Landtagswahlen: Edeka warnt in Werbekampagne vor der AfD
Düsseldorf. Mit einer ungewöhnlichen Werbekampagne warnt Deutschlands größter Lebensmitteleinzelhändler Edeka davor, bei den Landtagswahlen in Thüringen, Sachsen und Brandenburg die AfD zu wählen. In der Wochenzeitung „Die Zeit“ und der Donnerstagsausgabe der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ hat Edeka ganzseitige Anzeigen mit dem Spruch „Warum bei Edeka Blau nicht zur Wahl steht“ geschaltet.
Auf der Anzeige sind gelbe Bananen, rote Tomaten, grüner Salat oder violette Trauben zu sehen – aber keine blauen Produkte. „Blaue Lebensmittel seien ein Warnhinweis der Natur, der sage: „Achtung! Ich könnte unverträglich sein“, schreibt der Handelsriese in der Anzeige. Die Evolution habe gelehrt, dass Blau keine gute Wahl sei.
Weiter heißt es: „Und wo wir bei Wahlen sind: Nicht nur bei Obst und Gemüse ist Blau der natürliche Feind gesunder Vielfalt.“ In Deutschland seien die Blauen – ganz offensichtlich eine Anspielung auf die AfD – schon heute die größte Bedrohung einer vielfältigen Gesellschaft. „Lasst uns also zu den Landtagswahlen die Warnhinweise richtig lesen – und für ein verträgliches Miteinander sorgen.“
Schon in den vergangenen Tagen hatte sich Edeka mit ähnlichen Formulierungen auf den Social-Media-Plattformen Instagram und Tiktok positioniert. Edeka wandelte dafür den eigenen Claim „Wir lieben Lebensmittel“ in „Wir lieben Vielfalt“ um.
Der stellvertretende Sprecher des AfD-Landesvorstands Thüringen, Torben Braga, bedankte sich im sozialen Netzwerk X für die „fleißige Unterstützung“ im Wahlkampf. „Ihre Kunden, Mitarbeiter, Lieferanten wählen uns auch“, schrieb er an Edeka gerichtet.
Am Sonntag sind Millionen Deutsche in Thüringen und Sachsen zur Wahl ihres neuen Landtags aufgerufen. Laut Umfragen könnte die AfD, die in Teilen als gesichert rechtsextrem gilt, in Thüringen und Sachsen die stärkste Kraft werden.
Nicht das erste politische Statement
Dass sich Supermarktketten wie Edeka politisch äußern, ist selten – schließlich wollen sie möglichst viele Kunden ansprechen. Gerade Vollsortimenter wie Edeka stehen derzeit unter Druck, weil viele Kunden wegen der hohen Lebenshaltungskosten vermehrt im Discounter einkaufen. Es besteht das Risiko, dass Edeka AfD-Wähler verprellt oder es zu Drohungen in Edeka-Filialen kommt.
Allerdings ist es nicht das erste Mal, dass sich Edeka politisch äußert. Der Händler hatte sich bereits Anfang Januar mit einem Social-Media-Video gegen Rechtsextremismus positioniert. In einem kurzen Film sieht man, wie verwunderte Kunden durch einen Supermarkt mit fast leeren Regalen laufen. „Stellen Sie sich einen Supermarkt vor, in dem es nur deutsche Produkte gibt“, steht in dem Clip. Das Video wurde schon vor ein paar Jahren zum ersten Mal veröffentlicht.
Deutschlands größter Einzelhändler ist ein weiteres Unternehmen, das sich nun öffentlich für mehr Vielfalt positioniert. In einer Kampagne mit dem Namen „Made in Germany – Made by Vielfalt“ hatten sich zunächst rund 40 Familienunternehmen, darunter Miele, Schwartau, Trigema und Rossmann, gegen Populismus und Fremdenfeindlichkeit sowie für Vielfalt in Deutschland eingesetzt.
Mehr Zuspruch für Unternehmer-Initiative
Am vergangenen Wochenende kritisierte Thüringens AfD-Spitzenkandidat Björn Höcke die Kampagne als „pure Heuchelei“. Er empfiehlt den Unternehmen, „einfach mal die Klappe zu halten, wenn es um Politik geht“. Höcke wirft den beteiligten Firmen vor, dass viele ihren wirtschaftlichen Schwerpunkt schon vor Jahren ins Ausland verlagert hätten.
Die Aussagen sorgten für einen heftigen Streit mit der Wirtschaft. So schrieb Marie-Christine Ostermann, Präsidentin des Verbands „Die Familienunternehmen“, am Dienstag in einem Gastbeitrag für das Handelsblatt: „Wir lassen uns von Höcke nicht den Mund verbieten.“ Und weiter: „Wenn Unternehmen in schwere wirtschaftliche Turbulenzen geraten, sind immer auch die Beschäftigten vor Ort die Leidtragenden.“
Die Initiative der Familienunternehmer erfährt nach den Anfeindungen immer mehr Zuspruch: Mittlerweile seien über 80 Unternehmer dabei, heißt es von den Initiatoren. „Das zeigt, wie sehr sich Unternehmer im Land um die Zukunft des Wirtschaftsstandorts Deutschland sorgen.“
Erstpublikation: 29.08.2024, 10:59 Uhr.