Flugzeughersteller: Boeing rechnet auch in Hochsaison mit Flugverbot für 737 Max
New York, Düsseldorf. Der Flugzeugbauer Boeing rechnet damit, dass die Aufsichtsbehörden das Flugverbot für die 737 Max nicht vor Juni oder Juli aufheben werden. Die US-Flugaufsicht FAA wir nach Ansicht des Konzerns nicht vor Juni oder Juli die Starterlaubnis verfügen, gab der Konzern am Dienstagabend bekannt und bestätigte damit eine Meldung des TV-Senders CNBC.
„Wir informieren unsere Kunden und Lieferanten darüber, dass wir derzeit davon ausgehen, dass das Startverbot der 737 Max Mitte 2020 enden wird“, erklärte Boeing in einer Mitteilung. Grund sei auch die „rigorose Prüfung“ der Aufsichtsbehörden. Weitere Informationen will Boeing beim Quartalsbericht kommende Woche liefern.
Sollte sich die Erwartung bestätigen, könnten die betroffenen Boeing-Maschinen auch während der Hochsaison nicht abheben. Von so einer langen Pause war der Hersteller nicht ausgegangen. Die Boeing-Aktie reagierte umgehend auf den Bericht und rutschte mehr als fünf Prozent ins Minus. Angesichts der starken Kursbewegungen wurden die Papiere sogar zeitweise vom Handel ausgesetzt.
Die FAA gab in einer Stellungnahme bekannt, dass Boeings 737 Max die „höchsten Zertifizierungsstandards“ erfüllen müsse, um wieder zugelassen zu werden. Beim Prüfungsprozess kooperiere die Behörde mit anderen internationalen Regulierern. „Wir haben keinen Zeitplan festgelegt, wann diese Arbeiten fertiggestellt werden“, so die FAA.
Boeing hatte zuletzt ein neues Software-Problem bei der 737 Max gefunden, das eine Wiederinbetriebnahme erschweren könnte. „Wir nehmen die notwendigen Updates vor“, teilte das Unternehmen am Freitag mit. „Unsere oberste Priorität ist, dass die 737 Max sicher ist und alle regulatorischen Vorgaben erfüllt sind, bevor sie wieder in den Betrieb geht.“ Boeing arbeite mit der US-Flugaufsicht FAA zusammen und halte Kunden und Zulieferer auf dem Laufenden.
Das Boeing-Modell 737 Max ist seit März aus dem Verkehr gezogen, nachdem bei zwei Abstürzen in Indonesien und Äthiopien innerhalb von fünf Monaten 346 Menschen ums Leben kamen. Nach Einschätzung von Analysten schreibt der Konzern wegen des Flugverbots pro Monat rund eine Milliarde Dollar Verlust.
Die Ratingagentur Fitch hatte Ende der vergangenen Woche ihre Bewertung für den Flugzeugbauer gesenkt. Sie stufte das langfristige Kreditrating herunter auf „A-“ von zuvor „A“ und begründete den Schritt mit gestiegenen Risiken wegen der Schwierigkeiten mit den 737-Max-Flugzeugen. Die Probleme mit den Maschinen hätten dazu geführt, dass das Finanzpolster des Konzerns deutlich geschrumpft sei.
Im Zentrum der Krise steht das für die 737 Max entwickelte Steuerungsprogramm MCAS, das laut Untersuchungsberichten eine entscheidende Rolle bei den Abstürzen gespielt hat. Boeing empfiehlt inzwischen vor der Wiederinbetriebnahme des Unglücksfliegers für alle Piloten Trainings im Flugsimulator.