Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Modehandel Bonprix sortiert mit Künstlicher Intelligenz die Ladenhüter aus

Auch mittelständische Händler setzen zunehmend Algorithmen ein, um Wünsche ihrer Kunden besser kennen zu lernen. Selbst die Retourenquote sinkt damit.
08.09.2020 - 04:00 Uhr Kommentieren
Künstliche Intelligenz soll vorhersagen, welche Artikel in der nächsten Saison gefragt sind. Quelle: bonprix Handelsgesellschaft mbH
Filiale von Bonprix

Künstliche Intelligenz soll vorhersagen, welche Artikel in der nächsten Saison gefragt sind.

(Foto: bonprix Handelsgesellschaft mbH)

Düsseldorf Der größte Horror ist es für Modehändler, wenn das aktuelle Sortiment die Wünsche der Kunden nicht trifft. Denn angesichts schnell drehender Kollektionen muss in kürzester Zeit wieder Platz im Lager und im Geschäft geschaffen werden. Artikel, die sich nicht rasch verkaufen, müssen mit Rabatt verschleudert werden – was angesichts geringer Gewinnmargen schnell zum Zuschussgeschäft wird.

Der Händler Bonprix setzt deshalb jetzt auf Künstliche Intelligenz (KI), um genau dieses Problem in den Griff zu bekommen. Gemeinsam mit KI-Experten der Muttergesellschaft Otto Group hat das Unternehmen ein Prognosesystem entwickelt, das genauere Vorhersagen treffen kann, wie gut ein Artikel von den Kunden nachgefragt wird. Mögliche Flops sollen so schon im Vorfeld aussortiert werden.

„KI kann durch ihre Fähigkeit, die verschiedensten Einflussfaktoren zu berücksichtigen, wertvollen Input liefern, um die wirklich besten Styles für unsere Kundinnen zu kreieren“, erklärt Jessica Külper, Abteilungsleiterin Supply Chain Strategy bei Bonprix. Das letzte Wort bei der Entscheidung habe zwar immer noch der Mensch. Aber die Technologie könne dabei entscheidende Hinweise geben.

Das neue System ist nach einer Testphase im Sommer jetzt eingeführt worden und soll erstmals bei der Januarkollektion 2021 zum Einsatz kommen. Hinter dem Prognosesystem steckt ein Machine-Learning-Algorithmus, der sich mithilfe immer neu gewonnener Informationen kontinuierlich selbst optimiert, sodass die Vorhersagen zunehmend präziser werden sollen.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Nach einigen Pilotprojekten werden jetzt Künstliche Intelligenz und Machine Learning auch im Handel zunehmend in der Praxis eingesetzt. „Es gibt mittlerweile viele Händler, die diese Technologie ganz selbstverständlich einsetzen, der Hype geht in den Arbeitsmodus über“, erläuterte Michael Feindt, Gründer des Technologieunternehmens Blue Yonder und einer der führenden Experten für den Einsatz von KI im Handel, kürzlich in einem Interview mit dem Handelsblatt.

    KI hilft bereits im Lebensmittelhandel

    Eine Befragung des Handelsforschungsinstituts EHI unter den entsprechenden Experten in den Unternehmen ergab jüngst, dass langfristig eine durch KI ausgelöste Disruption im Handel erwartet wird – getrieben durch leistungsstarke, autarke und selbstoptimierende Systeme.

    „Es wird für Handelsunternehmen erfolgsentscheidend sein, sich aktiv mit der Technologie auseinanderzusetzen, um sich im Entwicklungsprozess nicht von anderen Branchen abhängen zu lassen“, sagt Marco Atzberger, EHI-Geschäftsführer.

    Weit verbreitet ist der Einsatz von KI bereits im Lebensmittelhandel. „KI hilft immer da am besten, wo eine große Zahl von ähnlichen und sich wiederholenden Entscheidungen getroffen werden muss“, sagt KI-Experte Feindt. Sie habe beispielsweise einen gewaltigen Wert beim Einkauf von Frischware. „Wenn man da den Nachschub automatisiert, entsteht sofort ein riesiger Nutzen, weil viel weniger verdorbene Ware weggeworfen werden muss.“

    Doch auch im Modehandel ergeben sich vielfältige Einsatzmöglichkeiten. Der Onlinehändler Zalando beispielsweise beschäftigt mehr als 100 KI-Experten. Der Händler hat gerade erst die KI-Koryphäe Ralf Herbrich von Amazon abgeworben und zum Leiter des Bereichs Datenanalyse und maschinelles Lernen gemacht.

    Die Technologie wird mittlerweile entlang der kompletten Wertschöpfungskette im Modehandel eingesetzt. Während sie in der Logistik bereits länger eher unauffällig im Hintergrund läuft, setzt sie sich zunehmend auch dort durch, wo sie dem Kunden direkten Nutzen bringt. So verbessert KI beispielsweise bei vielen Onlinehändlern die Produktsuche. Auch kann mithilfe von Machine Learning das Angebot im Webshop für einzelne Kunden individualisiert werden.

    Gezielte Größenempfehlung für die Kunden

    „Wir bei Bonprix setzen bereits seit Jahren vermehrt auf KI, um deren Vorteile für die Zufriedenheit unserer Kundinnen und die Ausschöpfung unserer Geschäftspotenziale zu nutzen“, sagt Markus Fuchshofen, Geschäftsführer von Bonprix. „Dabei ergeben sich immer wieder neue Chancen, besonders von der hohen Lernfähigkeit von KI zu profitieren“, betont er.

    Besonders im Onlinehandel mit Mode ist es ein besonderes Problem, dass die Größen bei den einzelnen Marken sehr unterschiedlich ausfallen. Dadurch ist es für die Kunden schwer, auf Anhieb die richtige Passform zu finden. Deshalb bestellen sie oft vorsichtshalber mehrere Größen und schicken die nicht passenden Artikel zurück – was die Retourenquote des Händlers in die Höhe treibt und unnötige Kosten verursacht.

    Um das zu vermeiden, nutzt Bonprix beispielsweise den sogenannten Fit Finder, eine Entwicklung des Berliner Technologieunternehmens Fit Analytics. Das Tool, das auch bei zahlreichen anderen Modeunternehmen wie Boss, Peek & Cloppenburg, Puma oder Esprit im Einsatz ist, wertet mithilfe von Künstlicher Intelligenz die Angaben der Kunden und die Kauf- und Produktdaten aus. Auf dieser Basis kann es dann gezielter Größenempfehlungen geben.

    Das wurde gerade in der jüngsten Zeit von den Kunden verstärkt genutzt. Seit der zweiten Aprilwoche sei eine deutlich häufigere Nutzung des Fit Finders als noch vor der Corona-Pandemie zu verzeichnen, heißt es bei Bonprix. Offenbar wollen die Kunden so unnötige Besuche bei der Paketannahme vermeiden.

    Mehr: Personalisierung im Handel - wenn KI in Sekundenbruchteilen auf Kundenwünsche reagiert.

    Startseite
    Mehr zu: Modehandel - Bonprix sortiert mit Künstlicher Intelligenz die Ladenhüter aus
    0 Kommentare zu "Modehandel: Bonprix sortiert mit Künstlicher Intelligenz die Ladenhüter aus"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%