Laufe der nächsten Zeit wieder voller würden.

    Mehr: Beteiligungen der Bahn sorgen für Streit – besonders die im Ausland

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